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Geschrieben von Elisabeth mit Fumi & Temi am 08.01.2004, 12:13 Uhrzurück

Bitte, bitte, darf ich...... (bettel)

.... noch mal mein Lieblingssprichwort anbringen?

"It takes a village to raise a child!"

(Ha, Elisabeth ist glücklich!)

KEIN Mensch kann alles. Wenn ich als Mutter total unmusikalisch bin, mein Kind aber nicht, dann werde ich doch nicht versuchen, dem armen Zwack Klavier beizubringen. Wenn ich ein eher extrovertierter Mensch bin, mein Kind aber eher introvertiert, dann versteht der ebenfalls introvertierte Onkel ein bestimmtes Problem vielleicht viel besser als ich und kann auch besser Ratschläge geben.

Eine Mutter, die an sich den Anspruch stellt, ihrem Kind ALLES zu geben, muß scheitern. Und das ist unabhängig davon, ob sie nebenbei berufstätig ist oder nicht. Der Vorteil ist lediglich: Wenn das Kind zeitweise fremdbetreut wird, ist der "Schaden" den so eine Mutter anrichtet, begrenzbar.

Daher: Volle Zustimmung für Marit. Schlechte Mütter sind nicht die, die arbeiten oder nicht, schlechte Mütter sind die, die das Kind zu einer Lebensaufgabe machen. Damit wird das Kind verantwortlich für das Wohl und Wehe der Mutter. So wie ein Ehepartner aber nicht alle emotionalen Bedürfnisse befriedigen kann, so kann auch ein Kind das nicht. Und auch eine Mutter schafft es auf Dauer nicht, alle Bedürfnisse ihres Kindes zu befriedigen. Dazu braucht es Väter, Geschwister, Freunde, Tanten, Onkel, Omas, Opas - eben ein ganzes Dorf. Was den immensen Vorteil hat, daß ich als Mutter mir das Perfekt-Sein abschminken darf. Und wenn ich einen schlechten Tag habe, darf ich mein Kind auch mal anbrüllen, weil es von jemand anders emotional aufgefangen wird. (Umgekehrt darf mein Kind mich auch mal anbrüllen, weil davon nicht gleich meine Welt zusammenbricht.)

Ich erzähle Euch mal was:
Meine Mutter war eine "Nur-Mutter". Sie hat sich nicht für dieses Leben entschieden, es war einfach der einzige Weg,der ihr offen stand, weil Berufstätig-Sein Anfang der 60er in ihrer Umgebung einfach keine Option für eine verheiratete Frau war. Sie hatte drei Kinder, wollte aber viel mehr. Schon das dritte Kind enstand gegen den Rat der Ärzte, danach wurden ihr die Eileiter durchtrennt, weil jedes weitere Kind ihren Tod bedeutet hätte. Also konzentrierte sie sich darauf, das Leben, was sie in ihren Augen verpaßt hat, durch ihre Kinder zu leben. Ihre emotionalen und kognitiven Bedürfnisse hat sie praktischerweise auf uns aufgeteilt. Ich sollte die Karriere machen, die ihr versagt blieb. Die mittlere Schwester sollte die Kinder in die Welt setzen, die meine Mutter eigentlich noch hätte haben wollen. Und meine jüngste Schwester sollte die rebellische Globetrotterin werden, die meine Mutter in sich versteckt liegen sah. Als ich geheiratet habe, sah meine Mutter das als persönliches Scheitern an. Meine Mutter hatte vor allem irgendwann völlig abgehobene Vorstellungen, was sie hätte erreichen können, wenn sie ihren Beruf nicht aufgegeben hätte. Ich war nie in der Lage, so gut zu sein, wie sie es in ihren Träumen war. Heute bin ich in Behandlung wegen Depressionen und nehme Psychopharmaka, die mich davon abhalten, aus dem nächsten Fenster zu springen.

Ich gebe die Schuld nicht mehr meiner Mutter. Sie ist ein Produkt ihrer Verhältnisse. Aber ich weiß, daß ich ihr ähnlich genug bin, um die gleichen Fehler machen zu können - und das ist mit ein Grund, warum ich NIE NIE NIE meinen Beruf aufgeben werde. Fumi soll so sein dürfen, wie sie möchte. Sie soll sich nie an meinen Vorstellungen messen müssen. Mir reicht es schon, daß ich wahrscheinlich bis ans Ende meines Lebens Mühe haben werde, meine eigenen Wünsche und Vorstellungen von denen meiner Mutter zu trennen.

Schöne Grüße,
Elisabeth.

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