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Schwangerschaftsdiabetes - oft unerkannt

Schwangerschaftsdiabetes - oft unerkannt

Bleibt ein Schwangerschaftsdiabetes unentdeckt, kann es passieren, dass ein Baby die Geburtshelfer und die werdende Mama mit seiner Größe und seinem Gewicht überrascht - das Kleine bringt etwas mehr auf die Waage.

Fast jede Schwangere bekommt sie von älteren Verwandten zu hören: Die Geschichte von der Tante, Nachbarin, Freundin, die ein besonders properes Baby hatte. "Über acht Pfund!" heißt es dann voller Staunen. Natürlich kommt es vor, dass Babys einfach recht groß sind. Etwa, weil beide Eltern hoch gewachsen sind. Mitunter ist der wahre Grund für ein auffallend großes Baby jedoch ernsterer Natur: eine unentdeckte Zuckererkrankung in der Schwangerschaft (Gestationsdiabetes). Experten schätzen, dass rund jede 20. Schwangere davon betroffen ist.

Der Stoffwechsel gerät aus dem Tritt

Diabetes mellitus ist eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels (Zuckerstoffwechsel): Das Hormon Insulin ist dafür zuständig, dass Zucker (Glukose) in die Körperzellen eingebaut wird. Bei einer Diabeteserkrankung funktioniert das nicht oder nicht richtig. Entweder, weil das In-sulin völlig fehlt (Typ-1-Diabetes) oder weil es nicht richtig wirken kann (Typ-2-Diabetes).

Als Gestationsdiabetes bezeichnen Ärzte eine Zuckererkrankung, die erstmals in der Schwangerschaft auftritt. Sie wird typischerweise zwischen 24. und 28. Schwangerschaftswoche entdeckt. Als Auslöser gilt die veränderte Empfindlichkeit des Körpers gegenüber Insulin, die sich in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft entwickelt: Die zunehmende Ausschüttung von Schwangerschaftshormonen macht den Stoffwechsel gegenüber Insulin unempfindlicher. Daher bildet der Körper einer werdenden Mutter in dieser Zeit normalerweise zwei- bis dreimal soviel Insulin wie sonst. Probleme treten auf, wenn die erhöhte Insulinausschüttung ausbleibt. Mediziner sprechen dann von einer "gestörten Glukosetoleranz" des mütterlichen Organismus.

Als mögliche Faktoren für ein erhöhtes Diabetesrisiko in der Schwangerschaft gelten etwa:

  • deutliches Übergewicht
  • Diabetes bei den leiblichen Eltern oder Geschwistern der Frau
  • ein Gestationsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft
  • frühere Babys mit einem Geburtsgewicht über 4.500 Gramm

Rechtzeitig entdeckt, lässt sich ein Schwangerschaftsdiabetes behandeln

Die meisten betroffenen Frauen merken gar nicht, dass sie einen Gestationsdiabetes haben. Den Ärzten liegt jedoch viel daran, eine Schwangerschaftsdiabetes zu erkennen, da der gestörte Zuckerhaushalt unentdeckt und unbehandelt der werdenden Mutter und dem Kind schaden kann. Der gestörte mütterliche Zuckerstoffwechsel beeinflusst auch den des Babys. Es erhält zu viele Kohlenhydrate, das regt seine Insulinproduktion an. Das Kind wandelt das Plus an Zucker in Fett um, legt an Gewicht und Größe zu viel zu. Damit wächst die Gefahr von Komplikationen bei der Geburt.

Obwohl die Babys rapide an Größe zulegen, kann sich ihre Leber- und Lungenreifung verzögern. Dadurch steigt das Risiko einer Neugeborenengelbsucht oder eines Atemnotsyndroms nach der Geburt. Die vermehrte Produktion von Insulin kann den Stoffwechsel des Kindes regelrecht "umprogrammieren": Die Wahrscheinlichkeit ist erhöht, als Jugendliche(r) Übergewicht/eine Glukosetoleranzstörung oder im späteren Leben Diabetes zu entwickeln. Zwar verschwindet ein Gestationsdiabetes nach der Geburt des Babys normalerweise wieder. Dennoch ist es auch bei der Mutter wahrscheinlicher, dass sie später einen Diabetes entwickelt. Daher ist es wichtig, den eigenen Lebensstil nach der Schwangerschaft so zu gestalten, dass er das Diabetes-Risiko senkt.

