ADHS - ADS

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Geschrieben von Dezemberbaby2012 am 11.02.2020, 22:47 Uhr

Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Hallo,

vielleicht erinnert ihr euch noch an mein Posting weiter unten, wo es um einen Vorfall ging, bei dem mein Sohn in der Öffentlichkeit mal wieder extreme ADHS-Anzeichen zeigte.

Kurzfassung: Als wir einen Parkspaziergang nach längerer Zeit beenden wollten, bzw. ICH es wollte, weil die Sonne schon unterging und es kalt wurde, fing mein Sohn an zu „bocken“ und wollte nicht mit, sondern trat stattdessen wütend Matscherde in alle Richtungen. Auch nach längerem Zureden, lieben Überzeugungsversuchen und einer abschliessenden letzten Chance, nach der ich gehen würde, wollte er nicht mitkommen. Chance verstrich, ich ging also langsam zum Auto zurück, er rührte sich bockig noch immer nicht und erst, als ich schon am Auto war, rannte er schreiend und tobend ein Stück hinter mir her. Ich sollte zu ihm zurückkommen, sofort. Das tat ich nicht, blieb konsequent, woraufhin er anfing, zu rufen, er hätte Angst, ich sollte sofort zurückkommen. Ich kenne ihn, das war (in diesem Fall) nur vorgeschoben, er hatte keine Angst, sondern wollte einfach nur um jeden Preis „gewinnen“. Er tobte und weinte und schrie das gesamte Dorf zusammen, woraufhin ein unbeteiligter Mann zu mir kam, mich beschimpfte, mein Erziehungsverhalten aufs übelste kritisierte und mir durch die Blume mit dem Jugendamt drohte. Danach war ich ziemlich „durch den Wind“ und suchte hier nach Einschätzungen.

Die Mehrzahl eurer Antworten hatte mich sehr überrascht, denn ihr wart mehrheitlich der Meinung, im genannten Fall wohl eher einen Kompromiss anzustreben, sich auf keinen Machtkampf einzulassen und eben nachzugeben. Und ich habe es so verstanden, dass viele von euch ihre ADHS-Kinder so weit es geht von der Öffentlichkeit (Einkaufen, Klassenausflüge etc.) fernhalten, um sie nicht zu überfordern und im Falle eines Ausrasters blosszustellen.

Für den Fall, dass es anderen ähnlich geht wie mir, denn hier lesen ja viele still mit, wollte ich nochmal ein Update zu dem Thema geben:

Nachdem ich echt verunsichert war, habe ich zufällig nach einigen Tagen in der Fachliteratur zu diesem Thema gelesen, man solle sein Kind eben auf keinen Fall „beschützen“, indem man öffentliche „Auftritte“ so weit es geht vermeidet. Denn das Kind muss ja lernen, in der Öffentlichkeit zurechtzukommen. Irgendwann später wird es alleine einkaufen gehen, das Museum besuchen und ins Kino gehen müssen. Und darauf sollte es vorbereitet werden, um nicht später völlig sozial isoliert zu sein usw. Heute hatten wir unseren regelmäßigen Gesprächstermin in der Kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz und da habe ich diese Begebenheit auch nochmal erzählt. Und die Fachexpertin, eine ganz liebe und den Kindern zugewandte, die meinen Sohn inzwischen gut kennt, sagte dort auch sofort, ich hätte genau richtig reagiert. Auf keinen Fall in dieser Situation nachgeben, auch nicht unter sozialem Druck durch andere. Und ich sollte auch auf keinen Fall versuchen, solche Situationen zu umgehen, indem ich mit ihm die Öffentlichkeit meide, das würde alles nur verschlimmern. Auch die Kinder z.B. nicht mehr zum Einkaufen zu nehmen, wäre der falsche Weg, denn dann könnten sie nicht lernen, sich dort adäquat zu verhalten. Etwas, das sie für später unbedingt brauchen. Und das war ja genau das was ich intuitiv auch fand.

Das bedeutet nicht, dass ich die Strategien anderer User mit solchen Problemen als grundsätzlich falsch abtun will, nur für mich/für uns passten sie irgendwie nicht. Ich bin immer der Meinung, jede Familie sollte ihren eigenen Weg finden, denn jedes Kind und jede Rahmenbedingungen sind anders. Nur um nochmal ein Gegengewicht zu der favorisierten „Problemvermeidungs-Taktik“ zu geben, wollte ich die „fachliche“ Meinung zu dem Thema nochmal hier erwähnen. Natürlich ist die Fachmeinung nicht immer das absolut richtige, aber für mich ist es eine wichtige Leitlinie und in diesem Fall entspricht sie auch meiner Intuition und meiner persönlichen Erfahrung mit meinem Kind.

Trotzdem danke ich euch sehr für eure Meinungen, weil sie wichtige Denkanstösse geliefert haben und ich mein Verhalten dadurch hinterfragen und mir klarer werden konnte, wie meine zukünftige „Strategie“ für solche Begebenheiten aussehen soll. Und dazu gehört, dass ich noch mehr versuchen werde, eventuell auftretende Ausraster-Trigger vorherzusehen und frühzeitig gegenzulenken.

Liebe Grüße!

