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Geschrieben von Sternchen41 am 28.05.2019, 13:23 Uhr

Erfahrung mit Waldorfschule?

Hallo, ich hatte ja schon mal geschrieben, dass meine Tochter Probleme in der ersten Klasse hat. Sie ist auch ganz anders als ihr vier Jahre älterer Bruder, der jetzt auf dem Gymnasium ist. Da ich durch meinen Sohn bereits weiß, wie der Hase beim Übertritt und auch später läuft, glaube ich, dass die staatliche Grundschule und dann der Übertritt aufs Gymnasium nichts für meine Tochter sind. Sie ist gar nicht dümmer als mein Sohn, aber sie braucht einfach länger und interessiert sich vor allem für Dinge wie Kunst und Musik. Jetzt überlege ich, ob sie auf einer Waldorfschule nicht besser aufgehoben wäre. Hat jemand von Euch schon Erfahrung mit dieser Art von Schulform?

 
11 Antworten:

Re: Was genau willst du denn wissen?

Antwort von cube am 28.05.2019, 16:51 Uhr

Ganz grundsätzlich ist eine Waldorfschule nicht einfach nur eine alternative Schulform. Waldorf ist eine Ideologie und basiert auf der Anthroposophie. Das sollte man als Eltern auch in gewisser Weise leben. Dazu kommen Dinge wie Elternarbeit und das die Schule bezahlt werden muss. 5% deines Nettoeinkommens werden als Schulgeld erhoben. Waldorfschulen sind freie Schulen und unterliegen nicht dem staatlichen Lehrplan. D.h. dein Kind wird am Ende eine Externen-Prüfung machen müssen, da es sonst nur einen Waldorfabschluss hat.
Das sollte einem grundsätzlich klar sein.
Was willst du denn genau noch wissen?

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Re: Also

Antwort von cube am 29.05.2019, 9:12 Uhr

erst mal ein grundlegender Unterschied zwischen "pädagogischem Konzept" und "freie Schule". Eine Schule mit einem pädagogischen Konzept wie zB Montessori ist staatlich anerkannt. Dh am Ende müssen die Kinder eben bestimmte Dinge, die für eine Versetzung oder Abschluss notwendig sind, beherrschen. Der Weg dorthin, die Lernmethoden, sind jedoch anders als in der Regelschule. zB Montessori folgt dem Grundsatz "hilf mir, es selbst zu tun". So gibt es dort zB Materialien, bei denen die Kinder selbst kontrollieren können, ob ihre Lösung richtig ist oder nicht. Es gibt Freiarbeitsstunden, in denen der Lehrer ein Thema vorgibt, die Kinder das Material aber selbst wählen können. So kann dann jemand, der in Mathe schon weiter ist als 1. Klasse mit einem Material für die 2. oder 3. Klasse arbeiten und vieles andere an Lernmethoden, die in einer Regelschule so nicht vorkommen (können). Am Ende der Schuleingangsphase (1.&2. Klasse) müssen aber die Grundlagen dennoch stimmen, um in die 3. versetzt zu werden.

