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Geschrieben von Strudelteigteilchen am 23.10.2017, 9:56 Uhr zurück

Andere Baustelle, gleicher Effekt, aber keiner brüllt "Diskriminierung"

Ich bin zwar alleinerziehend mit zwei Kindern, aber weil die Kinder beide schon groß sind, schränken diese mich nicht wirklich ein. Ich habe damals in die Bewerbung explizit reingeschrieben, daß beide Kinder schon über 12 sind. Daß ich Kinder habe ist aus meinem Lebenslauf und meiner Lohnsteuerkarte ersichtlich. Daß ich verheiratet war erkennt man aus den unterschiedlichen Namen im den Zeugnissen. Daß ich geschieden bin ist aus der Lohnsteuerkarte ersichtlich. Ich hätte es albern gefunden, das zu verheimlichen.

Problematischer war für mich, daß ich gesundheitlich eingeschränkt bin. Auch das ist aus dem Lebenslauf zu deduzieren. Natürlich nicht, was genau war und inwiefern mich das einschränkt, aber daß "was war" kann ich nicht verheimlichen.

Zunächst habe ich versucht, das möglichst zu überspielen - also sowohl im Lebenslauf als auch im Vorstellungsgespräch so zu tun, als ob das nur eine Kleinigkeit war. Meine Erfahrung ist: Genau dann denken die Personaler, daß es irgendwas ganz Fürchterliches ist. So etwas Unbekanntes dräut doch viel mehr als etwas, was man klar benennen und definieren kann.

Erst als ich von der Heimlichtuerei die Schnauze voll hatte und offen mit meiner Vergangenheit und deren Auswirkungen auf die Gegenwart umging, tat sich für mich was. Ich bekam mehr Vorstellungsgespräche, diese waren konstruktiver und klarer (für beide Seiten!!), und ich fand endlich einen Job, der für mich mit meinen Einschränkungen gut paßt. Meine Behinderung ist nicht mehr irgendeine "große Unbekannte", die für potentielle Arbeitgeber und tatsächliche Chefs schwer zu greifen und daher beängstigend ist. Stattdessen hat sie einen Namen, ist klar definiert und in allen Konsequenzen sichtbar, das macht sie für alle Seiten händelbar.

Ich würde nach dieser Erfahrung jedem raten, mit ALLEN Einschränkungen, die man hat - kleine Kinder, behinderte Kinder, eigene Behinderungen und Krankheiten, sonstige Defizite - offen und souverän umzugehen. Ich will ja arbeiten, und ich will ein Gewinn für die Firma meines Arbeitgebers sein. Wenn ich das nicht sein kann, brauche ich mich nicht zu bewerben. Aber wenn ich es sein kann - trotz oder sogar wegen der Einschränkungen, die ich aus irgendwelchen Gründen habe - dann kann ich das in einer Bewerbung auch darstellen.

 

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