 
18 Antworten:

Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Antwort von aeonflux am 11.02.2020, 23:15 Uhr

Hallo,
Danke für das Update.
Ich habe es nicht so verstanden, dass andere ihre Kinder nicht mit in die Öffentlichkeit nehmen. Sondern eher, dass so spontane, kurze, Kleidungsmäßig unpassende Situationen gemieden werden, weil da der Konflikt vorprogrammiert ist.

Ansonsten glaube ich, dass es keinen immer richtigen Weg gibt. Immer zu 100% konsequent ist mit Sicherheit genau so wenig optimal wie das Gegenteil. Da muss man das finden, was für einen selbst, das Kind und die Situation passt. Eure Therapeutin kann es mit Sicherheit auch besser einschätzen, weil sie euch kennt und Erzählungen nochmal anders sind als der Forumsbeitrag. Rein vom Gefühl her, habe ich damals auch zum Kompromiss tendiert.

Alles Gute
Aeonflux

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Antwort von ohno am 11.02.2020, 23:30 Uhr

Hallo!
Vielen Dank fürs Update .

Ich finde auch in Deinem jetzigen Beitrag, dass Du (viel?) zu verkopft bist, Dir viel zu viele Gedanken kreisen. Fachliteratur, Fachspezialistin... To much - für mich -.

Was spricht denn dagegen, Kompromisse einzugehen? Was spricht denn dagegen, zb Kinder nicht mit zum Einkauf zu nehmen? Warum MUSS man alles durchziehen? Und nicht alles ist auf die ADHS zu schieben, ein Kind hat auch Charakter, ist vllt verwöhnt, zu allein, muss sich gegen Geschwister und ja, auch gegen zu autoritäre Eltern behaupten. Merkt das dann noch jemand oder bleibt das Kind in der Schublade?

Ich habe so das Gefühl, Du möchtest alles richtig machen. Dem Kind gegenüber mit einer Konsequenz, dem Mann aus dem Park mit Erklärungen, die ihn schlichtweg nichts angehen, Dir mit Deiner Kleidung, die nicht schmutzig werden darf. Ist jetzt übertrieben dargestellt und soll natürlich nicht darüber hinwegsehen, wo das Grundproblem liegt.
Aber ist Dir diese ganze Kopfarbeit nicht zu anstrengend? Entscheidest Du auch mal gegen Kopf und mit Bauch, wissend, dass es auch falsch sein kann?

Ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht, warum man junge Kinder zb zum Einkaufen mitnehmen MUSS, damit sie lernen, sich im Geschäft zu benehmen, damit sie es später können?? Hast Du schonmal einen Jugendlichen oder Erwachsenen gesehen der sich hin schmeißt, rumbrüllt? Das hört doch von selbst irgendwann auf? Das brauchen sich doch Eltern und Kinder nicht antun, wenn es für sie ok ist, Kind eben nicht überall mit hin zu nehmen.

Nichts für ungut, wir haben da einfach total unterschiedliche Vorstellungen. Liegt sicher auch an den Lebensumständen.

VG ohno

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Antwort von ohno am 11.02.2020, 23:51 Uhr

Ich habe noch etwas vergessen:

"
Und ich habe es so verstanden, dass viele von euch ihre ADHS-Kinder so weit es geht von der Öffentlichkeit (Einkaufen, Klassenausflüge etc.) fernhalten, um sie nicht zu überfordern und im Falle eines Ausrasters blosszustellen."

Ich halte sie von nichts fern, sie will ja auch immer überall mittendrin sein, auch wenn sie es nicht verträgt. Also ist sie immer oder überwiegend mit von der Partie (privat, Schule mit Klassenfahrt wird aber nicht so einfach). Aber im Falle eines Ausrasters - wie meinst Du das mit bloß stellen? Womit denn, bzw mit welcher Reaktion?

Ich weiß definitiv, dass mein Kind noch nicht merkt, dass sie anders ist. Das wird kommen, ja, aber sie ist für sich selbst ja normal, auch die Impulsivität ist Teil von ihr. Im Grunde ist es doch, wenn überhaupt, uns Eltern unangenehm, wenn das Kind in der Öffentlichkeit, ich sage mal, abdreht. Vielleicht kannst Du darauf noch näher eingehen? Meine Tochter merkt es nicht, wie sie aufs Umfeld wirkt.

VG ohno

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Antwort von Dezemberbaby2012 am 12.02.2020, 9:40 Uhr

Hallo aeonflux,

ich bezog mich da z.B. auf „2auseinemholz“, die sagte „Habe auch die Gelegenheiten für öffentliche Auftritte aufs Minimum reduziert.“

Auf meine Nachfrage konkretisierte sie das näher:
„Das heißt beim mir dosiert das Kind zum Einkaufen mitnehmen, bzw. Einkaufen eben recht zügig erledigen, nicht an dem Spielplatz vorbeigehen, wo er immer hängen bleibt, und ich eben jetzt weder Zeit noch Geduld habe. Von Theaterbesuchen / Ausflügen in den Zoo, Museum mit der KiTa/Klasse habe ich sie entschuldigen lassen nachdem ich mit ihnen die Situation besprochen hatte und sie sich nicht fähig fühlten dort nicht auffällig zu werden aber habe dann privat alle Orte besucht.
—-> Man muss ihn nicht extra in Versuchung bringen und in für den Entwicklungsstand überfordernde Situation und dann "konsequenten Erziehung" durchziehen - die ist nämlich eher demütigend und definitiv nicht liebevoll.“

