... kann es sein, dass statt des einen, erwarteten Babys gleich zwei,
drei, vier - oder noch mehr ihren ersten Schrei auf dieser Welt tun. Wenn dann
Papi aus seiner Ohnmacht wieder erwacht ist und auch Mami die Klinik
wieder verlassen hat - kommt daheim Leben in die Bude. Aber wie kommt es zu Mehrlingsgeburten?
Die Tendenz ist steigend: Inzwischen bekommt heute schon etwa jede 50.
werdende Mutter Mehrlinge. Hinter diesem Anstieg sieht die Statistik vor
allem zwei Gründe. Einer davon ist die steigende Zahl der künstlichen
Befruchtungen - der sogenannten "In-Vitro-Fertilisation". Hier sind es
zum einen relativ hohe Hormongaben, die die Fruchtbarkeit stimulieren
sollen und dabei schon mal über ihr Ziel hinausschießen. Zum anderen ist
es bei der künstlichen Befruchtung üblich, zunächst mehrere Eisprünge
zum selben Zeitpunkt auszulösen, um nach der Befruchtung im Reagenzglas
drei bis vier der Embryonen wieder zurück in die Gebärmutter zu geben.
Der Sinn ist, dadurch die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Schwangerschaft
zu erhöhen; die "Gefahr" besteht darin, dass sich eben nicht nur eines
der Babys zum Bleiben entscheidet - sondern vielleicht zwei oder sogar
alle drei - oder vier. Von den Frauen, die sich zu einer In-Vitro-Fertilisation
entschließen, wird rund ein Fünftel tatsächlich schwanger - von diesem
Fünftel bekommt statistisch jede vierte Frau Mehrlinge.
Als einen zweiten Grund für das Ansteigen der Mehrlingsgeburten sieht
man die Tatsache an, dass heute Frauen über 35 häufiger schwanger werden,
als früher. Soviel fand man heraus: je älter die schwangere Frau ist -
desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zweieiige Zwillinge
bekommen wird. Interessanterweise spielt dagegen das Alter für die Wahrscheinlichkeit,
eineiige Zwillinge zu bekommen, keine Rolle. Für Mehrlingsschwangerschaften
machen manche Forscher grundsätzlich hormonelle Prozesse verantwortlich
- andere vermuten z.B. als Ursache für eineiige Zwillingen eher einen
nicht mehr optimal gesteuerten Reifungsansatz der Keimzelle selbst.
Für die immer wieder auftauchende Vermutung, dass die hormonelle Umstellung
"in den Normalzustand" nach dem Absetzen der Pille die Empfängnis von
Mehrlingen begünstigt, gibt es keine statistischen Anhaltspunkte. Auch
was die Hormone zu ihrem Treiben bewegen könnte, fand man bisher nicht
heraus. So kommt in Mittelafrika auf alle 20 Geburten eine Mehrlingsgeburt,
in Mitteleuropa eine auf 60, im hohen Norwegen gerade mal noch eine auf
90. Unter den Eskimos sind Zwillinge eine echte Ausnahme - allerdings
auch unter den Nomaden der heißen Wüstenzonen. Im paradiesischen Südfrankreich
dagegen gibt es ein Dorf, das mit Mehrlingen ganz besonders reich gesegnet
ist - hier soll die Fruchtbarkeit direkt aus einer kleiner Quelle sprudeln,
von der Frau nur zu trinken braucht, wenn`s ihr in den eigenen Wänden
zu ruhig ist. Das Dorf heißt Chatilly und gilt als außerordentlich lebhaft.
Was bedeutet "eineiig" bzw. "zweieiig" bei Zwillingen?
Etwa eins von vier Zwillingspaaren ist ein sogenanntes "Eineiiges".
Ob es zu eineiigen Zwillingen kommt, entscheidet sich innerhalb
der ersten 14 Tagen nach der Befruchtung einer Eizelle. Das ist der
Fall, wenn sich von der ursprünglichen Eizelle um den achten Tag herum
eine zweite Keimzelle abspaltet, die sich dann gemeinsam mit der ersten
in der Gebärmutter einrichtet.
