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Geschrieben von marit am 25.08.2004, 19:06 Uhrzurück

Re: man muß aber auch nicht so tun, als ginge es mit 50 nur noch um den Lebensabend

Gegenrechnung:

Du schreibst:
"Wenn jemand ein Eigenheim baut, ist er "gut" weil
- er Arbeitsplätze schafft (Bauunternehmen, Zulieferer)"
-das macht der, der sein Geld in seine Bibliothek, Plattensammlung oder in Autos investiert auch, oder nicht? Von ihm leben Buchhandlungen, Plattenläden und die Autoindustrie.
"- er Steuern zahlt (Grunderwerbs-/Grundsteuer usw.)"
-Dafür zahlt der andere jede Menge Mehrwertsteuern und kann sich nix davon zurückerstatten lassen/absetzen

"- er Wohnraum schafft (auch für andere)" Wohnraum ist aber nur noch in wenigen Ballungsgebieten ein knappes gut, das sieht man ja, wenn man heutzutage ein Haus verkaufen will. Wohnraum schaffen ist doch nur dann angesagt, wenns einen Bedarf gibt.

"- er eine Form von individuellen Idealismus riskiert" Das tut der Weltenbummler ebenfalls, ebenso wie der Sammler.
"- er mehr investiert als er untern Strich dafür bekommt
usw." Naja, das ist ja seine persönliche Entscheidung. Wenn ihm das Gefühl "im eigenen Haus" zu Wohnen, diesen Mehrwert wert ist...Jemand, der sein Geld in z.B. einen Kulturfond investiert, trägt da ein höheres Risiko.

Ich gönne jedem sein Eigenheim, solange er sich das leisten kann - und wenn es schon zu 90% abgezahlt ist, würde jede Bank einer Kreditstundung wohl zustimmen. Ich sehe nur nach wie vor nicht ein, warum der Staat seinen Bürgern in irgendeiner Weise vorschreiben will, wie sie ihr Geld auszugeben haben. Ich würde es ja fast noch einsehen, wenn volkswirtschaftlich sinnvolles Verhalten belohnt und anderes Verhalten steuerlich bestraft würde - aber dem ist ja nicht so. Für mich handelt es sich bei dieser Bevorzugung von "immobiliengebundenem Vermögen" einfach um Nachkriegsideologie. Und das ist natürlich auch kulturgebunden. In Deutschland hat die Zerstörung vieler Städte dazu geführt, daß wie wild und superstabil gebaut wurde (was seinerzeit ja auch gut war), in erdbebengefährdeten Regionen in Asien baut man gerade nicht besonders stabil (es gibt viele Möbel aus Pappe, die nach ein paar Jahren ersetzt werden), damit man, wenns passiert nicht viel zu verlieren hat.
Ein Haus zu besitzen ist kein Wert an sich, sondern ein kultureller Topos. Und diese Ideologie gerät eben gerade ins Wanken. Das Aufbegehren dagegen kann man in Heimwerker-Soaps und Slogans wie "Unsere Kunden Bauen" bestaunen.

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