Insbesondere der letzte Satz ist etwas, was ich hier so ähnlich auch schon in anderen Posts gelesen habe. Und was mich halt zum Nachdenken brachte, ob ich das auch so sehe / so sehen sollte. Natürlich sollte man die Kinder nicht mit Absicht in schwierige Situationen bringen, aber ist es wirklich „in Versuchung bringen“ wenn ich das Kind einem ganz normalen Tagesablauf aussetze? Und im Umkehrschluß: Ist die übermäßige aktive Einflussnahme auf den Tagesablauf des Kindes wegen ADHS (d.h. nur selten zum Einkaufen mitnehmen, nicht an bestimmten Schulveranstaltungen teilnehmen lassen) nicht pure Vermeidung und damit Gift für die weitere Entwicklung des Kindes? So wie bei Angsterkrankungen: Vermeide ich den Angstauslöser (z.B. Spinnen oder Bakterien oder Menschen), habe ich kurzfristig einen Vorteil, d.h. weniger Angst, ein entspannteres Leben, aber langfristig wird es nur noch schlimmer und die Angst immer größer. Konfrontation mit dem Trigger ist da das Zauberwort.) So ähnlich sehe ich das auch bei ADHS. Klar ist es erstmal anstrengender für alle Beteiligten. Klar ist es auch für die Beziehung zum Kind herausfordernder. Das muss man definitiv beim Kind an anderer Stelle auffangen. Um eben auch Schäden am Selbstbewusstsein des Kindes möglichst zu vermeiden.

Du hast Recht, viele betonen die Wichtigkeit einer festen Tagesstruktur, z.B. in STT‘s Post:
„Ganz allgemein würde ich aber den Tagesablauf strukturierter und ausnahmeärmer gestalten, das nimmt meiner Erfahrung nach viel Druck aus dem Kessel.“

Grundsätzlich sehe ich es auch so, dass eine Struktur für ADHS-Kinder sehr wichtig ist. Für mich ist das aber nur der RAHMEN des Tages. Innerhalb dessen es sehr wohl spontane Aktionen gibt. Genau daraus besteht doch das „echte“ Leben. Beispiel: Das Wetter ist schön - man geht spontan ein Eis essen. Klar, ich könnte auch eine Packung Eis bei Rewe holen und auf dem heimischen Balkon essen. Aber ist das das Gleiche? Nein. Warum würde ich das dann tun? Nur aus einem Grund: um meinen Sohn nicht den Reizen der Eisdiele auszusetzen. Und das ist wieder eine klare Vermeidung. Und eine verpasste Möglichkeit für ihn, zu lernen. Klar, zu 99% wird es anstrengend, zu 50% geht es sogar völlig schief und doch denke (und merke) ich, dass mein Sohn langfristig an diesen Herausforderungen wächst. Genauso war es bei dem Park. Das Wetter war schön, wir haben dort angehalten, weil wir uns den Park schon lange mal ansehen wollten. Und sonst war das Wetter halt nie so schön. Wir waren ausreichend Zeit dort (mindestens eine halbe Stunde), bis es dämmerte und damit kälter wurde. Ja, das war spontan. Aber sowas ist schwer planbar. Also würde es völlig ausfallen. Das will ich für meinen Sohn nicht. Keine Ahnung, vielleicht sehe ich das in ein paar Jahren auch anders.

Aber im Moment ist mein Problem offensichtlich wirklich eher wie von Paperlapap beschrieben:
Wie man mit den Reaktionen anderer umgeht.

Liebe Grüße

Dezemberbaby

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Antwort von Strudelteigteilchen am 12.02.2020, 10:26 Uhr

Zitat:
"Natürlich sollte man die Kinder nicht mit Absicht in schwierige Situationen bringen, aber ist es wirklich „in Versuchung bringen“ wenn ich das Kind einem ganz normalen Tagesablauf aussetze?"

Aber ein Spontanbesuch in einem Park mit unpassender Kleidung ist doch kein "normaler Tagesablauf".

Plus: Was heute "zu viel" ist, kann nächstes Jahr schon okay sein - wenn man abwartet und die Entwicklung langsam begleitet.

Der Sohn meiner Cousine hat sehr schwere ADS. Als er klein war, ist er bei Familientreffen mehrfach richtig ausgerastet, also hat sie ihn eine Zeitlang nicht mehr mitgenommen. Warum auch, es war doch für ihn nur eine Qual - das Kind rastet ja nicht aus, weil es sich so pudelwohl fühlt. Nach einiger Zeit war es okay für ihn, zu den Familientreffen zu kommen, solange er ein Buch mitnehmen und sich im Bedarfsfall in eine ruhige Ecke zurückziehen durfte. Inzwischen ist er auch ohne Buch problemlos dabei - nicht richtig glücklich, aber es ist eben okay, und zwei Mal im Jahr geht das dann schon.

