Rund um die Erziehung

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Geschrieben von Mama Heike am 05.07.2006, 14:15 Uhr

@Krokodil - Sie will nicht spielen.

Hallo Krokodil,

So richtig verstanden habe ich ehrlich gesagt noch nicht, was dich genau an deinem Verhalten deiner Tochter nervt oder was dich traurig stimmt. „Sie spielt einfach nicht.“ ist mir zu pauschal, um wenigstens ansatzweise eure Situation einschätzen zu können (daher vielleicht auch die Missverständnisse im Erziehungsforum). Ich versuchs trotzdem mal.

Aus meiner Sicht spielt deine Tochter. Wenn sie sich voller Emsigkeit über die Cremedose hermacht und ihre Welt damit umgestalten, ist das nun mal kreatives Spiel in höchster Vollendung, auch wenn uns als Erwachsene das Ergebnis alles andere als Recht ist. Sie deshalb zu schimpfen, wäre nicht gut, denn du verleidest ihr damit schöpferisches Tun. Aber ist es nicht genau das, was wir uns für unsere Kinder wünschen, dass sie fantasievoll sind, um später Probleme kreativ und flexibel zu lösen?

Wenn ein Kind im kreativen Prozess vergisst, dass es damit Schaden anrichtet, sollte man das Kind nicht zur Verantwortung ziehen, denn
1. hast DU die Creme unachtsam liegen lassen und
2. Du hast deine Gedanken nicht bei ihr gehabt, sondern sie war (geistig) sich selbst überlassen (und konnte dadurch erst diesen Unfug machen).

Vielleicht hat deine Tochter auch keine anderen Materialien, die sie selbstständig nutzen darf, um schöpferisch zu gestalten.

Welches Spielzeug hat sie denn überhaupt noch zur Verfügung, du hast von 4 Teilen gesprochen? Klingt erstmal relativ wenig.

Kindern, denen es schwer fällt, ins Spielen zu kommen, kann man Hilfestellung geben, wenn man darüber nachdenkt, was SPIELEN für Kinder ist.

In der Spielstufe deiner Tochter (ca. 3 bis 5 Jahre) wird alles hingebungsvoll nachgeahmt, was sich in ihrem Umfeld abspielt. Die Kinder spielen völlig zweckfrei und wandeln ihr Spiel ständig ab, entdecken Neues, bringen andere Impulse ins Spiel. Sie haben einen großen Drang, ihr Umfeld zu gestalten.

Ich kann mir auch vorstellen, dass der Tierpark von Playmobil schon so weit vorgefertigt ist, dass er den Kindern gar nicht mehr viel Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Eine Vermutung wäre auch, dass sie noch gar nicht so oft in einem Tierpark war. Selbst der gutgemeinte Bauerhof oder Einkaufsladen bleibt achtlos liegen, wenn ein Kind nie die Möglichkeit hatte, uns Großen darin TÄTIG (mit Begeisterung) zu erleben.

Im Supermarkt hetzen wir oft durch die Regale und legen relativ lieblos in den Wagen, was nötig ist. An der Kasse stehen wir genervt und atmen tief durch, wenn der ganze Kram endlich zu Hause verstaut ist. Die Einkaufsfreude bleibt auf der Strecke. Unmöglich zu erwarten, dass nun ein Kind zuhause mit ihrer Puppengesellschaft spielt: „Guten Tag, Sie wünschen bitte, darf es noch ein bisschen mehr sein…“ Da kann man sich die Anschaffung eines prima ausgestatteten Einkaufsladens getrost sparen.

Was kannst du also tun? Durchforste mal euren Alltag, was dein Kind wirklich im Spiel nachahmen könnte. Hat es überhaupt genug „Futter“ zum Nachahmen? Tust du das, was du dann tust, mit Hingabe und Freude, so wie du es für das Spiel deiner Tochter wünscht? Sie orientiert sich an dir und an dem, was du tust. Und so sollte auch das Spielzeug ausgewählt werden.

Ein anderer Ansatz, deinem Kind zu helfen, wäre, dass du deine Gedanken bei deinem Kind lässt. Klingt etwas merkwürdig, ich weiß. Nehmen wir mal an, sie hat eine Lieblingpuppe. Wenn du das Püppchen immer in euren Alltag mit einbeziehst (also auch das Püppchen Geschirr bekommt und gewaschen wird), wird deiner Kleinen gar nichts anderes übrig bleiben, als freudig mitzumachen. Mach ihr doch den Vorschlag, die Puppenwäsche im Waschbecken zu waschen oder so. Sie geht bestimmt darauf ein.

Dein Kind sollte so gut wie nie Langeweile spüren (und dafür musst du halt mitdenken und Vorschläge unterbreiten), weil gelangweilte Kinder total unleidlich werden. Wenn sie sich im Sandkasten langweilt, gib ihr doch eine Gießkanne und lass sie die Blumen gießen. Sie wird ganz schnell ihre „Aufgabe“ vergessen und fasziniert sein von der Erde, sie befühlen, verschmieren und kneten. In einem solchen spielerischen Prozess sollten wir das Kind nicht stören, denn es spielt so schöööön. Mitzuhelfen und tätig zu sein, ist für Kinder immer schön, für uns leider oft genug eine Last.

Ein gemeinsame Spiel mit dir ist wichtig, sollte aber immer ein Höhepunkt sein. "Bespielt" wird sie meist schon in der Kindereinrichtung zur Genüge.

Liebe Grüße
Heike

 
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