Eine freie Schule hingegen löst sich von den Vorgaben dessen, was zB am Ende Klasse 2 erlernt sein muss. Freie Schulen sind nicht nur pädagogisches Konzept, sondern beinhalten eine sehr genau Vorstellung davon, wie sich ein Mensch entwickelt.
Der Begründer von "Waldorf" ist Rudolf Steiner (lies mal etwas über ihn und seine Vorstellungen). Steiner teilt zB die menschliche Entwicklung/Reifung in Jahrsiebtel ein. Seiner Vorstellung nach ist ein Kind vor dem 7. LJ eben zu bestimmten geistigen Leistungen gar nicht in der Lage. Der nächste Abschnitt wäre dann 7-14 Jahre. Erwachsen ist ein Mensch erst, wenn er 21 ist. Innerhalb dieser Abschnitte hat er sehr genaue Vorstellungen davon, zu was ein Mensch in der Lage ist und eben auch noch gar nicht in der Lage sein kann.
Du merkst, wir reden hier nicht von pädagogischem Konzept im Bezug auf Lernmethoden - sondern einer Vorstellung der gesamten Entwicklung eines Kindes bis zum von ihm definierten Erwachsenenalter.
Wie eng eine Schule an Steiner orientiert ist, muss man eben vor Ort erfragen.
zB sieht Steiner Schreiben als hochkomplexe Aufgabe (was auch stimmt), die ein Kind eben erst ab x Jahren überhaupt beherrschen kann. Und die es erst einmal ganzheitlich erarbeiten muss. Deswegen gibt es die Eurythmie. Und ja, dort tanzen die Kinder ihren Namen. Denn nach der Vorstellung Steiners sind das praktisch Schwungübungen, die ein Kind erst mal körperlich erfühlen können muss bevor es in der Lage sein kann, diese nur mit der Hand auszuführen. Außerdem sollen die Kinder sich dadurch auch eben selbst erfahren und ihre Persönlichkeit erarbeiten.
Unterrichtet wird in "Epochen". Dh innerhalb des Fächerkanons wird 1 Fach herausgepickt, dass über zB 6 Wochen täglich mit 2 Stunden unterrichtet wird. Danach wird dieses Fach eine ganze Zeit lang gar nicht angepackt, statt dessen ein anderes in den Fokus gerückt. Hintergrund: die Kinder sollen ihr Wissen vertiefen, um es wirklich zu verstehen, muss danach eine Phase der Verarbeitung folgen.
Der Anthroposophische Grundgedanke beinhaltet dann auch noch, dass zB Impfungen nicht notwendig sind. Sie sind verpönt. Der Körper hat genug Selbstheilungskräfte und durchläuft zwangsläufig in seiner Reifung zB die Masern. Böse, wer impft und seinem Kind damit die Chance auf die Selbststärkung des Organismus nimmt. Antibiotika bei Mittelohrentzündung - vergiss es. Ein Zwiebelsäckchen muss reichen.

Aber wie gesagt: wie streng sich eine Schule an Steiner orientiert, musst du selbst herausfinden. Es sind sicher nicht alle so engt darin.

Sei dir aber auch bewusst: kommt ein Kind dort nicht klar, wird der Wechsel zurück in die Regelschule sehr schwierig! Meistens muss dann eine Klasse zurück gegangen werden und/oder sehr viel nachgeholt werden. Nicht weil Waldorf-Schüler dümmer sind - aber deren Lernkonzept ist einfach zu weit weg von den anderen, als das man auf dem gleichen Wissenstand sein könnte.

Das ein Kind gerne malt und singt etc ist per se nicht Anzeichen dafür, das eine Waldorfschule die richtige ist. Da gibt es auch Regelschulen, die einen künstlerisch/musischen Schwerpunkt setzen.

Ich habe eher den Eindruck, du denkst, mit einem Schulwechsel wird ohne weiteres Zutun alles gut. Das glaube ich nicht. Dazu musst du erst einmal herausfinden, warum bzw. welche Probleme deine Tochter mit der Regelschule hat. Ich würde auch erst mal den Hinweis der Lehrerin aufnehmen und das Gehör oder die auditive Wahrnehmung prüfen lassen. Gibt es nämlich da Probleme, nützt auch Waldorf oder sonstige Schulform nichts.
Außerdem ist dein Kind gerade mal in der 1. Klasse. Manche Kinder brauchen eben etwas mehr Zeit, sich einzufinden. Ich würde dir raten, dir einen Schulwechsel in eine andere Schulform sehr gut zu überlegen. Sie kann genau das Richtige für dein Kind sein, aber sie ist kein Allheilmittel. Und bei allen Bemühungen, es seinem Kind so angenehm wie möglich zu machen, darfst du nicht vergessen, dass man sich manchmal auch einfach nur etwas mehr anstrengen muss und nicht darauf warten kann, dass einem das Wissen immer in den perfekten Häppchen serviert wird.