Man muß halt schauen, was mit DIESEM Kind WANN geht und was nicht. Und natürlich liegt man mit der Einschätzung auch mal daneben - man denkt: "Das klappt schon", und dann geht es doch schief. Aber ich halte es für geradezu gemein, das Kind quasi "aus pädagogischen Gründen" Situationen auszusetzen, in denen es sich so unwohl fühlt, daß es sich mit einem Ausraster wehren muß - nichts anderes ist das doch, wenn das Kind austickt, das ist reine Notwehr. Ich werfe ein Kind ja auch nicht ohne Schwimmflügel ins Schwimmerbecken, damit es schwimmen lernt. Man geht immer ein kleines Stückchen weiter ins tiefe Wasser, gibt Hilfestellung, geht auch mal ein Stück zurück, bis das Kind ohne Angst und ohne Schwimmflügel zurechtkommt.

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Antwort von Marielue am 12.02.2020, 10:31 Uhr

Hallo ,

Danke fürs Update. Bin auch als stille Mitleserin dabei gewesen, allerdings hatte ich bei dem letzten Post nicht alle Antworten gelesen.
Also ich halte mein Kind nirgends fern. Er darf, wenn es passt, überall mit hin und wenn er nicht will dann muss er auch nicht!
Er ist aber außerhalb gar nicht problematisch.
Er geht mit auf Feste, zu Geburtstagen, fährt mit auf Klassenfahrt, trifft sich mit Freunden zum schwimmen und Kino, geht seinen Hobbys nach und begleitet mich sogar ab und zu zum einkaufen ( allerdings mag er das nicht oder immer weniger ), gut er wird ja auch bald 11.
Früher als er noch ein Kleinkind und Kindergartenkind war, hat es auch schon mal Situationen gegeben, wo er unbedingt auf dem Spielplatz bleiben wollte. Wenn es die Zeit zugelassen hat , sind wir halt noch etwas geblieben, wenn es deswegen allerdings Theater gegeben hat , war ich auch konsequent ( natürlich altersgerechte ) und bin gegangen ohne zu diskutieren!

Ich finde auch ( kann aber sein das es nur mein Eindruck ist) das du dir vielleicht etwas Zuviel Gedanken über alles machst. Was ist richtig und wichtig, was ist falsch und geht gar nicht. Ich kenne das von mir vorher selbst und ich musste schwer an mir arbeiten. Mittlerweile sind mir die Meinungen Fremder egal und ich diskutiere schon gar nicht mit Fremden über meinen Erziehungsstil und erst recht nicht in der Öffentlichkeit! Woher nimmt sich eine fremde Person heraus mich und mein Kind beurteilen zu können?
Was ich sagen will:
Jeder Mensch/ jedes Kind ist doch anders und wenn du deinen Weg für richtig hälst ist es doch in Ordnung , schließlich weißt du doch am besten wie dein Kind tickt und die Kinderpsychologin?(?war es glaube ich ) sagt ja auch das es der richtige Weg für euch ist. Also.
Und wenn Andere es anders machen ,auch gut.

Grüße

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit

Antwort von Dezemberbaby2012 am 12.02.2020, 10:50 Uhr

Hallo Ohno,

du hast Recht ich bin wirklich sehr „verkopft“. Ich bin Akademikerin, ich kann nicht anders . Nein, im Ernst, eigentlich bin ich sehr emotional. Und ich entscheide sehr viel intuitiv, also aus dem Bauch heraus.

Aber bei meinem ADHS-Kind kam ich da irgendwann an meine Grenzen und um ihm helfen zu können, habe ich mich schon sehr früh in die betreffende Fachliteratur gestürzt. Und darüber bin ich auch sehr froh. Denn ohne diesen fachlichen Hintergrund hätten wir nicht so früh gegensteuern können, wäre er aus dem Kindergarten abgeschoben worden, hätten wir wahrscheinlich immer noch keine Diagnose, hätten keine Therapie oder wären Versuchskaninchen für irgendeinen Wald- und Wiesen-Psychotherapeuten, mein Sohn würde immer noch die Hälfte der Zeit ganz hinten in der Klasse sitzen und die andere Hälfte am „Eselstisch“ sitzen, abgewandt von der Tafel und mit Blick auf einen chaotisch zugemüllten Klassen-Ablagetisch. Wahrscheinlich wäre er sogar bereits wenige Wochen nach der Einschulung als unbeschulbar der Schule verwiesen worden wie seine Klassenkameradin, die ebenfalls ADHS hat, deren Mutter aber nicht so „verkopft“ ist und die Interessen ihres Kindes daher nicht angemessen gegenüber den Lehrern verteidigen konnte.

Und hier zu Hause hätten wir glaube ich schon Mord und Totschlag, wenn wir nicht eine feste Struktur in der Erziehung vorgeben und diese konsequent einhalten würden, denn mein Sohn ist extrem willensstark. Unsere Erziehung ist definitiv nicht autoritär, sondern sehr auf die kindlichen Bedürfnisse sowie Mit- und Selbstbestimmung ausgerichtet, aber einige wichtige Grundregeln sind (zumindest seit wir das ADHS-Problem in seiner ganzen Dimension erfasst haben) unumstösslich. Anders geht es bei unserem Kleinen nicht. Und um diese Grundregeln und Erziehungsleitlinien sicher festlegen zu können und dann auch 100%ig dahinter stehen zu können, war es für mich wirklich wichtig, in die Thematik auch fachlich tief einzusteigen. Klar, am Ende lasse ich meinen Bauch nochmal „drüberschauen“, aber die beiden waren sich bisher am Ende meistens einig.

