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Geschrieben von Moneypenny77 am 28.12.2003, 16:30 Uhrzurück

Re: @Moneypenny (sorry: meeegalang...)

Dachte ich's mir doch ;-), was Du mit den anderen Einkommensarten meinst...

Hier möchte ich Dir allerdings widersprechen, denn Einkünfte aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung etc. resultieren als Erträge aus Kapital, das bereits mindestens einmal im Rahmen der Einkommen-/Lohnsteuer versteuert wurde, da der Kapitaleinsatz ja auch irgendwo herkommen muß. In Wirklichkeit ist es in unserem Steuersystem nämlich so, daß "Vermögen bzw. Einkommen" im Steuerkrauslauf nicht einmal, sondern mehrfach versteuert werden muß. Das, was meine Eltern mir mal vererben werden, und worauf ich eine hübsche Erbschaftssteuer zahlen darf, das Vermögen haben sie selbst geerbt und dafür Erbschaftssteuer gezahlt und meine Großeltern haben während der Anschaffung ihres Vermögens Lohnsteuer bezahlt... Ergo kommt das, Deiner Ansicht nach zu gering versteuerte Vermögen, aus dem "Faktor Arbeit" und wurde hier, da widerspreche ich Dir nicht, bereits einmal hoch belastet.

Ebenfalls widersprechen möchte ich Dir, das die "niedrige Besteuerung" der Einkünfte aus Kapitalerträgen ungerecht ist:

1. Auf die 25 % Kapitalertragssteuer aus Dividendenerträgen fallen zusätzlich 5,5 % Solidaritätszuschlag an. Die Dividendenertäge, die aus den Gewinnen der Kapitalgesellschaften ausgeschüttet werden, werden VORHER auf der Gesellschaftsebene bereits mt 30 % Körperschaftssteuer belastet.

2. Zinserträge werden sogar mit 30 % plus 5,5 % Soli belastet.

3. Bei Ertägen aus Veräußerung von Wertpapieren innerhalb der 12monatigen Spekulationsfrist über 1000 € sind diese mit dem persönlichen Einkommensteuersatz (!) zu versteuern.
(Bei Immobilien ist die Frist 20 Jahre (oder sowas um den Dreh), Erträge aus Lebensversicherung sind erst nach 12 Jahren steuerfrei.)

4. Kapitalgesellschaften geben Aktien zur Kapitalaufnahme aus. Mit diesem aufgenommenen Kapital und der daraus entstehenden Produktion machen sie den Faktor "Arbeit" erst möglich. Somit investiert jeder Aktionär auch in unser Wirtschaftswachstum, unsere Produktivität und schafft damit Arbeitsplätze.

Wesentlich größeren "Schaden" richten die ganzen Sparer an, die ihr Vermögen auf dem Sparbuch bunkern, wo es keinerlei Zweck erfüllt, außer de facto zu schrumpfen, weil der historische durchschnittliche Spareckzins unter der Inflationsrate liegt.

Thema Eigenheimzulage: die kommt noch aus den Zeiten, in denen die Baubranche im Keller war. Mit der Zulage sollte der Eigenheimbau gefördert werden. Wenn ich heute ein Eigenheim baue, zahle ich i.d.R. nur 20-30 % aus eigener Tasche, der Rest ist fremdfinanziert, woraus meine erster "Wirtschaftsbeitrag" entsteht, denn für das Fremdkapital zahle ich Zinsen. Dann fällt bei Kauf und Erschließung des Grundstücks eine schöne saftige Grunderwerbssteuer an sowie jährlich Grundsteuer (diese beiden zusammen übersteigen bei einem "normalen" Grundstück schon in ein paar Jahren das, was ich mal als "Zulage" bekommen habe). Dann schaffe ich mir mit meinem Eigenheim einen Vermögenswert, der zum einen als Altersvorsorge dient und, wenn ich ihn vererbe/verschenke, wieder Steuereinnahmen bringt...

Du siehst: so einfach kann man es sich nicht machen. Nach dem Motto, ich habe kein Vermögen, also sollen die blechen, die (noch) welches haben ist doch ein wenig populistisch, finde ich. Auch bei Besserverdienenden ist irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht. Wenn ich sehe, was ich brutto verdiene und in Lohnsteuerklasse 5 netto heraus habe... das ist weniger als die Hälfte, nach Abzug der nicht anrechenbaren Werbungskosten wie Fahrkosten über 5.112 € (ich fahre jeden Tag 130 km, da kommt natürlich mehr zusammen) und Berufskleidung (nicht absetzbar, aber als Privatbankerin nicht gerade zu Discount-Preisen erhältlich) und unter Berücksichtigung des Zeitaufwandes von 60 Stunden/Woche (inkl. Fahrzeit) sowie der Verantwortung für 18 Mio. eigene Kundengelder und bei Urlaubsvertretung für weitere rd. 50 Mio. lohnt es sich objektiv betrachtet eigentlich nicht, das ich morgens überhaupt einen Gedanken ans Aufstehen verschwende. Wo bitte, will man mir da NOCH mehr abziehen???

Des weiteren haben mein Mann und ich aus dem NICHTS, in zwei Jahren durch viel und harte Arbeit, mit viel Ärger und Magengeschwüren, ein "kleines Vermögen" anhäufen können, daß uns in den nächsten Jahren als Polster für Notfälle wie Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit o.ä. dienen soll, damit wir eben KEIN Sozialfall werden müssen. Im nächsten Schritt soll es und als Eigenkapital für einen "Eigenheim-Klotz" dienen und als Ausbildungsvorsorge für die Kinder. Ebenfalls müssen wir versuchen, die für unsere Rente erwartete Versorgungslücke von 60 % (!) zu schließen. Sollen wir dafür, daß wir unser Vermögen sparen (und durch Investition in Investmentfonds der Konjunkur zur Verfügung stellen), um hoffentlich autark vom Sozialsystem leben zu können NOCH mehr "bestraft" werden???

Im Steuerjahr 2002 ist fast mein gesamtes BRUTTOeinkommen für unsere gemeinsame Einkommensteuer aus unserer Kasse geflossen... Ich finde das reicht als Beitrag für ein zwar bei weitem nicht schlecht, aber auch nicht im Geld schwimmenden, doppelverdienendes Paar.

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