Finden sie dort ihren Platz sehr eng beieinander, entwickeln sie manchmal
eine gemeinsame Fruchtwasserhülle, worin in aller Regel auch ihre beiden
Mutterkuchen zu einem einzigen zusammenwachsen. Dieser wird dann während
der weiteren Schwangerschaft beide Babys versorgen. Verläuft die Entwicklung
dabei so, dass es zu einer Verbindung der beiden kindlichen Blutkreisläufe
kommt, wird der Arzt durch regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen prüfen,
ob beide Babys über das Blut ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen
versorgt werden. In den allermeisten Fällen sind die den Babys zufließenden
Blutmengen unterschiedlich groß, wobei das ein wenig "unterversorgte"
aber nicht zwangsläufig besorgniserregend zurückbleiben muss.
Eineiige Zwillinge ähneln sich stark und haben grundsätzlich das gleiche
Geschlecht und die gleiche Blutgruppe. Da sie bei der Spaltung der Keimzelle
beide den gleichen Chromosomensatz mit auf den Lebensweg bekommen haben,
spricht man von einer "Erbgleichheit". Neben körperlichen Gemeinsamkeiten
werden sie auch eine ähnliche Psyche entwickeln und - soweit ihre Lebensumstände
in etwa die gleichen sind - ganz ähnliche Persönlichkeiten und Verhaltensmuster
hervorbringen.
Zweieiiges Zwillingspaar
Ein zweieiiges Zwillingspaar ist im Grunde genommen ein ganz
normales Geschwisterpaar - ihre Eizellen, die sich entweder von ein-
und demselben, oder aus beiden Eierstöcken auf den Weg zur Gebärmutter
gemacht haben, wurden von jeweils einer anderen Samenzelle befruchtet
und entwickeln sich von nun an parallel zueinander weiter. Von einem
normalen Geschwisterpaar unterscheiden sie sich eigentlich nur dadurch,
dass sie zum selben Zeitpunkt gezeugt wurden.
In der Gebärmutter entwickeln sie voneinander unabhängige Mutterkuchen
und Fruchthüllen, durchlaufen die Schwangerschaft also mit zwei getrennten
"Anschlüssen" an die Mutter. Drei von vier Zwillingspaaren sind zweieiig.
Ob eineiig oder zweieiig - Zwillinge wiegen nach der Geburt immer weniger
als Einzelkinder, wobei das Zweitgeborene meist noch leichter ist, als
das Erstgeborene. Auch kommen Zwillinge häufiger früher zur Welt, als
andere Babys - rund 60 % von ihnen kommen im Schnitt vier Wochen vor dem
errechneten Termin. Drillinge und Vierlinge können es noch weniger erwarten.
Dank des medizinischen Fortschritts ist heute ein Kaiserschnitt nicht
mehr zwingend erforderlich - vorausgesetzt, sie müssen nicht vor der 33.
Woche ans Licht der Welt geholt werden. Denn bis zu dieser Zeit sind sie
für eine normale Geburt noch nicht kräftig genug. Wenn sie sich jedoch
den Weg versperren, gemeinsam in Steißlage liegen oder eines der Babys
unter einem Sauerstoffmangel zu leiden beginnt, wird der Kaiserschnitt
unumgänglich.
Für die Mütter ist eine Mehrlingsschwangerschaft eine anstrengende Angelegenheit.
So treten die typischen Beschwerden wie Übelkeit, Probleme mit dem Kreislauf
und der Verdauung etc. meistens stärker auf. Auch sind Schwangerschaftsstreifen
schwerer zu vermeiden, als bei einer "normalen" Schwangerschaft, da sich
der Bauch natürlich mehr rundet. In ihrem Buch "Zwillinge" gibt Marion
Gratkowski augenzwinkernd den Tipp: "... schneiden Sie sich die Fußnägel
lieber beizeiten noch einmal. Es können Wochen kommen, da sehen Sie Ihre
Füße nicht mehr!"