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Geschrieben von Moneypenny77 am 19.12.2003, 14:11 Uhrzurück

Das Grundproblem ist doch: wer kann/will sich überhaupt noch Kinder leisten?

Die "paar Schulbücher" machen doch letztlich den Kohl auch nicht mehr fett wenn man sieht, wie viel Kinder kosten. Und zwar nicht nur direkt durch ihren monetären Verzehr, sondern auch indirekt, z.B. dadurch, daß in einem Doppelverdiener-Haushalt ein Einkommen wegfällt.

Nun stehe ich grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß ich kein Kind in die Welt setze, um es dann hinterher von anderen erziehen zu lassen, um weiter arbeiten gehen zu können. Nur: wir können uns meine Nicht-Erwerbstätigkeit leisten, weil mein Mann ganz gut verdient. Aber wie viele Paare haben dieses Gück?

Klar, in meinem Bekanntenkreis gibt es viele Frauen, die sagen, ihr Mann solle erstmal genug Kohle verdienen, bevor sie Kinder kriegen. Aber bei allen verdient der Mann so viel, davon ernähren andere eine Großfamilie. Leider wollen auch viele nicht auf den Zweitwagen, das Eigenheim und mehrere Urlaube im Jahr verzichten, aber das sind Luxusprobleme, wie ich finde.

Für einen großen Teil unserer Gesellschaft ist es leider utopisch, an einen Luxus wie schick Essen gehen, Auslandsurlaub o.ä. zu denken, da der einizige Luxus den sie sich leisten (können) ihre Kinder sind. Die meisten sind auch glücklich damit, aber: kann es das sein?

Vergangene Woche fragte mich auf einer Party jemand, wann ich denn nach dem MuSchu wieder arbeiten ginge. Auf meine Antwort "Gar nicht", bekam ich zu hören "Klar, wie Steuerzahler zahlen das ja. Erziehungsgeld, Kindergeld usw.". Darauf erklärte ich, daß wir kein Erziehungsgeld bekämen, da unser Einkommen zu hoch sei und, daß unabhängig davon, die Einkommensgrenze von 16 T€ nach dem ersten halben Jahr ein Witz sei, denn damit bekämen viele Familien nichts, die das Geld wirklich dringend brauchen. Antwort: "Der Staat ist doch nicht dafür zuständig, den Leuten ihre Kinder zu bezahlen. Wer sich das nicht leisten kann, solle es halt lassen. Dieses Gejammer immer..." Natürlich habe ich einen breiten Vortrag über Kinder als Invesition in die Zukunft etc. gehalten, aber wirklich überzeugen konnte ich, natürlich, nicht.

Aber: genau hier liegt der Hase im Pfeffer! Alles jammert über die Ausbildungsmisere, den Mangel an Fachkräften, fast 5 Millionen Arbeitslose, Altersarmut, Rentenversorgung etc. Wo soll es denn bitte herkommen???

Es ist eine Frechheit, Kinder bzw. Familien mit Kindern als Sozialschmarotzer abzustempeln. Ich muß mich als Eltern schon damit abfinden, auf mehr oder weniger Wohlstand z.G. meiner Kinder zu verzichten, aber wenn mir jetzt schon Steine auf ihrem Bildungsweg in den Weg gelegt werden, dann Prost Mahlzeit Sozialstaat!

Und: wie ich oben schon sagte, mein Mann verdient sehr gut. Wir sehen allerdings über den Tellerrand hinaus und gehen nicht davon aus, im Alter noch eine Rente zu erhalten, von der wir nur ansatzweise leben können. Also sparen wir bereits heute jeden Monat 10 % seines Gehaltes als Altersvorsorge. Des weiteren gehen wir davon aus, daß unsere Kinder auf "normalem" Wege keine Ausbildung mehr empfangen können, die wir ihnen zukommen lassen wollen. Also sparen wir, wenn unser Zwerg auf der Welt ist, jeden Monat das Kindergeld für seine Ausbildung. Ebenfalls u.a. als Altersvorsorge möchten wir in ca. 5 Jahren ein Haus kaufen. Da wir beide nicht aus reichem Hause kommen und nicht auf hübsche Erbschaften hoffen können, heißt es für die mind. 20 % Eigenkapital sparen. Hierfür gehen 20 % des Einkommens meines Mannes jeden Monat weg. Nach Abzug unserer Sparrate bleibt uns also auch nicht mehr, als den meisten anderen auch.

Aber: sparen können sich doch heute, wo es doch im Grunde gerade jetzt nötiger ist denn je, nur die wenigsten leisten. Und genau aus diesem Grund bewegen wir uns als Gesellschaft auf ganz dünnem Eis, denn wer sein Geld zum Leben braucht und nicht sparen kann, bewegt sich geradewegs auf die Altersarmut zu. Und: wenn sich heute keiner mehr Kinder leisten kann, wer soll dann später eben deren Rente zahlen???

Kurz: die Familienpolitik in unserem Land ist ein Graus! Für jeden Scheiß gibt's Geld, aber da wo's LANGFRISTIG am nötigsten ist, wird's gespart. Leider wird immer nur, sei es bei der Gesundheits- oder bei der Rentenreform, an den Symptomen gefeilt... aber nie an den Ursachen!

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