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Geschrieben von marit am 26.01.2005, 12:59 Uhrzurück

Re: wieso war die FDP der Aufreger?

Hm,

also zunächst war der Aufreger sicher die Formulierung. "Die Falschen bekommen die Kinder" liegt eben sehr nah an nationalsozialistischen Eugenik-Diskursen, wo eine solche Ideologie immerhin zu Zwangssterilisationen führte.

Außerdem kann man aus der Tatsache, daß in Deutschland der Bildungshintergrund der Eltern mit dem Schulerfolg zusammenhängt auch ganz andere Schlüsse ziehen, die ich unten zu skizzieren versucht habe. Nicht, daß man es bestimmten Gruppierungen die Entscheidung zum Kind schwerer macht, sondern eher, daß man die Erziehung frühzeitiger aus dem Elternhaus auslagert. Natürlich hätten Kinder aus illiteraten Elternhäusern viel mehr Bildungschancen, wenn sie schon mit einem Jahr in eine Kita kämen, in denen vernünftig mit ihnen gearbeitet wird und sie all das lernen können, was sie zu hause leider nicht lernen. Unter anderem deshalb bin ich ja schon lange dafür, das Erziehungsgeld umzuverteilen und vor allem in die staatlich organisierte Tagesbetreuung zu stecken.

Ich halte im Übrigen sehr viel von dem Schmidt-Modell. Aber nicht vor dem Hintergrund, daß ein Kind mehr "wert" ist als ein anderes. Die "so viel ist ein Kind wert"-Frage wird ja gerade abgekoppelt von dieser Lohnersatzleistung. Beim Arbeitslosengeld gibt es ja auch ein Jahr lang unterschiedliche Beträge, da könnte man ja auch sagen "das auffer Couch sitzen des einen ist also mehr wert als das des anderen". So wird aber nicht argumentiert! Die Elternzeit-Nehmenden bekommen für ihren Arbeitsausfall einen Betrag, der es ihnen ermöglicht, durch das Kind weder eine massive Verbesserung noch eine massive Verschlechterung ihres Lebensstandards zu haben - und DAS wird mit Sicherheit a) dafür sorgen, daß Akademikerinnen mehr Kinder bekommen aber vor allem b) wäre das endlich ein Modell, das endlich auch Männern die Erziehungszeit schmackhaft macht. Langfristig würde das für weniger Diskriminierung am Arbeitsplatz sorgen.

Und mal ehrlich: schlechter (!) wäre dadurch niemand gestellt, der zuvor irgendeine Art Vollzeit-Arbeitsplatz hatte. Schlechter wären ausschließlich diejenigen gestellt, die auch zuvor gar nicht gearbeitet haben. Da finde ich es aber auch in Ordnung, denn das Erziehungsgeld war ja ohnhhin als Trostpflaster zur Arbeitsunterbrechung gedacht, und nicht dazu, den Lebensstandard sozialhilfeempfängern ein wenig anzuheben. Natürlich muß man sich um die Kinder von Sozialhilfeempfängern besser kümmern, aber das muß ja nicht über den Geldbeutel der Eltern laufen, sondern eben über Kitas mit gute, vollwertige Mahlzeiten und geregeltem Tagesrythmus.

Ich möchte hier aber doch noch etwas loswerden. ICh finde es etwas merkwürdig, wie häufig hier vom sozialen auf den Bildungsstatus geschlossen wird. Gerade in vielen Migrantenhaushalten wird großen Wert auf Bildung gelegt, selbst dann, wenn die Eltern nicht einmal lesen können. Auch landen ja bisher viele Akademikermütter, gerade wenn sie alleinerziehend sind, durch die jetzige Praxis automatisch in der Sozialhilfe. Ich komme im übrigen ebenso aus einem Elternhaus, wo mir niemand bei den Hausaufgaben helfen konnte. Deshalb war mein Weg noch lange nicht vorgezeichnet. Wo die Eltern als Bildungsinstanzen ausfallen, muß er dem Staat einfach gelingen, für Ersatz zu sorgen - da können wir noch viel von anderen Ländern lernen.

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