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Geschrieben von Mama Heike am 28.06.2006, 13:21 Uhr

@sten+Olli

Hallo Angela,

du schreibst:

"Ich habe aber auch eine eigene Meinung: Ich bin da mehr fürs Konkrete. Also, wenn ein Kind schlägt: Den Kind kurz sagen, dass das so nicht geht, es darf auch meine Zornesfalte sehen, das Kind aus der Situation herausnehmen, dann muss es eben woanders spielen, wenn es grösser ist, muss es vielleicht 5 Minuten bei Mama Strafsitzen und wenn es gar nicht geht, ab nach Hause...."

Du bist aber eben mit solch einem Ratschlag nur hilfreich, wenn du den anderen begreiflich machst, warum du so handelst und nicht anders.

Ich versuche lediglich das "Pferd" zu diesem Thema von hinten aufzuzäumen: Also aufzeigen, warum es so nicht funktionieren KANN. Würde es funktionieren, gebe es keine Frage dazu in diesem Forum.

Wenn du wirklich helfen willst, dann schreibe doch bitte, warum du bei dem Thema "Schlagen" so handeln würdest.

Liebe Grüße
Heike

 
3 Antworten:

Re: @sten+Olli

Antwort von Stan+Olli am 28.06.2006, 14:06 Uhr

Hei Heike,
ich antworte Dir gerne, will aber etwas ausholen, sprich: ich melde mich später... Das Thema ist auch für mich wichtig.
Gruss Angela

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Antwort

Antwort von Stan+Olli am 28.06.2006, 16:00 Uhr

Hei Heike,

ich schreibe Dir mir mal aus meinem Erfahrungsschatz: Ich habe ein 7-jähriges Einzelkind.
Seine Geschichte kannst Du in Kurzform hier nachlesen:
http://www.rund-ums-baby.de/erziehung_elternforum/mebboard.php3?step=0&range=20&action=showMessage&message_id=729&forum=209

Ich habe folgendes gelernt bzw. ich bin der Meinung, dass folgendes richtig ist: Manchmal entsteht ein Fehlverhalten einfach irgendwie. Wir z.B. haben ja nichts verkehrt gemacht, als wir unseren Sohn in der Krankheitsphase mit allen Mitteln unterstützt haben, selbstverständlich war der ganze Tagesablauf danach ausgerichtet, möglichst viel Zeit mit Olli im Krankenhaus zu verbringen. Dadurch ist die Mittelpunktserwartung entstanden, die wir jetzt, nach der Krankheit erst angehen können.

Der Elio wird irgendwann mal probeweise geschlagen haben und gemerkt haben, dass es wirkt. Dann hat er es eben noch mal und noch mal gemacht und jetzt hat er es sich angewöhnt. Ich bin mir nicht so sicher, ob das was mit seinem Selbstwertgefühl zu tun hat, es gibt Kinder, die schlagen mit hohem und mit niedrigem Selbstwertgefühl. Kleine (Einzel-)Kinder sind einfach oft unglaubliche Egoisten und soziale Kompetenz muss erst mühsam erlernt werden. Das geht nicht von heute auf morgen. In dem Alter unter 3 sind oft Spielsachen noch viel interessanter als Spielkameraden und das Kind achtet nicht grossartig darauf, wie es mit dem vermeintlich uninteressanteren Kameraden umgeht.

Ich finde, Christiane macht das schon ganz gut, ich glaube ich würde nicht grossartig anders handeln. Sie muss jetzt nur konsequent bleiben und sich klar machen, dass sich Elios Verhalten nicht von heute auf morgen ändern kann, das braucht etwas Zeit. Sie muss aufpassen, dass Elio keinen Vorteil daraus zieht, andere Kinder zu schlagen: Sie darf z.B.
nach einer „Schlägerei“ kein gemeinsames Spiel folgen lassen, weil er sonst den Schluss zieht: Wenn ich schlage, kommt meine Mama und kümmert sich um mich. Ich würde den Elio auch nicht unbedingt in ein „Wespennest“ mit lauter Kleinkindern setzen, die alle noch keine soziale Kompetenz haben und nur darauf warten, ihm sein Eimerchen zu klauen. Also, eher erstmal abseits setzen und warten, wohin er sich wendet. Dort sollte er sich dann aber auch bemühen, sich an die „Spielregeln“ zu halten.

Mir fällt dann noch spontan ein, dass der Elio ja wahrscheinlich zweisprachig aufwächst, oder? Ein solches Kind „spricht“ oft erst später, ich sehe dass an meinem Neffen, der ist allerdings erst gerade 2 geworden. Also er versteht beide Sprachen perfekt, aber sagt noch so wenig. Vielleicht ist das beim Elio ja ähnlich, vielleicht kann er sich aktuell anderen Kindern gegenüber besser mit Taten als mit Worten ausdrücken?

Und dann ist es mir noch wichtig zu schreiben, dass ein Kind auch lernen muss, dass es Tage/Phasen im Leben gibt, an denen es sich etwas zurücknehmen muss: Ich nehme Kindererziehung auch sehr wichtig, aber trotzdem geht das Leben irgendwie weiter. Niemals bekommt mein Sohn während einer Woche gleichmässige Aufmerksamkeit. Es gibt Tage, da nehme ich mir Zeit und fahre mit Olli zum Fussballtraining, aber am nächsten muss ich Papa auf dem Bau oder in der Firma helfen oder ich will joggen. Da „darf“ mich dann mein Sohn begleiten. Wir alle sind wichtig und es ist wichtig, dass die Bedürfnisse von allen erfüllt werden, nur so funktioniert Familie. Mein Mann war auch oft längere Zeit beruflich unterwegs. Ich habe lernen müssen, dass es nicht gut ist, 5 Tage in der Woche zum Spielplatz zu gehen und sich nur ums Kind zu kümmern, auch wenn es einem selbst viel Spass macht. Besser ist es, eigene Bedürfnisse auch zu verwirklichen, und wenn man keine grossartigen Bedürfnisse hat, dann sollte man sich schnellstens welche suchen. Das war aber mein persönliches Problem.

Jetzt habe ich mein persönliches Bedürfnis, Dir zu antworten, verwirklicht, jetzt ist mein Sohn dran, es ist Zeit für das Fussballtraining.

Viele Grüsse
Angela

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Re: Antwort

Antwort von Mama Heike am 28.06.2006, 22:45 Uhr

Hallo Angela,

du bringst wirklich tolle Ansätze ins "Spiel". Wäre doch zu schade gewesen, wenn keiner davon erfahren hätte. :-))

Und deine Lösung für das Schlagen ist auch meine. Ich bin jedenfalls von deiner Geschichte sehr beeindruckt und finde großartig, wie ihr an eure Situation herangeht. Macht jedenfalls Lust, mehr von euch zu lernen.

Liebe Grüße
Heike

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