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Beitrag aus dem Forum Rund ums Kleinkind

Verzweifelt wegen Essweigerung bei 13 Monate alten Kind

Frage von RafysMama1981 - 16.02.2020

Ich habe im Januar 2019 Zwillinge bekommen und der ältere isst normal und wiegt knapp 10 kg und der jüngere, um den es hier geht, wiegt 2 kg weniger und verweigert die Nahrungsaufnahme.
Wir haben mit 6 Monaten den Brei problemlos eingeführt. Auch der Kleine aß alle möglichen Nahrungsmittel. Mit 8 Monaten wurde das feste Essen allmählich weniger und immer mehr Milch gefordert. Dann kam die Hand-Fuss-Mund-Krankheit und ab da wollte der Kleine nur noch Milch. Es erfolgte die Rücksprache mit unserem Kinderarzt und wir sollten geduldig sein. Allmählich konnten wir wieder Joghurt, Quark und Pudding einführen, aber nix festes. Nach erneuter Rücksprache mit unserem Kinderarzt stellten wir von Pre auf Folgemilch 2 um. Bei fortschreitender Gewichts- und sonstiger Entwicklung sollten wir weiter geduldig bleiben. Wir schaffen ein stressfreies Essklima und bieten dem Kleinen alles an, ohne ihn zu zwingen, aber er ist nicht zu motivieren. Nun haben wir die 2. Erkältung hinter uns und der Kleine nöchte wieder nur Milch. Bin total verzweifelt darüber und weiß nicht, wie lange wir mit der Milch weitermachen können, ohne dass der Kleine einen Schaden davon trägt, dass er nix Festes isst...
Wäre um jeden Rat dankbar...

Re: Verzweifelt wegen Essweigerung bei 13 Monate alten Kind

Antwort von Lillimax - 16.02.2020

Ich würde hier nicht verzweifeln. Bei den sog. Naturvölkern ist es üblich, dass die Kinder im ersten Lebensjahr hauptsächlich (Mutter)Milch trinken und nur wenig Nahrung nebenbei. Und Dein Sohn ist ja erst gut ein Jahr alt, da geht das alles noch.

Ich würde vor der Milchmahlzeit, aber auch vor anderen Getränken immer zuerst einen Löffel Brei anbieten. Er darf nicht schon halbsatt sein, wenn er eine gewisse Experimentierfreude beim Essen entwickeln soll. Und wenn er einen Löffel nimmt, darfst Du nicht den Fehler machen, noch weitere Löffel hinterherschieben zu wollen, oder ihn zum Essen zu drängen. Dann wird die Sache zum Machtkampf, was in diesem Alter (Autonomie-Bestrebungen des Kindes) schnell passiert.

Wichtig ist auch: null Zwischenmahlzeiten, nichts. Nur Wasser gegen den Durst (ist das beste Getränk für Kleinkinder). Nur ein Kleinkind, das zu den Mahlzeiten richtig Kohldampf hat, ist bereit, Neues zu probieren und zu mögen. Und zwar zuerst in winzigsten Mengen, ein Teelöffel reicht für die ersten Tage. Du kannst einen Obstbrei wählen, der ist schön süß und öffnet die seelischen Türen. Auch ein Löffel Pastinaken- oder Kürbis- oder Möhrenbrei (alle recht süß, daher gut für Anfänger geeignet) reicht anfangs schon.

Im Laufe der Wochen kann man dann die Menge steigern. Du kannst auch einen Teelöffel Breipulver oder sogar einen Teelöffel Obstgläschen in die Milch einrühren. Wenn er richtig Hunger hat, wird er sich das auch wegzischen und gewöhnt sich gleichzeitig an neue Geschmäcker.

Damit Du Dir weniger Sorgen machst, kannst Du in der Apotheke Ferro-Sanol-Eisentropfen kaufen und Deinem Sohn täglich drei Tropfen auf einen Löffel mit Milch geben. So bekommt er genug Eisen, das für seine Hirnentwicklung wichtig ist (Eisen ist für die Bildung roter Blutkörperchen erforderlich, und die sind für den Sauerstoff-Transport ins Gehirn nötig). So musst Du keine Angst haben und kannst innerlich den Druck rausnehmen.