Diese Tests bringen Ärzte auf die richtige Spur

Schritt eins: Liegt ein erhöhtes Risiko vor? Sobald die Schwangerschaft feststeht, wird Ihre Frauenärztin/Ihr Frauenarzt auch klären, ob bei Ihnen ein erhöhtes Diabetes-Risiko besteht. Ist das der Fall, wird etwas Blut aus der Armvene entnommen, um den Blutzucker zu messen. Sollte der Wert zu hoch sein, wird die Messung eventuell an einem anderen Tag wiederholt. Ist der Blutzuckerwert zu hoch, wird Ihr Arzt Sie vermutlich an eine Facharztpraxis überweisen.

Schritt zwei: der Such- oder Vortest in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche. Er wird allen werdenden Müttern empfohlen und von der Krankenkasse bezahlt. Sie brauchen für diesen Test nicht nüchtern zu sein. In der Praxis trinken Sie einfach eine kleinere Menge Traubenzuckerlösung (Glukoselösung), nach einer Stunde wird etwas Blut aus einer Armvene entnommen. Nur, falls Ihr Blutzuckerwert zu hoch ist, folgt innerhalb der nächsten Tage Schritt drei, der eigentliche Belastungstest.

Schritt drei: der "Zuckerbelastungstest" (oraler Glukosetoleranztest). Die Krankenkasse trägt die Kosten, wenn die Ergebnisse des Vortests diesen Diagnosetest erforderlich machen. Der Zuckerbelastungstest ist etwas aufwändiger. Sie dürfen ab 22:00 Uhr am Vortag nichts mehr essen, auch nichts Kalorienhaltiges trinken, denn bei der Blutabnahme sollten Sie nüchtern sein. Gleich am Morgen erfolgt die erste Blutabnahme zur Blutzuckerbestimmung. Nach dem Trinken einer Traubenzuckerlösung (Glukoselösung) folgen nach einer und nach zwei Stunden weitere Blutentnahmen. Das Blut wird jeweils aus der Armvene entnommen, die Analyse erfolgt in der Praxis oder in einem Labor. So erfahren Sie das Ergebnis noch am gleichen, spätestens am nächsten Tag.

Oft ist die Therapie recht einfach

Häufig genügt es, die Ernährung umzustellen, den Blutzucker regelmäßig selbst zu kontrollieren und die Werte in ein Tagebuch einzutragen. Üblicherweise erhalten die betroffenen Frauen dazu eine Beratung/Schulung bei einer Ernährungsberaterin und einem Facharzt (Diabetologen). Vermutlich wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt Sie an eine Fachpraxis überweisen, die Sie ergänzend zur frauenärztlichen Praxis durch die Schwangerschaft begleitet. Manchmal benötigen werdende Mütter mit einem Schwangerschaftsdiabetes auch eine Insulintherapie, um den Stoffwechsel zu normalisieren. Nach der Geburt normalisieren sich bei den meisten Frauen die Blutzuckerwerte wieder. Ihr Arzt wird das anfangs regelmäßig kontrollieren.

Tipp: Auch bei einem behandelten Gestationsdiabetes kann es im Einzelfall sein, dass das Neugeborene Anpassungsschwierigkeiten hat. Daher raten Ärzte Frauen mit einem Gestationsdiabtes dazu, in eine Geburtsklinik mit angeschlossener Kinderklinik zu gehen. Am besten besprechen Sie das rechtzeitig mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.

von Anne Malburg

Zuletzt überarbeitet: August 2016

   

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