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Der Einfluss der Gene
Eine Eizelle wird befruchtet - eine Schwangerschaft entsteht. Der Beginn neuen Lebens - und der Moment der Vererbung. So alt wie das
Leben selbst ist dieser Vorgang. Die Evolution will ihr Bestes weitergeben
... das, was sich auf dieser Welt bewährt hat. Vererbt werden Chromosomen
und Gene. Sie stellen das ganze Potential, mit dem der werdende Mensch
nun ausgerüstet wird, um in der Welt in die hinein er geboren wird,
physisch und psychisch bestehen zu können. Körpergröße, Verhalten
und spätere Entwicklung werden zu einem gewissen Teil schon in diesem
Augenblick festgelegt. |
Chromosomen
sind die Doppelstränge der DNS
(Desoxyribonukleinsäure) in den Zellkernen. Die DNS besteht aus schleifenförmig
gewundenen Strängen, die durch Paare chemischer Einzelbausteine miteinander
verbunden sind, ganz ähnlich den Sprossen einer Leiter - in diesem Fall
einer spiralförmig gewundenen Leiter.
Alle menschlichen Körperzellen - bis auf die Samen- und Eizellen ( !
) - haben 46 Chromosomen (23 Paare) mit dem darin enthaltenen Erbgut.
Vor jeder Zellteilung verdoppeln sich diese, sodass im Zuge der Teilung
jede Zelle einen kompletten, identischen Satz an Informationen erhält.
Im Gegensatz zu den normalen Körperzellen haben Samen- und Eizellen nur
halb so viele Chromosomen - nämlich 23. Bei der Vereinigung der Keimzellen
bilden sie zusammen 23 neue Paare, um so auf jene insgesamt 46 zu kommen,
die später in jeder einzelnen Zelle des Babys zu finden sein werden.
Gene
sind einzelne Abschnitte der DNS-Leiter.
Sie liefern die einzelnen Anweisungen für die Entwicklung, bestimmen die
späteren physischen Merkmale - und sogar einige psychische Eigenschaften.
Ein Baby, das zur Welt kommt, besitzt in jeder einzelnen Körperzelle
zwischen 30.000 und 100.000 Gene. Darunter gibt es solche, die ganz allein
ein Merkmal bestimmen - wie es zum Beispiel bei der Augenfarbe der Fall
ist - andere Merkmale, wie etwa die Körpergröße, die einmal erreicht werden
soll, steuern mehrere Gene gemeinsam.
Noch komplexere Bereiche, wie die Anlage des Gehirns, der Intelligenz
und der Emotionalität, werden durch ganze Gruppen von Genen "im Team"
gesteuert. Die gesamte Entwicklung - in der Schwangerschaft und nach der
Geburt - wird nach einem exakten Zeitplan ablaufen, den die neu gebildeten
Chromosomenpaare schon erstellt haben, wenn sich die Eizelle zum ersten
Mal teilt - noch bevor eine Schwangerschaft eingetreten ist.
Interessant ist der Umstand, dass der werdende Mensch im Laufe seines
kommenden Lebens nur von etwa 10 % dieser Gene "Gebrauch" machen wird.
Der ganze Rest ist eine Zugabe der Natur - eine Art "Überlebenspaket"
- das zur Verfügung steht. Es ist ein stets abrufbereites Potential, das
den Menschen in die Lage versetzen soll, sich seiner Umwelt anzupassen
- sollte sich diese im Verlauf seines Lebens signifikant verändern.
In diesem Fall wird er neue Gene nutzen, die er an die nächste Generation
weitergibt, damit diese schon von Anfang an auf die veränderte Umwelt
vorbereitet ist.
Auch Babys sind schon vorbereitet
Und weitaus besser, als man für gewöhnlich annimmt ! Früher dachte man,
dass ein Baby, das nach einer Schwangerschaft zur Welt kommt, für die
Auseinandersetzung mit seiner Umwelt noch in keiner Weise gerüstet ist.
Der Verhaltensforscher James schrieb 1890:
"... das Kleine wird so bestürmt durch Augen, Ohren, Nase, Haut und innere
Organe zugleich, dass es die Welt erfährt als eine einzige blühende und
summende Verwirrung ..."
Heute weiß man mehr
"Babys verfügen von Anfang an über beachtliche Kenntnisse und verstehen
es, viele ihrer Sinne zur Aufnahme von Informationen gleich einzusetzen.
Man könnte sich vorstellen, dass sie wie "freundliche Computer" vorprogrammiert,
gut darauf eingestellt sind, auf die Erwachsenen zu reagieren, die für
sie sorgen - und dass sie mit ihrer Umwelt in Interaktion treten - und
sie beeinflussen können." Aus Zimbardo: Psychologie.
Bereits kurz nach der Geburt ist ein Baby schon fähig, mit einer ganzen
Reihe von angeborenen Verhaltensmustern zu antworten. So macht es z.B.
Krabbelbewegungen, wenn man es der Mutter auf den Bauch legt - es dreht
den Kopf nach allem, was seine Wange berührt und versucht, daran zu saugen.
Ein Neugeborenes ist schon nach der ersten Stunde in der Lage, zu seiner
Umwelt Kontakt zu suchen, ihn aufzunehmen und aus gemachten Erfahrungen
zu lernen.
Ebenfalls schon bald werden die ersten, genetisch zu einem gewissen Teil
vorbestimmten Eigenschaften sichtbar. Manche Babys reagieren aufmerksamer
auf ihre Umwelt, als andere. Manche strotzen vor Temperament und Energie,
andere wiederum scheinen eher ein ruhiges Gemüt zu besitzen und die Dinge
gelassener anzugehen. Es leuchtet ein, dass solche z.T. vorbestimmten
Anlagen während der weiteren Entwicklung einen gewissen Einfluss darauf
haben werden, wie der junge Mensch mit seiner Umwelt in Kontakt treten
wird, welche Erfahrungen er machen wird - und welche Schlüsse er daraus
ziehen wird. Letzteres wird wiederum sein weiteres Verhalten, seine weitere
Entwicklung mehr oder weniger beeinflussen.
Noch ist es jedoch möglich, dass Erfahrung die weitere Entwicklung der
konstitutionellen Faktoren ( u.a. Psyche, Emotion, Temperament ) mitbestimmt.
In welchem Umfang ist nun Entwicklung und Verhalten genetisch festgelegt - und in welchem Maße nimmt die Umwelt Einfluss?
Das Erbe - davon geht man heute aus - legt zunächst einmal die oberen
Grenzen fest. Die Genetik bestimmt mit großer Wahrscheinlichkeit, wie
groß z.B. jemand werden kann - oder auch welche geistigen Fähigkeiten
er - oder sie - entwickeln kann. Letztlich jedoch sind es dann Umwelteinflüsse
die mitbestimmen, wie nahe man schließlich an seine Grenzen herankommt.
So kann z.B. die Ernährung eine Auswirkung auf die Größe haben - Motivationen
und Förderungen, sowie die Chancen, die sich im Laufe eines Lebens bieten
oder nicht, haben sicher einen Einfluss auf die geistige Entwicklung.
Dies sind die 23 Chromosomenpaare, mit denen jedes normal-gesunde Baby
geboren wird. 22 dieser Paare bestehen sowohl bei männlichen wie auch bei weiblichen
Babys aus zwei gleichen Chromosomen. Durch das 23. Paar wird das Geschlecht
des Kindes bestimmt. Weibliche Babys haben 2 X-Chromosome im 23. Paar
- männliche Babys haben ein X-Chromosom und ein etwas kleineres Y-Chromosom.
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