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Re: Also

Antwort von Sternchen41 am 29.05.2019, 15:06 Uhr

Toll, vielen Dank für Deine lange Antwort! Du scheinst Dich sehr gut auszukennen. Ich finde, das hört sich ehrlich gesagt genau nach einer Schulform an, die ich mir für Kinder wünsche. Jetzt weiß ich, dass ich mir das auf jeden Fall mal genauer anschauen werde. Das bedeutet nicht, dass meine Tochter gleich die Schule wechselt (denn wer weiß, ob wir überhaupt einen Platz an einer Waldorfschule bekommen). Aber ich finde es immer gut, einen Plan B zu haben. Außerdem interessiert mich sehr, um was es der Waldofschule geht. Vor allem jetzt, wo ich einen Sohn auf dem Gymnasium habe und weiß, was das in der heutigen Zeit bedeutet. Ich selbst hab zwar relativ mühelos das Gymnasium gemeistert, aber ehrlich gesagt ist recht wenig hängen geblieben. Und ich befürchte, das ist bei meinem Sohn nicht anders, vielleicht sogar noch schlimmer. Bulimisches Lernen nenn ich das, lernen und dann...

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Ähm darf ich korrigieren?

Antwort von Löwenmädchenmama am 29.05.2019, 21:36 Uhr

Also heute schreiben die aller meisten Waldorfschulen die zentralen Prüfungen mit wie alle staatlichen Schulen auch! Soweit ich weiß ist das inzwischen in fast allen Bundesländern so (aber informier dich einfach wie es bei euch in der Nähe gehandhabt wird). Mein Mann und ich zumindest haben exakt die selben Abschlüsse geschrieben wie an den Gymansien nebenan (wir kommen aus unterschiedlichen Bundesländern) und unsere Kinder werden auch auf eine Waldorfschule gehen, zumindest stand jetzt und auch hier schreiben die Kinder selbstverständlich genau die selben Abschlüsse wie alle anderen auch!
Zumindest meine Waldorfschule war extrem bunt gemischt (Großstadt), es gab sicher auch die "extremen Ökos" mit Wollpullis im Sommer aber auch die coolen Checker , es gab Eltern die sich voll und ganz mit der Anthroposophie verbunden fühlten und andere (sicherlich die Mehrzahl) die gut fanden, wie viel ganzheitlicher, "druckfreier " und individueller wir lernen durften! Ich bin ganz sicher weit entfernt extrem intelligent zu sein und eine Musterschülerin, Ich war immer eher ruhig, kam schlecht mit Druck klar, lernte zwar gerne und in manchen Fächern auch wirklich gut und in anderen habe ich etwas mehr Zeit gebraucht (Mathe und co.). Nie hat mir jemand Druck gemacht, stets wurde auf meine Fähigkeiten vertraut und siehe da ich hatte eine schöne Schulzeit wo mir Zeit gegeben wurde und habe einen wirklich guten Abschluss geschafft!
Es kommt natürlich IMMER auf die Lehrer an, wir hatten auch echt schlechte Lehrer! Da bringt das tollste Konzept dann auch nicht mehr viel!
Das Schulgeld ist übrigens an jeder Waldorfschule unterschiedlich auch da musst du am besten fragen.
Ich bin mir sicher, dass ich an einer großen x-zügigen Schule untergegangen wäre und dem Druck nicht stand gehalten hätte. Ich habe meine Zeit gebraucht und bekommen.
Für MICH sind die Vorteile einer Waldorfschule folgende:

-Mehr eingehen auf den einzelnen Schüler und seine Stärken
-Viiiieeel mehr Kunst
-Mehr Zeit
-Noten erst für die oberen Klassen und sehr differenzierte Zeugnisse
-staatlich anerkannte Abschlüsse
-Kleinere Schulen (zumindest kleiner als in der Großstadt)
-oft sehr engagierte Lehrer
-Kein Stress wegen dem Übergang Gymnasium und Realschule
-Viele Praktika

Puh eigentlich wollte ich nur kurz schreiben. Also ich empfehle: Schau es dir an, versuche raus zu finden wie die Lehrer so sind und höre auf dein Bauchgefühl! Alles Gute für die Entscheidungsfindung!