LG

Re: Verzweifelt wegen Essweigerung bei 13 Monate alten Kind

Antwort von RafysMama1981 - 16.02.2020

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
Werde die Ratschläge befolgen und hoffe, dass sich das Essverhalten meines Kleinen mal irgendwann bessert... Von unserem großen, 4.5 Jahre alten Sohn kennen wir das Auf und Ab des Essens, aber solche Probleme wie aktuell hatten wir damals nicht...
Liebe Grüße

Re: Verzweifelt wegen Essweigerung bei 13 Monate alten Kind

Antwort von Miraculus - 16.02.2020

Na,das klingt aber nicht so als gäbe es bei euch keinen Druck...

Ich mag keine pauschalen Ratschläge a la Das Kind soll zu den Mahlzeiten total hungrig sein. Nur so isst es ordentlich und anständig. Deshalb ist darauf peinlichst zu verzichten, zwischen den Mahlzeiten Nahrung zu geben.

Also, das funktioniert definitiv nicht als Allgemeinempfehlung. Es gibt Kinder, die essen eher kleinere Portionen, dafür mehrere. Und denen tut man keinen Gefallen, wenn sie in der Absicht hungern müsse, dass sie dann zu den \"offiziellen\" Mahlzeiten ordentlich und abwechslungsreich zuschlagen. Das funktioniert so nicht. Die essen nämlich dann trotzdem die kleinere Menge zu den Hauptmahlzeiten. Und sie probieren auch nicht zwangsläufig was neues.
Das macht es im Zweifelsfall eher schlimmer und es entbrennt ein Machtkampf.

Mein ältestes Kind hat Beikost bis zum Alter von 2 Jahren auch wörtlich genommen. Sie hat überwiegend gestillt und eher wenig feste Nahrung zu sich nehmen wollen. Mein Kind musste nicht essen, wenn es nicht wollte. Ich hab es auch nicht gezwungen vorm Stillen fix \"was richtiges\" (wie es auch noch so schön heißt) zu essen.
Die Angst, dass kleine Kinder verhungern, weil sie auch im 2.LJ lieber Milch trinken als feste Nahrung zu sich zu nehmen, ist eine seltsame Eigenheit unseres Kulturkreises.
Kein gesundes Kind verhungert vorm vollen Tisch.
Und viele Nahrungsmittel, die kleine Kinder so essen sollen, haben übrigens weniger kcal als Pre/Muttermilch. Und ihr habt schon die zweifelhafte Folge ich 2.
Lass dem Kind seine Milch. Das nimmt wirklich und echt keinen Schaden. Vor allem dann, wenn es krank ist, ist Milch doch viel besser als Brot, Kartoffeln oder Brokkoli.

Ich wollte dir noch empfehlen hochkalorische Beikost zu geben. Also eine extraportion Fett unterrühren, also großzügig mit Butter, Öl, Mandelmus etc zu sein, Avokado zum essen zu geben. Vor allem, wenn er im Gewicht absackt. Aber ihr füttert ja schon mit Folge ich 2.
Und auch von dem strengen Essen nach Plan abweichen und eben auch unterwegs und zwischendurch anbieten. Vielleicht mag dein Kind ja lieber auf dem Spaziergang was \"Kleines\" auf die Hand essen? Und sei es nur mal dran knabbern?
Und nein, entgegen der weitläufigen Meinung trainiert man seinem Kind damit keine schlechten Essgewohnheiten an. Die haben lange Zeit sich an das Leben anzupassen.

Re: Verzweifelt wegen Essweigerung bei 13 Monate alten Kind

Antwort von uriah - 17.02.2020

Er hatte Hand-Mund-Fuß und hat die Erfahrung gemacht, dass Essen schmerzhaft sein kann. Das kenn ich auch von einem ähnlichen Fall. Das Mädchen hatte wegen einer Erkrankung sehr schmerzhafte Bläschen im Mund und sie hat noch im Kindergartenalter (3-5) kaum essen wollen. Aber das war ein krasser Fall. So schlimm muss es mit deinem Sohn nicht kommen.

Ich finde die Tipps sehr gut, die du bekommen hast.

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