Kompromisse sind natürlich okay für mich und ich bin grundsätzlich immer dafür, aber nicht in Situationen, wo schon eine Entscheidung gefallen. Diese Konsequenz nach einmal getroffenen Entscheidungen ist wichtig für meinen Sohn, und meiner Meinung nach für die meisten ADHS-Kinder. Und manchmal muss eben eine definitive Entscheidung getroffen werden, wir können nicht alles aushandeln, so viele Stunden hat der Tag nicht.

Mit dem „Bloßstellen in der Öffentlichkeit“ meinte ich, dass er sich in der Öffentlichkeit „zum Affen macht“ und sich damit selbst bloßstellt. Also nicht meine Reaktion oder die der anderen, sondern das was er in so einem Extremfall macht (Schreien, Weinen, Toben, auf den Boden schmeißen, Sachen demolieren, sich selber verletzen) ist für ihn selbst „peinlich“ um es mal zurückhaltend auszudrücken. Und er bekommt das natürlich sehr wohl mit. Er ist 7, natürlich merkt er, dass er „anders“ ist. Das hat er schon sehr früh gemerkt (mit 4?) und selbst thematisiert. Er leidet sehr darunter. Und wenn so ein Anfall abebbt, kriegt er natürlich die Reaktionen der anderen mit. Oder wenn ihn die Kinder in der Schule darauf ansprechen, nichts mit ihm zu tun haben wollen, weil er immer so „komisch“ ist. Oder sagen „Meine Mami hat verboten, dass ich mit dir spiele“. Er ist doch nicht dumm. Im Gegenteil, er ist eigentlich sehr schlau und sensibel (wie die meisten ADHS-Kinder, glaube ich). Nur in der Ausflipp-Situation selbst ist ihm das egal bzw. er kann (noch?) nicht ausreichend gegensteuern.

Aber in einem hast du auf jeden Fall Recht. Ich will möglichst alles richtig machen. Denn es geht um das Glück meines Kindes. Deshalb hinterfrage ich ziemlich viel, manchmal auch mein eigenes Handeln oder das von anderen. Da kann man natürlich auch übertreiben, das stimmt schon. Ich versuche, in der Balance zu bleiben, danke für die Erinnerung daran

Liebe Grüße

Dezemberbaby

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit

Antwort von Strudelteigteilchen am 12.02.2020, 11:27 Uhr

Aber was ist denn der tatsächliche Lernerfolg bei purer, schierer, glatter Konsequenz? Doch nur, daß der Ist-Zustand doof ist - aber durch reine Konsequenz gibt es keinerlei Lerneffekt über alternative Handlungsmöglichkeiten, über den Soll-Zustand.

Natürlich kannst Du Dein Kind zwanzig mal gegen die Wand fahren lassen, wenn es Radfahren lernt. Auch zweihundert mal. Lernt es so, wie es links abbiegt? Nein, denn das muß man ihm zeigen, und nicht nur ein mal.

Konsequenz heißt ja nur: "Da ist eine Wand, und wenn Du nicht nach links lenkst, knallst Du dagegen! Und diese Wand steht morgen immer noch da, und nächste Woche auch, und übernächste Woche auch!" Das ist nicht verkehrt, aber einen wirklich LERNEFFEKT hat man dadurch nicht.

Die beiden Verhaltenstherapeuten meiner Kinder haben immer betont, daß man Handlungsalternativen aufzeigen und bei Bedarf auch erklären muß - sonst ist Konsequenz für die Katz, sie frustriert dann nur.

Beispiel: "Du bist sauer und das ist okay! Es ist nicht okay, mich aus Wut zu treten - wenn Du das tust, werde ich mich konsequent von Dir entfernen, um mich zu schützen. Hilft es Dir, stattdessen das Kissen zu boxen? Oder um den Block zu rennen? Versuch's doch mal!"

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Re: Noch was vergessen, zum Einkaufen

Antwort von Dezemberbaby2012 am 12.02.2020, 11:38 Uhr

Hallo Ohno,

noch kurz zu deinem Einwand, warum Kinder denn überhaupt zum Einkaufen mitgenommen werden sollen.