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Re: Was genau willst du denn wissen?

Antwort von Mörchen17 am 30.05.2019, 10:52 Uhr

Meine Geschwister waren alle auf einer Waldorfschule und haben in der 12. Klasse ihren Realschulabschluss ganz "normal" gemacht. Eine Externenprüfung wäre nur beim Abitur - das keiner meiner Geschwister gemacht hat - notwendig gewesen.

Und das ist aus meiner Sicht ein durchaus maßgeblicher Kritikpunkt an den Waldorfschulen, dass nämlich behauptet wird, dass die Schüler jeden beliebigen Schulabschluss dort erwerben könnten, weil die Schüler ja nicht nach der 4. Klasse auf Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien verteilt werden, sondern von der 1. bis zur 12. Klasse gemeinsam unterrichtet werden und somit auch Spätzünder theoretisch unproblematisch das Abitur erreichen können; faktisch ist es nach meinem Erleben, das von vielen (ehemaligen) Waldorfschülern mir auch bestätigt wurde, aber so, dass an den Waldorfschulen das Abitur tatsächlich nicht angepeilt wird. Die Schüler werden darauf vorbereitet, nach der 12. Klasse die Schule mit dem Haupt- oder Realschulabschluss zu verlassen, und genau das tut dann das Gros auch. Wer dann noch ein Jahr dranhängt, um das Abitur zu erlangen, ist ein ziemlicher Exot und es dürfte in dem Alter auch mental schwierig sein, sich dafür zu entscheiden, noch ein Jahr länger in der Schule zu hocken, während die Klassenkameraden schon ganz andere Wege gehen. Klar gibt es Waldorfschüler mit Abitur, aber ich würde mal behaupten, das haben sie nicht wegen, sondern trotz des Waldorfschulbesuchs geschafft.

Auf der anderen Seite haben Waldorfschulen natürlich viele Vorzüge. Die Schüler bleiben im Idealfall zwölf Jahre in einer Klassengemeinschaft, es kommt also nur selten zu Beziehungsabbrüchen wegen Schulwechseln oder so, die ersten acht Jahre haben sie im Idealfall ein und denselben Klassenlehrer, der den "Hauptunterricht" (bei meinen Geschwistern täglich die ersten beiden Stunden, epochenweise Deutsch, Mathe, Sachkunde und dergleichen im Wechsel, außerdem noch das eine oder andere sonstige Schulfach) gibt, also auch da gibt es eine große Kontinuität, das Kindern im Grundschul- und frühen Pubertätsalter sicherlich ebenfalls dient, der Unterricht ist "ganzheitlich" angelegt, also die Kinder sollen mit allen Sinnen lernen, Buchstaben z.B. nicht nur schreiben, sondern auch künstlerisch gestalten, in der Eurythmie tanzend nachvollziehen etc. Ihre Schulhefte gestalten sie selbst, es gibt in den ersten Jahren keine Schulbücher, die dazu irgendetwas vorgeben, es werden Jahresarbeiten zu von den Schülern selbst gewählten Themen verfasst, man hat Gartenbauunterricht, macht ein Praktikum auf einem Bauernhof etc. Manches davon findet ja auch langsam Eingang in den Lehrplan an staatlichen Schulen.

