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Geschrieben von marit am 14.02.2005, 14:40 Uhrzurück

Re: @vallie

meiner Mutter hat nie jemand versucht reinzureden. Sie ist selbst alles andere als psychisch stabil und hat viel von ihren eigenen Bedürfnissen auf uns übertragen; und zwar indem sie alles aufgeteilt hat. Ich sollte die große Vernünftige und Tüchtige sein, was bedeutete, daß ich schon mit 8 Jahren unangenehme Telefonate für sie zu erledigen hatte, alleine einkaufen ging, einen Großteil des Haushalts schmiss und eine Art Mediatorin zwischen meinem Vater und ihr war und meine Schwester wurden zur "kleinen zarten Bedürftigen" erklärt, die von vorne bis hinten betüdelt werden müßte. Sie konnte mit 8 Jahren noch nicht einmal eine halbe Stunde alleine zu hause bleiben. Diese Behandlung war natürlich für keine von uns besonders toll. Heute aber sehe ich, daß die psychischen Schäden bei meiner Schwester um ein Vielfaches größer sind als bei mir.Vor allem - und das sollte man nicht unterschätzen - ist meine Schwester nicht in der Lage, simple Alltagsanforderungen zu meistern (wie z.B. Rechnungen halbwegs rechtzeitig zu zahlen, einen Job länger durchzuhalten, ihren Haushalt in Ordnung zu halten). Immer hat sie das Gefühl, daß sich alles schon irgendwann von selbst erledigen wird - und seit das nicht mehr so ist, bekommt sie regelmäßig Heulkrämpfe und findet es eine absolute Zumutung, daß sie für ihr Leben nun selbst verantwortlich sein soll. Darum finde ich eine Überschwemmung von Nähe bei einem Kind viel gefährlicher als Vernächlässigung. Ein vernachlässigtes Kind hat immer die Chance, sich das, was ihm bei den Eltern fehlt, woanders zu holen, eine überversorgtes Kind weiß gar nicht, daß etwas nicht stimmt bzw. warum es so anders ist, als die anderen. Kürzlich hat man ja auch herausgefunden, daß die Kinder von depressiven Müttern sich oft erstaunlich gut entwickeln, viel besser als bei allen anderen psychischen Krankheiten. Und zwar deshalb, weil sie in der Regel sehr viele Freiheiten genießen, weil die Mütter nicht die Kraft haben, sich dauernd zu kümmern. Das wiederum sei für die kindliche Entwicklung wesentlich besser als ein dauernder emotionaler Elternkontakt, wie z.B. bei Suchtkranken, Co-Abhängigen, Zwangsneurotikern oder Angstpatienten.

Darum. noch einmal, finde ich, man sollte diesem Kind eine Chance geben, daß sich das zumindest mal ein Unbeteiligter ansieht. Wenn es sich dann als falscher Alarm herausstellt - umso besser-. Mein Gott, dann hat man sich halt als Patentante mal für ein paar Monate etwas unbeliebt gemacht - wäre das so eine Katastrophe?

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