Zitat von dir: „Ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht, warum man junge Kinder zb zum Einkaufen mitnehmen MUSS, damit sie lernen, sich im Geschäft zu benehmen, damit sie es später können?? Hast Du schonmal einen Jugendlichen oder Erwachsenen gesehen der sich hin schmeißt, rumbrüllt? Das hört doch von selbst irgendwann auf?“

Nein, das hört eben meiner Meinung nach nicht von selbst auf, sondern verlagert sich nur.
Erstens ist mein Kind nicht mehr klein, sondern ein Schulkind. Es wird bald auch mal alleine draußen unterwegs sein, geht dann mit seinem Taschengeld zur Eisdiele, zum Bäcker, zum Zeitschriftenladen. Geht alleine zum Spielplatz. Trifft auf dem Schulheimweg auf Nachbarn. Auf Klassenfahrt ist er ebenfalls auch mal in Läden unterwegs und muss/will sich eine Limo, Kekse oder sonstwas einkaufen.
Er wird also sowieso zunehmend in der Öffentlichkeit sein. Auch in Momenten mit Konflikten, Enge, Lärm etc. DARAUF sollte er vorbereitet werden, dafür muss er sozusagen trainieren.
Als Teenager möchte er mit Freunden alleine ins Kino gehen, vor dem Spielabend Cola und Chips im Supermarkt einkaufen, seine erste Freundin am Valentinstag zum Pizza essen ausführen.
Und später als Erwachsener muss er sowieso selbständig einkaufen und am sozialen Leben teilnehmen.

Doch, ich habe durchaus Teenager gesehen, die im Laden wütend randaliert haben. Sogar Erwachsene, die anderen an der Kasse die Zunge rausstrecken oder anfangen, zu rangeln.

Was ist denn das dahinterliegende Problem bei diesen schwierigen Einkaufssituationen? In erster Linie doch eine zu geringe Frustrationstoleranz sowie eine zu hohe motorische und emotionale Impulsivität. Das Problem verwächst sich doch nicht, sondern verlagert sich nur auf andere Verhaltensweisen. Dann schmeissen sich die Kinder als Erwachsene zwar vielleicht nicht mehr auf den Boden, aber werden impulsiv aggressiv. Fangen in einer vergleichbaren Situation einen Streit an. Beschimpfen Kunden oder Verkäufer in Stress-Situationen oder wenn es nicht nach ihrem Kopf geht. Werfen mit Waren herum, fahren anderen Kunden „zufällig“ mit dem Einkaufswagen in die Hacken, fangen an der Kasse an zu rangeln, zu schubsen. Alles schon erlebt. Meine Schwiegermutter wurde von einer sichtlich nervösen und von der Enge der Kassensituation überforderten anderen Kundin aufs übelste bedroht. Ich selbst wurde schon von einem offensichtlich schäumenden Mann wegen einer Kleinigkeit auf dem Supermarktparkplatz eingeholt und bedroht, so dass ich lieber einen Umweg nach Hause gefahren bin....Ein Mann drängelte sich letztens in der Kassenschlange ruckartig und dreist vor (alleine das war schon extrem impulsiv) und als ich ihn freundlich darauf aufmerksam machte (mein Kind wartete nämlich im Auto...) fing er an mich lautstark zu beschimpfen, die gesamten 10 Minuten Wartezeit lang, steigerte sich völlig rein, obwohl ich still blieb und ihm kein weiteres „Futter“ lieferte. Auf dem Parkplatz hätte er mich fast mit seinem absichtlich beschleunigten Auto über den Haufen gefahren. Oder Leute, die einen im Kino von hinten ständig mit Popcorn bewerfen oder gegen die Sitze treten, weil sie sauer sind, dass der Platz vor ihnen nicht frei geblieben ist und sie nicht genug sehen. Ich wurde auch schonmal in der Straßenbahn als völlig Unbeteiligter von einer Frau geschlagen. Und ich wohne echt nicht im Brennpunkt. Alles Erwachsene, die ihre Emotionen und Impulsivität nicht im Griff haben und mit Frustration und Bedürfnisaufschub nicht umgehen konnten.

DESHALB finde ich das Einüben angemessener Verhaltensweisen (Impulskontrolle, Frustrationstoleranz) in solchen Situationen sehr wichtig.

Liebe Grüße

Dezemberbaby

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Antwort von ohno am 12.02.2020, 11:41 Uhr

Naja, dumm ist meine Tochter auch ganz und gar nicht, nur weil sie eine andere Selbstwahrnehmung hat. Reaktionen von außen bekommt sie ja auch mit, ordnet diese aber völlig anders zu wie ich als Erwachsene.

Aber mir stellt sich noch eine Frage. Wenn bei Eurer Situation im Park fremde Leute in der Nähe gewesen wären, hättest Du die Situation auch so ausufern lassen? Ich glaube, Du schriebst, Du hast ihn gelassen etc, weil niemand in der Nähe war, und warst dann überrascht, als da jemand kam?

Dann wäre dies ja im umgekehrten Fall auch nichts anderes wie eine Vermeidungshaltung. Die Du ja im übrigen auch anstreben willst, in dem Du vorher um noch mehr Ecken gucken möchtest, damit Triggerpunkte ausgeschlossen werden .

Wie man es dreht und wendet, es ist immer so eine Art Ping-pong. Und mega anstrengend. Für alle.

Viele Grüße ohno

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Re: Noch was vergessen, zum Einkaufen

Antwort von ohno am 12.02.2020, 11:51 Uhr

Dann nehme ich mein Kind aus diesen Gründen nicht mit zum Einkaufen. Oder gehe dort einkaufen, wo die Leute normal sind. Hört sich auch nicht danach an, dass man seine Kinder dort alleine rumschicken sollte...

