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Geschrieben von Nomadin13 am 17.08.2011, 19:45 Uhrzurück

weitere Gedanken und meine Erfahrungen

Wow, sehr gut geschriebener Beitrag!

Richtig! Depressive Verstimmung ist ungleich Depression. Richtig, wird zu oft vermischt (auch von mir....).

Und nochmals richtig: aus einer Depression (eben nicht depressive Verstimmung) kommt man (meine Meinung!) nur mit Medikamenten wieder raus. Weil der Serotonin-Haushalt eben _nachhaltig_ gestoert ist. In eine depressive Verstimmung kommt man resp. aus der kommt man wieder raus, weil der Koerper das Serotonin-Gleichgewicht selber wieder in den Griff bekommt.
Das kann man doch mit Diabetes vergleichen, oder? (na ja, okay, wieder einmal zumindest in vereinfachter Weise): bei Diabetes-Kranken ist der Insulin-Haushalt nicht in Ordnung, der Koerper ist nicht faehig, den selber wieder in Ordnung zu bringen, deshalb muessen Diabetiker ihr Leben lang Insulin spritzen.
Auf Depression (nicht depressive Verstimmung) angewandt:
Der Neurotransmitter-Haushalt (Serotonin als bekanntester Neurotransmitter, Neurotransmitter sind essentiell fuer die Funktion des Zentralnervensystems) ist nicht in Ordnung, der Koerper kann das Gleichgewicht nicht selbstaendig (wieder) herstellen, darum ist (teilweise lebenslang, teilweise nicht = ich bin der lebendige Beweis) die Einnahme von Antidepressiva noetig.

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten: ich war unglaublich beeindruckt, wieviel klarer ich denken konnte, als mein Arzt und ich endlich das richtige Antidepressiva in der richtigen Dosierung gefunden hatten.
(Ach ja, nebenbei noch: ein ebenfalls an einer Depression leidender Kollege hat einmal gesagt: Depression ist als waere dein Hirn wie eine Flasche voll Erdnuesschen, die dauernd geschuettelt wird. Alles ist durcheinander und die Gedanken koennen nicht in geordneter Weise durch diesen engen Flaschenhals rauskommen.)

Die Gespraechstherapie half mir anfangs viel durch den (von mir im Ausgangspost erwaehnten) Input von "positiver Energie". Natuerlich auch noch durch andere Aspekte (teilweise verstehen, woher die Depression allenfalls kommt, wie im Alltag damit umgehen, wie in aktuen Phasen damit umgehen u.a.), spaeter, als die Medikamente dann anschlugen in der Gewoehnung, all diese "guten" Verhaltensmuster, von denen man eigentlich wusste, dass sie gut sind und wie sie angewandt werden sollten, aber unter der Depression einfach nicht moeglich war, endlich selber praktisch anzuwenden und die Erfahrungen damit zu reflektieren.

Ich ertappe mich oft beim Gedanken: ohne Medikamente und ohne Therapie waere ich heute nicht mehr am Leben. Ob das tatsaechlich stimmt, wird nie jemand wissen. Wichtig aber ist, dass meine Lebensqualitaet zugenommen hat, dass ich wieder Freude am Leben fand, und dass auch die Leute um ich rum wieder gluecklicher wurden, weil es mir wieder besser ging.

Ich wuensche jedem, der je eine Depression erfahren muss, gute Umstaende, um rechtzeitig die richtige Hilfe zu bekommen, um wieder Lebensfreude zu finden.

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