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Geschrieben von Moneypenny77* am 13.10.2005, 19:38 Uhrzurück

Re: Eine Frage, was ist für euch eine Ökomutti?

Also, insbesondere für Sina als Neumutti ;-), mal ein Schwank aus meiner weit entfernten Zeit (18 Monate seit heute) als blutige Anfängerin.

Als ich so vor mich hin brütete, war mir klar, daß ich ja als "bodenständige, intelligente und normale junge Frau" quasi gar nicht anders könne, als ohne großes zutun eine total perfekte Mutter zu sein. Nerven wie Drahtseile, super-kinderlieb, immer gern genommen als Babysitterin: was sollte mich da schon ins Wanken bringen? Entbinden? Was einer Kinderkram, daß haben selbst die dümmsten Luschi-Tiffys, die ich kenne geschafft, das mache ich mit links und koche entwerfe nebenher noch einen Anlagevorschlag für einen 3-Millionen-Kunden. Stillen? Hallo, was bitte soll daran schwer sein, einem Kind die Titte in den Mund zu schieben?

Ja, ja... Theorie und Praxis... Bis zu den Austreibungswehen (und bis dahin war es ein echtes Kinderspiel, ich war nach wie vor für einen dummen Spruch gut) war ich kontrolliert, souverän, die perfekte Gebärerin auf dem Weg zur perfekten Mutter. Meinem Mann entgleisten schier die Gesichtszüge, als ich mittendrin anfing zu heulen, schrie "Tackert alles da unten zu, ich brauchen noch 10 Jahre, um mich reif genug für ein Kind zu fühlen". Jegliche Selstsicherheit war dahin. Es wurde auch nicht besser. Stillen WAR nämlich ein Problem, denn ich war zwar in der Lage, meinem Sohn besagte "Titte" in den Mund zu schieben, aber er leider nicht, daran zu saugen. Damit gab ich mir den ersten Minuspunkt. Nach 4 Tagen zu Hause hatte ich abends ein schreiendes Kind, daß sich nicht von mir, sondern nur von seinem Vater beruhigen ließ. 5 Minuspunkte. Nach zwei Wochen hatte ich mehr Minuspunkte zusammen, als Katie Price und war mir sicher, daß ich die absolute Versagerin sei. Und dann sollte ich auch noch zum PEKiP, wo sicher nicht eine solche Nullnummer wie ich sitzen würde, denn schließlich kann ja niemand so unfähig als Mutter sein, wie ich.

Zum Glück saßen dort nur Unfähige. Die eine mehr, die andere weniger, die eine in der einen, die andere in der anderen Beziehung.

Ich habe aber nicht nur gelernt, daß man nicht perfekt sein kann und nicht sein muß und daß Ich als Mutter immer noch ein Mensch sein darf, sondern ich habe auch gelernt, mich eben nicht für die Schlauste zu halten, wenn bei mir was klappt und bei anderen nicht.

Wie ich schon schrieb, habe ich meinen Sohn nach 10 Tagen in sein Bett ausquartiert. Wir konnte einfach alle nicht schlafen. Mein Mann nicht, weil er wach wurde, wenn der Kleine Hunger hatte und ich nicht, weil ich bei jeder kleinsten Bewegung kerzengerade im Bett lag und das Licht anhaute, womit wir alle wach waren. Somit schliefen wir alle nicht. Unser Sohn war kerngesund, kein Frühchen, also mußten wir was tun. Oki, bei uns hat es funktioniert, Schlafen war nie ein großes Problem bei uns, und als es zu einem wurde, habe ich nach 2 Wochen Theater 3 Tage geferbert und es lief wieder.

Aber ich habe auch Mütter kennengelernt, bei denen die Kinder aus persönlichen Gründen lange im SchlaZi geschlafen haben und für die das auch kein Problem war. Und daraus habe ich gelernt, daß es bei schrecklich vielen Dingen kein "richtig" und "falsch" gibt, sondern daß Eltern und Kinder ein ganz eigener Kreislauf sind und jeder anders funktioniert. Ich habe gelernt, daß ich keine schlechte Mutter bin, weil ich Dinge anders mache, als eine "gute" Mutter, denn ich habe ein anderes Kind und bin ein anderer Mensch. Und ich habe gelernt, daß ich jeden Tag mit meiner Aufgabe wachsen muß, um als Mutter zu wachsen und mein Kind wachsen zu lassen.

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