Den weltanschaulichen Aufhänger würde ich nicht überbewerten, er hat an der Waldorfschule meiner Geschwister keine besondere Rolle gespielt. Es mag aber Waldorfschulen geben, die da deutlich mehr Wert drauf legen, das muss man dann jeweils konkret erfragen.

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Gut informieren über die Lehre...

Antwort von Bela66 am 30.05.2019, 12:19 Uhr

Meine Tante ist Eurythmie-Lehrerin und mein Cousin war selbst auf der Waldorfschule. Nach meiner Beobachtung ist eine Waldorfschule nur so gut, wie ihr Personal. Wenn die Mitarbeiter und Lehrer also engagiert und menschlich in Ordnung sind. Das ist nicht immer der Fall. Es gibt hier auch große Ideologen, die ein bisschen seltsam sind.

Was man wissen muss: Waldorfschulen sind stark esoterisch-religiös geprägt, es gibt hier einen Mix aus verschiedenen weltanschaulich-christlichen Elementen. Zum Beispiel glaubt man an gute, aber auch böse Engel. Eine „gute“ Waldorffamilie besitzt außerdem keinen Fernseher, das ist verpönt. Und die Kinder sollten bestimmte Hobbys nicht machen (Fußball und Ballett sind z. B. ungern gesehen, weil zu unnatürlich für den Körper oder zu aggressiv, der Ball wird ja mit Füßen getreten).

Von Waldorf-Eltern wird viel praktische Mithilfe erwartet, es gibt hier eine festgelegte Anzahl von Stunden, die Ihr in jedem Halbjahr helfen müssten (Gartenpflege, Wände streichen usw.). Die Kosten der Waldorfschule richten sich nach Eurem Einkommen und werden in einem vertraulichen Gespräch mit der Schulleitung individuell festgelegt.

Waldorfschüler müssen das Zentral-Abi machen, wenn sie Abitur haben wollen - so ganz ohne Leistungsdruck geht es also auch nicht mehr ab.

Du solltest Dich mit der Lehre Rudolf Steines unbedingt ein wenig befassen, damit Du auf der Waldorfschule keine Überraschungen erlebst, das ist wichtig. Du musst sein Weltbild weitgehend akzeptabel finden.

Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass Ihr noch einen Platz bekommt. Waldorfschulen haben in der Regel nur wenige, dafür sehr große Klassen (sind oft nur ein bis zweizügig) und verlaufen ohne Grenzziehung durch, also von der Grundschule auf die weiterführende Schule. Das heißt, auch die Gymnasiasten sind oft schon ab dem 1. Schuljahr an derselben Schule. Plätze werden lange im voraus vergeben. Und zwar auch nicht einfach so, sondern nur, wenn die Eltern ausdauernd sind und großes Interesse zeigen.

Ein Tipp dazu: Wenn Du eine Chance auf einen Platz haben willst, darfst Du nicht nur anrufen. Du bekommst dann sofort ein „Nein, wir haben keine Plätze mehr frei.“ Sondern Du musst persönlich hingehen. Das zeigt echtes Interesse und wenn Du dann im Gespräch noch einen engagierten, interessierten Eindruck machst, könnte es doch noch einen Platz geben. Oft aber erst, wenn Du noch ein zweites Mal vorsprichst und sagst, wie sehr Dir daran liegt, und ob da nicht doch etwas zu machen ist. Hartnäckigkeit wird erwartet, sie zeigt, dass es Dir ernst ist.

LG

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Re: Erfahrung mit Waldorfschule?

