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Geschrieben von Alhambra am 28.09.2016, 15:48 Uhr zurück

Shinead

Ich kenne exakt drei Paare, die dem Kinderwunsch mit medizinischer Hilfe hinterjagten.

Mein damaliger Chef in der Ausbildung (beim Anwalt). Beide beruflich sehr aktiv, plötzlich biologische Uhr. Es folgten zwei sehr stressige Jahre für meinen Chef. Meistens steht die Frau im Mittelpunkt, aber ich habe auch meinen Chef bemitleidet. Gelegentlich, wenn ihm das über den Kopf wuchs, platze es in der Mittagspause aus ihm raus. Die ständigen Fahrten in die Klinik (500 km. entfernt), die Einnahme der Hormonpräparate. Er wurde immer blasser. Irgendwann fragte er mal in einer offensichtlich total erschöpften Situation, ob ich nicht meine "Hardware" zur Verfügung stellen könnte. Ich habe wohl so verdattert geschaut, dass er sofort in seinem Büro verschwand. Wir sprachen nie wieder darüber. Aber er schien mehr als verzweifelt zu sein. Aber nicht, weil kein Kind da war sondern die Jagd danach so zermürbend war. Nach drei Jahren war das Thema erledigt und dann kam die Schreckensnachricht: seine Frau hatte Brustkrebs. Ehrlich; wie gut, dass da kein Baby war.

Ein weiteres Pärchen aus unserem Bekanntenkreis ist ebenfalls dem Kinderwunsch mit allem Konsequenzen nachgejagt. Seinerzeit gabe es zwei künstliche Befruchtungen auf Kasse, die letzte wurde mit Kredit finanziert. Hat nicht geklappt, Scheidung. Beide neue Partner UND jeder bekam Kinder auf ganz natürlichem Weg. Das war die Sensation damals und beide später: wir sollten wohl kein Kind kriegen.

Drittes Pärchen aus der Mandantschaft (wie gesagt bei Anwalt gearbeitet damals): obwohl ein Kind bereits da war musste ein weiteres Kind her. Dank künstlicher Befruchtung kamen Zwillinge. Ein halbes Jahr später die Scheidung, weil er die Nachbarin netter fand. Das ist dann extrem eskaliert; Besuchsrecht für die Kinder mit Hilfe des Gerichtsvollziehers. Der blanke Horror, was sich da an Trennungsszenen abgespielt hat. Mein Gedanke: warum mussten es noch die Zwillinge sein?

Und, du hast Recht, die Tante meines Mannes ist nicht der Maßstab, lediglich ein Schicksal, was sich anrrangiert hat.
Und die anderen, die dem Kinderwunsch hinterherjagen, dabei ihr eigentliches Leben völlig aus den Augen verlieren, sind auch nicht der Maßstab, nur weil es möglich ist. Es gibt immerhin auch genug kinderlose Ehen, bei wenigen ist es der Wunsch nach Kinderlosigkeit. Bei vielen sollte es eben nicht sein, so wie bei meinem Bruder und meiner Schwägerin. Sie haben diesen Weg aber nie beschritten, sie haben es so angenommen und sind schon seit fast 40 Jahren verheiratet. Deswegen trennen war nie eine Option.

Ich selber habe ein Kind, hätte aber auch ohne Kind gelebt. Das weiß ich. weil ich eigentlich nie Kinder wollte. Dennoch liebe ich sie über alles. Aber hätte ich sie nie kennengelernt und sie niemals bekommen, wäre mein Leben weiter gegangen. Ich vermisse so manche Reise, die wir mit Kind einfach nie gemacht haben. Und jetzt, im gesetzteren Alter vermutlich nicht mehr angehen. Also mit dem Wohnmobil einmal um die Welt. Als Doppelverdiener hätte man locker ein Sabatical machen können. Aber jetzt mit um die 50 sind andere Dinge in den Vordergrund gerutscht.

Krankheiten behandeln finde ich nicht vergleichbar, denn der Mensch bleibt trotz Schwächen ein Individuum. Im Reagenzglas ist es aber eine Zucht - das ist nunmal der Fachbegriff, wenn man genetisch gewünschte Eigenschaften zusammenbringen will.

Und Zucht und Mensch kann ich ethisch nicht vertreten.

 

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