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Geschrieben von tinai am 15.11.2005, 11:52 Uhrzurück

@fusel

Ich glaube nicht, dass Du heute disziplinierter wärst, wenn Deine Eltern Dir bei den Hausaufgaben mehr im Nacken gesessen hätten.

WIr sind zu Haus mehrere Kinder gewesen, ich das jüngste. Bei mir hat eh keiner mehr geblickt, was ich wann und wo mache. In der Grundschule wurde meine Mutter zur Lehrerin zitiert, was sie vor allem deshalb ärgerte, weil sie die Zeit investieren musste - worum es ging, weiß keiner mehr.

Im Gymnasium bin ich in der 5. fast abgestürzt (weil ich zu spät merkte, dass es nciht mehr nebenbei geht wie in der Grundschule). Bis zur 7. habe ich mich durchgehangelt und dann kam der Ehrgeiz von ganz alleine!

Meine Geschwister und ich sind was Disziplin angeht völlig verschieden. ICh würde sagen, dass ich eher mehr habe als meine beiden anderen geschwister aber weniger als mein Bruder. Wir wurden alle unterschiedlcih "angetrieben" oder nicht angetrieben. Einen Zusammenhang zwischen Disziplin, Durchhaltevermögen und Maß der Einmischung kann ich aber nicht erkennen.

Ich war immer heilfroh, dass sich unsere Eltern wenig gekümmert haben. Ich fand es superpeinlich, wenn die Mütter den anderen die Hausaufgabenhefte aus dem Rucksack nahmen und besser über Klausuren Bescheid wussten als ihre Kinder, da kamen dann auch so Sätze wie "Wir haben uns ja jetzt in Mathe auf eine 2 hochgearbeitet" grauenvoll!!!!!!

Unsere Eltern waren fast verblüfft als wir ihnen die Einladung zum Abiball brachten, die dachten wir wären ein Jahr später dran.

Kurzum: Ich glaube man sollte vielleicht etwas mehr beobachten als es meine Eltern gemacht haben, aber so wenig wie möglich eingreifen. Der Druck kommt durch die Konsequenz und das muss jedes Kind selbst kapieren, das kann man ihm natürlich auch mal erklären. Bei mir gehörten schlechte Noten dazu und eine Lehrerin, die mich einmal im Unterricht gnadenlos vorgeführt hat, um es zu kapieren. Hausaufgaben habe ich morgens im Bus gemacht, bis ich gemerkt habe, es reicht nicht. Als ich einen großen Durchhänger hatte und mit meinen Eltern gesprochen habe, bekam ich Latein-Nachhilfeunterricht. Hätte vielleicht so weit nicht kommen müssen, aber es war alles sehr lehrreich und ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie uns vertraut haben. Die hätten uns auch die Köpfe nicht mit einem Realschulabschluss abgerissen (bei der Hauptschule hätten sie wohl doch eingegriffen).

Ich wurde einmal Ende der 6. "ins Gebet" genommen, da machten sie mir freundlich klar, dass es kein Drama ist, wenn ich auf die Realschule wechsel, ich dann aber noch ein Jahr wiederholen müsse (1. Fremdsprache Latein) und außerdem leider nicht studieren könne und auch meine Freundeskreis usw. verlieren würde. Das müsse ich halt wissen. Das saß nachhaltig!

Mit Entsetzen sehe ich im Freundeskreis die Kinder zum Teil 2 Stunden mit ihren Eltern über den Hausaufgaben brüten. Mit Geschrei und Getön, das belastet die Eltern-Kind-Beziehung nach meiner Auffassung zu einem sehr ungesunden Maß.
Man soll sich nicht raushalten, aber nur eingreifen, wenn was aus dem Ruder läfut.

Wie sollen Kinder lernen, selbst an einer Sache zu bleiben, selbst ihre Sachen zu packen, wenn Mami alles macht. "Wir haben heute Sport", "Wo ist unser Turnbeutel", "wir haben heute Mathehausaufgaben". Hausaufgaben müssen gemacht werden, aber ohne Interventionen. Und wenn sie nicht gemacht werden, dann lehrt die Schule, dass wer ohne Hausaufgaben da steht in einer misslich bis peinlichen Situation ist.

Gruß Tina

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