Antwort von cube am 30.05.2019, 16:47 Uhr

Wie ich schon schrieb und ja auch zB Bela: du musst dir die Schulen, die für dich in Betracht kommen, wirklich selbst anschauen. Natürlich variiert die Orientierung an Steiner - manche sind sehr modern, andere eben stark an der alten Lehre des Begründers orientiert.
IdR sind Waldorfschüler auch schon in einen Waldorf-KiGa gegangen, da es eben nicht nur päd. Konzept ist, sondern auch mehr oder weniger eine Weltanschauung.
Ich würde dir empfehlen, auch mal einen Tag der offenen Türe zu besuchen. Wir haben das bei der Auswahl des KiGa´s getan und haben es danach abgehakt. Das war einfach nicht unsere Welt.
Ach so, noch etwas: der Sohn unserer Nachbarn ist in einer Waldorfschule (war auch im KiGa) und sehr viele Tage, an denen bei uns zumindest die OGS offen hat, ist bei ihm komplett zu. Informiere dich über die Betreuung unbedingt auch - da kannst du schnell auf die Nase fallen. So gibt es in der Schule unserer Nachbarn in den Ferien zB keine OGS. Du müsstest eine Betreuung komplett selbst organisieren oder es dir leisten können, viel Urlaub zu nehmen.
Und wie gesagt: es ist viel Mitarbeit gefordert! Es werden diverse Festivitäten gefeiert (Johannifest zB), von denen du vermutlich noch nie etwas gehört hast und diese werden von den Eltern vorbereitet.
Mach dich auf jeden Fall über Rudolf Steiner und das Konzept Waldorfschule mal schlau. ich bin mir nämlich sehr sicher: läufst du da in derSchul auf und sagst "ich wollte mich erst mal erkundigen, wie das so mit Waldorf eigentlich funktioniert" bist du raus.

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Re: Erfahrung mit Waldorfschule?

Antwort von emilie.d. am 30.05.2019, 23:23 Uhr

Eine ehemalige Mitschülerin ist in der Oberstufe von Waldorf auf mein Gymmi gewechselt, weil sie an der Waldorfschule nicht mehr klar kam. Was sie so erzählt hat, klang für mich irre authoritär und schon fast sektenhaft.

Und sie ist wirklich ein sehr sanfter, ruhiger, feiner Mensch, in keiner Weise eine Schülerin, die im Unterricht stört oder den Aufstand probt.

Es klang in den anderen Beiträgen ja schon an, es kommt sehr auf das Personal an. Aber manche mischen sich schon echt arg ins Privatleben ein.

Ich würde eher über eine Montessouri Schule nachdenken, in den Niederlanden und NRW hat man auch sehr viele Elemente aus Montessouri an den Regelschulen. Wirklich ein tolles Konzept.

