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Geschrieben von Elisabeth mit Fumi & Temi am 23.11.2004, 14:26 Uhrzurück

Re: die neuen Pisa-Ergebnisse

Ahhhh, Marit, da hast Du bei mir in ein Wespennest gestochen!!!

Ich bin seit kurzen Mitglied des Münchner Gesamtelterbeirats der Hort und Tagesheime. Und manchmal denke ich, das war ein Fehler. Vorher war ich wenigtens ahnugslos, was die Perspektiven für meine Kinder anging. Jetzt weiß ich Bescheid und mache mir Sorgen ;-).

Hier ist es so, daß wir gegen Einsparungen kämpfen müssen, die einfach eine Frechheit sind im Hinblick auf das miese Abschneiden Deutschlands. Es sind Kleinigkeiten, wenn man das Gesamtbild betrachtet, aber für mich zeigt es, daß die Pisa-Betroffenheit der Politiker reine Show ist. Alles jammert und schaut nach Finnland oder Japan, aber wenn es um ganz konkrete Aktionen an der Schule oder dem KiGa vor Ort geht, dann ist der Sachzwang immer größer als alles andere. Für mich ist Pisa eine Einstellungssache, und solange sich die generelle Einstellung zu Bildung und Ausbildung in Deutschland nicht grundlgegend wandelt, haben wir (beziehungsweise unsere Kinder) schlicht und einfach keine Chance.

Dabei haben meine Kinder ja noch Glück. Ich bin ja eine dieser Mütter, die als Hilfslehrerin wenigstens nicht völlig versagt und die sich ausreichend Hilfe holt (und holen KANN), wenn sie selber nicht weiterkommt. Es geht um die Kinder, deren Eltern das nicht können (oder wollen). In Deutschland sind Kinder viel zu viel "Privatsache". Dein Kind hat eine Leseschwäche? Such Dir Hilfe! Du weißt nicht wo? Schade! Du verstehst die Hausaufgaben Deines Kindes nicht mehr? Pech für das Kind!

Beispiel gefällig?
Fumi geht seit mehr als 2 Jahren in einen Hort. Im Hort werden Hausaufgaben überwacht und es wird bei Bedarf geholfen, und zwar von gut ausgebildeten und qualifizierten ErzieherInnen. Jetzt hat sich die Regierung in Berlin das Thema Ganztagsschulen auf dei Fahnen geschrieben und verteilt Fördergelder. An sich eine gute Idee. Die Regierung in Bayern ist zwar gegen Ganztagsschulen, möchte aber doch gerne die Fördergelder einstreichen. Also wird ein Konzept erarbeitet, das schlechter ist als das von der Stadt München geförderte Hortkonzept, aber billiger, und die Ansprüche der Berliner Regierung für Fördermittel erfüllt.
Der Hort an Fumis Schule soll diesem neuen Konzept zum Opfer fallen.
Derzeit werden die Kinder - ganz normal - vormittags von Lehrern betreut. Für nachmittags hat die Schule (vierzügige Grundschule) vier Hortgruppen á 24 Kinder. Jede Hortgruppe wird von eineR ErzieherIn und einer halben Kinderpflegerin betreut, dazu kommen noch ein paar Springer und Praktikanten - alles in allem eine ausreichende und vor allem qualifizierte Betreuung.
Für die Ganztagsschule sollen alle HorterzieherInnen und Kinderpflegerinnen gefeuert werden. Stattdessen werden die Kinder zu den Zeiten, an denen sie nicht von den Lehrern betreut werden (die Lehrer bekommen natürlich noch ein paar Extra-Stunden ohne zusätzliche Bezahlung aufgebrummt), von studentischen Aushilfskräften (!!!!) betreut. Um Personal zu sparen, wird dann nicht mehr in den Gruppen gegessen, stattdessen gibt es einen Riesenspeisesaal für 100 Kinder, der von 2 (!!!!) Studentischen Hilfskräften - an jeder Tür einer - "überwacht" wird.

Das ist billiger - studentische Hilfskräfte kosten weniger als ErzieherInnen - und wird außerdem noch von Berlin gefördert, weil sich das Ganze dann "Ganztagsschule" schimpft.

Hat IRGENDJEMAND dabei an die Kinder gedacht????

Und das ist nur ein Beispiel!!!! Ich könnte platzen, wenn ich die ganzen Pläne im Stadtrat höre.

Wer dermaßen WENIG Wert (Wert hat nicht nur, aber auch was mit Geld zu tun) auf unsere Kinder legt, braucht sich über das Ergebnis nicht zu wundern.

So, jetzt habe ich ein wenig Dampf abgelassen.

Schönen Gruß,
Elisabeth.

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