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Geschrieben von Elisabeth mit Fumi & Temi am 13.12.2004, 14:06 Uhrzurück

Prävention, Rache und Strafe

Hallo,

ich habe das Gefühl, daß hier 3 Dinge vermischt werden, und da kann nur dreckiger Matsch bei rauskommen.

Was Jana will, und wofür sie kämpft, ist Prävention. Sie will die Menschen, die möglicherweise später mal Täter werden könnten, schon vorher behandeln, eben damit sie möglicherweise NICHT zu Tätern werden. Wer das überflüssig findet, der hat meines Erachtens auch kein Interesse an den Opfern sondern einfach nur Lust auf Rache.

Wenn aber nun doch aus einem potentiellen Täter ein tatsächlicher Täter geworden ist, gibt es zwei Reaktionen: Rache und Strafe.

Ich gebe zu: Wenn jemand eines meiner Kinder mißbraucht oder sogar tötet, dann würde ich auch nach Rache rufen. Ich würde ihn am liebsten verkehrt herum aufhängen und gaaaaanz langsam zu Tode quälen. Das ist ein natürliches und gesundes Gefühl. Aber es gehört in einem Rechtsstaat nicht ausgelebt.

Was die Gesellschaft im Rahmen ihres Justizsystems verhängt ist keine Rache, sondern eine Strafe. Insofern ist es vermessen zu erwarten, daß der Täter automatisch genauso leiden soll wie das Opfer. Das wäre nämlich Rache, Strafe hat einen ganz anderen Zweck. Strafe soll dem Täter sein Fehlverhalten vor Augen führen und ihn im Idealfall zur Einsicht und damit zurück auf den "rechten" Weg bringen.

Ich finde den Unterschied - gerade für Eltern - sehr wichtig. Wenn ein Kind absichtlich den Saft ausschüttet, rächt Ihr Euch doch nicht, oder? Ihr bestraft das Kind.

Deswegen ist die Justiz in Deutschland unabhängig und ein befangener - also selbst betroffener - Richter oder Staatsanwalt kann abgelehnt werden.
Und deswegen finde ich das amerikanische Jutsizsystem so befremdlich, weil es die Abgrenzung von Rache und Strafe nicht hinbekommt (z.B. wenn Angehörige des Opfers zu Hinrichtungen eingeladen werden).

Mir ist es sehr wichtig, daß das so ist, und deswegen nehme ich Fehlurteile in Kauf. Nicht, daß ich sie klasse finde, wirklich nicht, aber ich bin nicht bereit, zum Vermeiden von Fehlurteilen eine Art Rundumschlag-Justiz zu ertragen. Zu groß ist die Gefahr, daß jemand Unschuldiges in die Mühlen der Justiz gerät.

Ich habe am Wochenende auf 3sat eine sehr eindringliche Dokumentation gesehen über einen Schwarzen, der 1977 wegen Vergewaltigung von zwei 14jährigen weißen Mädchen zu 100 Jahren verurteilt wurde. Es wurde bis zum Schluß nicht klar, ob er es jetzt war oder nicht. Aber es wurde klar, daß er definitiv keinen fairen Prozeß erhalten hatte. Eine Blamage für jeden Rechtsstaat! Nein, sowas will ich hier in Deutschland nicht haben, wirklich nicht.

Schönen Gruß,
Elisabeth.

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