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Antwort von Dezemberbaby2012 am 12.02.2020, 12:14 Uhr

Da bin ich voll bei dir, dass man dem Kind Hilfestellung in solchen schwierigen Situationen gibt. Das ist auch unser Weg, wurde vielleicht nicht so klar.

Wir machen das ja nicht aus Gemeinheit, sondern damit er lernt, mit der Situation umzugehen. Dabei benötigt und bekommt er natürlich Unterstützung. Um bei deinem Bild zu bleiben: Ich werfe einen Nichtschwimmer nicht ohne Schwimmhilfe ins Wasser. Aber ich vermeide das Wasser auch nicht, nur weil er nicht schwimmen kann. Ich schaue, ob er besser mit Schwimmflügeln oder mit Styroporgürtel zurechtkommt und begleite ihn dann ins Wasser (= durch die Situation).

Nochmal zum „normalem Tagesablauf“: Ein normaler Tagesablauf (im Sinne von „für ein „normales“ Kind“) beinhaltet eben hier und da auch mal spontane Aktionen. Wie die Parksache, weil das Wetter endlich mal schön war. Wir waren auch nicht wirklich unpassend gekleidet (mein Kleid war ein Alltagskleid, robuste Stiefel dazu, er seine normalen Schulsachen), wir hatten nur eben keine ausgesprochenen Matschsachen an, um in den ganz großen Matsch- und Erdhaufen abseits des Weges herumzupatschen. Und als es dämmerte, wurde es halt auch kalt ohne Jacke, die vorher aber zu warm gewesen wäre.
Das ist doch aber in tausend anderen Situationen auch so. Wenn er mit der Klasse einen Ausflug macht, hat er auch keine Matschsachen an und kann auch nicht zwischendurch in eine Matschpfütze springen. Und wenn die Schulhofaufsicht sagt, heute ist das Klettergerüst wegen der Witterung für alle Kinder gesperrt, dann darf er auch nicht trotzdem draufklettern, weil es ihn so schön lockt. Und wenn die reguläre Pause oder eine spontan eingelegte Bewegungspause auf dem Schulhof zu Ende ist, ist sie zu Ende, dann muss er wieder reingehen, auch wenn das Spiel gerade noch so toll ist. Womit er übrigens echt Probleme hat. Und anders als in der Schule kann ich ihm bei meinen ab und zu vorkommenden spontanen Aktivitäten Hilfestellung geben.

Aber wie gesagt, jede Familie muss da ihren eigenen passenden Weg finden.

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit

Antwort von Dezemberbaby2012 am 12.02.2020, 12:51 Uhr

Aber warum denkst du denn, dass wir das nicht auch genau so machen?

Eure Therapeuten haben natürlich völlig Recht. Und genau das war doch auch die Ausgangssituation im Park (Habe ich vielleicht nicht detailliert genug beschrieben, aber noch detaillerter hätte meinen Text glaube ich keiner gelesen ). Zunächst erklärt, Alternativen angeboten, gemeinsam Auswege aus der Situation gesucht. Und schliesslich, wegen Verweigerung jeder Alternative, Konsequenz aufgezeigt (alleine zum Auto zurückgehen) und am Ende wegen weiter anhaltender Verweigerung diese Konsequenz auch durchgeführt.

Er war IN DIESER SITUATION eben nicht zugänglich für Handlungsalternativen, konnte auch keine vorher besprochenen Alternativen abrufen. Das ist in der Regel anders. Aber diesmal war eben einer der vergleichsweise wenigen Momente, wo das nicht geklappt hat. Solche Momente gibt es aber natürlich regelmässig. Wenn er 90 % der schwierigen Situationen schafft und nur 10 % (noch) nicht, dann sind das bei täglich nur 20 herausfordernden Situationen immer noch 14 Ausraster in der Woche, von denen dann statistisch gesehen durchschnittlich 1-2 gemeinsam in der Öffentlichkeit passieren.

Natürlich haben wir auch damals, als sich die Wogen wieder geglättet hatten, im Nachhinein darüber gesprochen. Warum ist die Lage seiner Meinung nach so eskaliert. Wie hat er die Situation wahrgenommen. Wo wären Handlungsalternativen gewesen, wo hätte er noch aus der Emotionsspirale aussteigen können, wie können wir solch eine Situation in Zukunft besser managen.

Half mir in der vorherigen Situation (diesmal) aber leider nicht. Da war irgendwann dann nur noch die Frage Konsequenz oder nicht Konsequenz, sozialem Druck standhalten oder lieber nicht. Und wie auf solche unbeteiligten Hornochsen, die sich ungefragt einmischen, reagieren.

Liebe Grüße

Dezemberbaby

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Antwort von Dezemberbaby2012 am 12.02.2020, 13:09 Uhr

Ja, da hast du Recht und mich erwischt, manchmal neige ich auch zur Vermeidung
Aber grundsätzlich versuche ich eben, nicht zu vermeiden.