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Re: Kleine Korrektur

Antwort von cube am 31.05.2019, 9:48 Uhr

es heißt Montessori. Begründerin ist Maria Montessori, Grundsatz "hilf mir, es selbst zu tun". Unser Kind ist auf einer Monte-Schule und wir finden das Konzept gut bzw. passend für unser Kind.
Auch hier muss man schauen ob es eine reine Monte-Schule ist der eine Regelschule, die Elemente von Montessori aufgreift.
Eine reine Monte-Schule unterrichtet die 1.-4. Klasse in einem Klassenverbund. Nur zum Fachunterricht werden die Kinder nach Jahrgangsstufe getrennt. In der Freiarbeit bleiben sie zusammen und so können die jüngeren von den älteren Schülern profitieren, entsprechend ihrem Leistungsstand Material aussuchen und bearbeiten - heißt, wer zB gut in Mathe ist, kann hier ein schwereres Material wählen als es seiner eigentlich 1. Klasse entsprechen würde.
Aber auch hier gilt: es muss zum Kind passen. Es gibt eben auch Kinder, die brauchen ganz genau Anweisungen/regeln, um überhaupt vernünftig/zielführend zu arbeiten. Monte-Schulen haben schon immer die Schuleingangsphase 1./2. Klasse gehabt - so wird eben auch erst zum Ende der 2. entschieden, ob ein Kind zurück geht (also länger in der Eingangsphase verbleibt) oder zB springt (Ausnahmen gibt es natürlich auch). Den Kindern soll mehr Zeitgelassen werden, sich in der Schule einzufinden, ihren Arbeitsrythmus zu entwickeln etc. Das ist toll vor allen Dingen für sehr junge Kinder, die den Druck der Regelschule nicht gut verkraften würden und erst mal Zeit brauchen, wirklich Schulkind zu werden.
Heißt aber für die Eltern auch: vergleiche niemals mit Kindern aus der Regelschule ;-) Man könnte den Eindruck haben, das eigene Kind hätte ja noch gar nichts gelernt im Vergleich.
Außerdem gibt es hier sehr viele spielerische Elemente - auch das empfinden Eltern dann oft als "herumkaspern" statt lernen. Jede gute Monte-Schule lässt Eltern vorab hospitieren. Ich würde jedem Interessierten Elternteil empfehlen, das in Anspruch zu nehmen und sich das Konzept anzuschauen. Sich mit den klassischen Monte-Materialen wie zB Perlenketten mal vertraut zu machen. So bleiben zB auch die Hausaufgaben idR in der Schule. Man muss sehr viel Vertrauen in sein Kind und die Lehrer aufbringen können, da man recht wenig Einblick darin erhält, was das Kind gerade so "leistet". Sinn und Zweck soll natürlich sein, das Schule Schule ist und zu Hause Freizeit. Die Kinder sollen Verantwortung für ihrer Aufgaben gegenüber dem Lehrer haben und nicht etwas tun, weil die Eltern Druck machen.
Das ist nicht immer einfach als Eltern. Man muss schon viel Vertrauen in sein Kind und die Lehrer setzen. Die allermeisten Monte-Schulen sind staatlich anerkannt - also am Ende müssen die Kinder trotz aller Freiheiten das können, was der allgemeine Lehrplan vorgibt. Der Weg dorthin ist aber ein anderer.

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Das kenne ich auch aus Verwandtschaft und Bekanntschaft

Antwort von Sille74 am 02.06.2019, 10:02 Uhr

Also Leute, die in der Waldorf-Schule überhaupt nicht klar kamen, sich in einem ideologischen Korsett gefangen und durchaus unter Druck gefühlt haben, zwar nicht unter klassischem Leistungsdrhck, aber unter dem Druck, so zu funktionieren, wie es ideologisch "vorgeschrieben" ist. Das waren sogar oft sehr künstlerisch begabte junge Leute, die sich in ihrer Entfaltung gerade auch auf diesem Gebiet sehr eingeschränkt gefühlt haben. Denn auch hins. der Musik und bildenden Kunst musste alles gemäß der Ideologie gemacht werden.

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Re: Erfahrung mit Waldorfschule?

Antwort von Tai am 03.06.2019, 17:09 Uhr

Ich kenne einige Leute, die an der Waldorfschule Abitur gemacht haben. Im großen und ganzen sind die so normal wie alle anderen auch.....

Eine frühere Bekannte hat alle drei Kinder auf die Waldorfschule geschickt, nachdem diese auf staatlichen Schulen nicht gut zurecht kamen. Anfangs war die Begeisterung und der Erfolg groß, dann bröckelte die Euphorie doch etwas. Was daraus wurde, weiß ich leider nicht.

Und schließlich haben drei ehemalige Waldorfschüler mit meiner Tochter auf einem normalen Gymnasium Abitur gemacht. Zwei wechselten schon während der 9. Klasse und brachen wohl notenmäßig ziemlich ein. Aber sie kamen ohne Wiederholen zum Abschluss. Der Dritte kam zur Oberstufe und war von Anfang an bei den Spitzenschülern und hat vermutlich ein 1,0-er Abi gemacht.

Also, vielleicht ist die Waldorfschule gut für deine Tochter. Geh zum Tag der Offenen Tür oder lass dir sonst das Konzept etc. dort zeigen.
Für mich, besser für meine Kinder, wäre diese Ideologie überhaupt nichts.

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