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Geschrieben von dr.snuggles am 08.03.2010, 10:21 Uhr zurück

doku über ads-kids: almprojekt mit pro hüther

Zappelphilipp auf der Alm: ZDF-Dokumentation über ADS-Kinder und einen ungewöhnlichen therapeutischen Versuch Sie gelten als Zappelphilipp und Störenfried, fallen in Kindergarten und Schule durch Unruhe, Konzentrationsschwäche und Aggressivität auf: Kinder, die am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, kurz: ADS, leiden. Sie werden immer nur durch ihre Defizite definiert, erleben viele Frustrationen und werden häufig mit dem umstrittenen Medikament Ritalin behandelt. Dass es auch anders geht, zeigt die 45-minütige Dokumentation "Wo die starken Kerle wohnen", die das ZDF am Dienstag, 9. März 2010, 22.15 Uhr, in seiner Reihe "37°" ausstrahlt. Die Autoren Katharina Gugel und Ulf Eberle haben mit der Kamera ein zweimonatiges Experiment begleitet, bei dem ADS-Kinder auf einer 2400 Meter hoch gelegenen Alm in Südtirol ohne ihre Eltern einen neuen Anfang suchen.

Die Organisatoren des Alm-Projekts um den Hirnforscher Professor Gerald Hüther wagen einen ambitionierten Versuch: Sie setzen die Tabletten ab und hoffen, dass die Erfahrungen auf der Alm den Kindern helfen werden, auch danach selbstbestimmt und ohne Medikamente in ihren Familien leben zu können. Ganz nahe an der Natur, ohne Playstation, Handy und Medikamente sollen der neunjährige Adrian und zehn andere Jungs eine neue Selbsterfahrung machen. Sie melken Kühe, hacken Holz, sammeln Kuhfladen, angeln Fische - und können sich tatsächlich in neuen Räumen und Beziehungen ausprobieren. Schon nach wenigen Wochen sind die Kinder viel ruhiger geworden, übernehmen selbstständig Aufgaben, ordnen sich in die Gruppe ein - alles Dinge, die selbst ihre Eltern nicht für möglich hielten.

Der Film führt nicht die Diskussion, ob ADS genetisch bedingt oder "anerzogen" ist. Er zeigt aber, dass in unserer Gesellschaft abweichendes Verhalten schon bei Kindern sanktioniert wird; wer nicht funktioniert, scheitert. Nach Auffassung von Professor Hüther haben Kinder in unserer Gesellschaft viel zu wenig Raum, sich zu entfalten und auszuprobieren. Er bestärkt die Eltern darin, stolz auf ihre Kinder zu sein, die starke, kreative Persönlichkeiten seien - für viele Eltern ist es das erste Mal, dass sie etwas Positives über ihr Kind gesagt bekommen.

Der Film begleitet die Kinder auch nach der Rückkehr in ihr normales Leben. Wie lange sie in den alten Strukturen ihr neu gewonnenes Selbstbewusstsein aufrechterhalten können und ob sie die Medikamente weiterhin weglassen, inwieweit also das Alm-Experiment Langzeitwirkung entfaltet, bleibt offen. Doch eines zeigt der "37°"-Film sehr deutlich: Es könnte auch ganz anders sein...

Direkt im Anschluss, um 23.00 Uhr, wird das Thema auch bei "Markus Lanz" aufgegriffen. Neben Adrian und seiner Mutter sind auch Professor Hüther und andere Experten zum Thema ADHS zu Gast.

 

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