Wie ich reagiert hätte, wenn Leute im Park gewesen wären? Ich wäre zwar auch grundsätzlich konsequent geblieben, hätte ihn aber bei meinem Rückzug zum Auto mit beherztem Griff mit zum Auto genommen (letztendlich wohl eher geschleppt.). Hätte ihn nicht dort in der Öffentlichkeit herumschreien und toben lassen (sondern in meinem Auto). Ich hätte also die Situation früher beendet, aber so wollte ich ihm noch die Gelegenheit geben, es selbst aufzulösen und eigenständig zurückzukommen. Oftmals beruhigt er sich nämlich, wenn man ihm Zeit und Raum lässt, und kommt dann von selber nach.

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Re: Noch was vergessen, zum Einkaufen

Antwort von Dezemberbaby2012 am 12.02.2020, 13:24 Uhr

Na, das war eine Zusammenfassung aus meinem bisherigen Leben, Erlebnisse aus 5 verschiedenen Städten, drei Bundesländer. Also wohl eher durchschnittlich.

Jedenfalls ist der Punkt ja, dass Impulskontrolle und Frustrationstoleranz regelmässig im „real life“ geübt werden müssen. Weil sie nicht einfach verschwinden, sich nur irgendwann anders ausdrücken. Nicht umsonst sagt man (ich vermeide jetzt mal die Worte „Studien/Fachliteratur“), dass untherapierte ADHSler ein signifikant erhöhtes Risiko für spätere Gefängnisaufenthalte haben. Impulskontrolle = u.a. Diebstahl. Frustrationstoleranz = u.a. Körperverletzung. Aber das ist natürlich nur Statistik und sagt nichts über den Einzelnen aus.

Keine Ahnung, meine Meinung und unser Weg muss nicht für alle richtig sein, wie gesagt. Ich finde sowieso, eine ADHS-Therapie sollte aus vielen kleinen Bausteinen bestehen, die individuell nach Kind und Rahmenbedingungen ausgewählt werden sollten.

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Antwort von Dezemberbaby2012 am 12.02.2020, 13:41 Uhr

Hallo Marielue,

ja, mache mir wirklich viele Gedanken, hinterfrage viel, das ist manchmal vielleicht wirklich zu viel. Mich hatte die extreme Reaktion des Mannes aber irgendwie so geschockt. Das war mir neu. Wahrscheinlich, weil mein Kleiner jetzt eben kein Kindergartenkind mehr ist, sondern auch optisch ein Schulkind. Und da reagiert die Öffentlichkeit eben nicht mehr mit einem milden Lächeln a là „ach wie süss, er trotzt, der Kleine“ sondern das Ausflipp-Verhalten wird jetzt anders bewertet, ist für sie nicht mehr angemessen für ein älteres Kind. Die Situation ist nicht stimmig, das Verhalten des Kindes für sie absurd, sie sind genervt und wollen das Kind vielleicht gleichzeitig beschützen (wie wir), sie suchen einen Grund für das extreme Verhalten und meinen ihn in der elterlichen Erziehung zu finden. Ups, ich hinterfrage und analysiere schon wieder.

Na, jedenfalls hat mir die Rücksprache mit der Therapeutin gestern sehr geholfen.

Liebe Grüße

Dezemberbaby

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Re: Update zu „Extrem-Ausraster in der Öffentlichkeit“

Antwort von 2auseinemholz am 13.02.2020, 16:02 Uhr

Hallo!

"Ist die übermäßige aktive Einflussnahme auf den Tagesablauf des Kindes wegen ADHS (d.h. nur selten zum Einkaufen mitnehmen, nicht an bestimmten Schulveranstaltungen teilnehmen lassen) nicht pure Vermeidung und damit Gift für die weitere Entwicklung des Kindes? "

Nö, in unserem Fall war es Schutz des Kindes vor noch mehr "verbrannter Erde und vergifteten Brunnen". Der Entwicklung des Kindes hat es gut getan: es konnte im für ihn fordernden aber nicht überfordernden Rahmen lernen.
Mir ist nicht bekannt, dass überfordernde Situation zu einem (stärkeren/schnelleren) Lerneffekt führen, im Gegenteil vorprogrammiertes Scheitern in überfordernden Situation führen zu chronischen Selbstwertproblemen. - Ist im Übrigen eine klassische Komorbidität bei ADHSlern. Sie Lernen, dass IHR Scheitern der Normallfall ist. (Sollte auch in Deinen Studien / Fachliteratur zu finden sein.)

LG, 2.

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Nicht Überfordern, nur Herausfordern

Antwort von Dezemberbaby2012 am 14.02.2020, 10:18 Uhr

Dauerhaftes Überfordern hatte ich natürlich nicht gemeint, sondern (regelmässige, aber nicht übermässige) Herausforderungen.

Aber ich find es ehrlich super, dass deine Kinder sich so gut, wie du erzählt hast, entwickelt haben, dann war eure Herangehensweise für sie ja offensichtlich einfach passend. Ich wollte deine individuelle Erziehungsweise nicht kritisieren, sondern vielmehr darüber berichten, dass es grundsätzlich auch andere passende Herangehensweisen gibt.

Ich glaub, das ist echt zu einem Riesenteil vom individuellen Kind abhängig. Und das Selbstwertgefühl muss man dabei immer im Blick haben, das stimmt.

Liebe Grüße

Dezemberbaby

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