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Geschrieben von sasu am 24.05.2003, 20:07 Uhrzurück

und so sieht die harte realitaet der "befreiung" aus: Opfer des Krieges: "Amerikaner sind schlimmer als Saddam" ...mt

Opfer des Krieges: "Amerikaner sind schlimmer als Saddam"
24.05.2003
Anthony Browne
http://www.timesonline.co.uk/article/0,,5944-689414,00.html

Die kleinen, dunklen Zellen mit Steinfußböden, winzigen Fenstern und Eisenstangen als Türen beherbergten früher Kriminelle und die Opfer des Regimes von Saddam Hussein. Jetzt ist das Khan Bani Saad Gefängnis, von Wachttürmen beobachtet und mit Stacheldraht umringt, mit Menschen gefüllt, die Opfer sind. Nicht des Krieges, sondern des Friedens.

Sabrir Hassan Ismael, Mutter von sechs Kindern, hielt ihre drei Jahre alte Tochter Zahraa, als sie in der Zelle, die jetzt ihr Wohn- und Schlafzimmer ist, weinte: "Sehen Sie mich an; sehen Sie meine Familie an. Wir leben im Gefängnis. Wir können uns kein Essen kaufen, weil wir kein Geld haben. Wir haben kein Gas, um zu kochen."

"Wir können nicht schlafen, weil es so heiß ist. Große Insekten stechen uns. Meine Töchter weinen jede Nacht und können nicht schlafen. Ich lebe ohne jede Hoffnung. Sehen Sie uns nur an."

Draußen spielen Kinder in den eingetrockneten Pfützen, dem wehenden Staub und der sengenden Hitze des Gefängnishofs, wo früher Gefangene in Furcht gingen.

Vor dem Ende des Krieges lebte Frau Sabrir mit ihrem Ehemann, einem örtlichen Bürgermeister, auf einer Farm in dem Dorf Khanaqin, dicht an der iranischen Grenze. Sie sind Angehörige des arabischen Saraefien-Stamms, der den Iran-Irak-Krieg, den Golfkrieg von 1991 und die Invasion des Iraks unverletzt überstanden hatte. Als Gegner Saddams begrüßten sie die amerikanische Invasion sogar.

Aber es ist der Friede und die Auflösung von Saddams Herrschaft, was ihre Leben zerstört hat. Am 11. April, zwei Tage nach dem Fall Saddams, kamen kurdische Kämpfer nach Khanaqin und befahlen allen 15.000 Arabern, innerhalb von 48 Stunden den Ort zu verlassen.

"Es waren so viele kurdische Kämpfer, daß wir sie nicht zählen konnten. Sie kamen in unser Haus, schossen in die Luft, hielten mich an der Schulter und sagten, wir müßten in 48 Stunden weggehen oder sie würden uns töten", erzählt Frau Sabrirs Sohn, Amar Hassan Tahar (26).

Die Stammesältesten bestehen darauf, daß Jalal Talabani, Führer der PUK, der kurdischen Partei, hinter der Säuberungsaktion steckt. Sie gingen zum örtlichen Gouverneur, ebenfalls einem Kurden, um mehr Zeit zu erbitten. "Aber er sagte, wenn Talabani uns 48 Stunden gibt, würde er uns nur 24 Stunden geben und andernfalls würde er die Bulldozer schicken, um unsere Häuser niederzureißen", sagte Fadhel Jasas, einer der Stammesältesten.

Am nächsten Tag waren Frau Sabrir und ihre Familie noch nicht gegangen und die Kurden kamen zurück, von denen acht bewaffnete Männer und Frauen blieben, um in ihrem Haus zu leben. "Sie befahlen uns, für sie zu kochen und schliefen dort und sagten, sie würden uns töten, wenn wir am nächsten Tag nicht fortgingen. Am nächsten Morgen warfen sie alle unsere Sachen hinaus auf die Straße und wir gingen fort", erzählt Mr. Amar.

Nach einer sieben-tägigen Reise zu Fuß und auf Eseln aus Khanaqin endeten 1.500 Mitglieder des Stammes in dem verlassenen Gefängnis, knapp 50 Kilometer nördlich Baghdads. Sie konnten nirgends sonst hingehen.

Sie sind Teil der steigenden Zahl von Menschen, die innerhalb des Iraks auf der Flucht sind, von dem ethnischen Konflikt vertrieben, der am Donnerstag in Kirkuk zu mehreren Schießereien zwischen Kurden und Arabern führte.

Jeden Tag ziehen auf den irakischen Autobahnen Araber, die aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, südwärts, in der Hoffnung, einen Platz zum Leben zu finden. Viele, allerdings nicht alle, der Araber in Khanaqin wurden 1975 gezwungen, aus dem Süden dorthin zu ziehen, weil sie Gegner von Saddams Regime waren.

Saddam wollte die vorrangig kurdischen Orte nahe der iranischen Grenze arabisieren. Der Diktator gab dem Stamm Häuser und Land, die er Kurden abgekauft hatte, aber jetzt holen die Kurden es sich zurück, um den Prozeß umzukehren.

Die Besetzer des Khan Bani Saad Gefängnis, nun zum zweiten Mal von ihrem Land vertrieben, möchten nur einen Ort haben, den sie ihr Eigen nennen können.

"Ich möchte ein Haus um darin zu wohnen und Land um es zu bestellen" sagte Frau Sabrirs Ehemann, Hassan Tahar Yassim. Sie haben Land in der Nähe gefunden, daß früher Saddam gehörte, aber andere haben es schon besetzt.

Der Stamm hat die Koalitionsstreitkräfte um Hilfe gebeten, aber niemand ist auch nur gekommen. Sie haben fast alle ihre Tiere gegessen oder verkauft und haben nur noch Lebensmittel für eine Woche. Jetzt hassen sie die Amerikaner.

"Keines der amerikanischen Versprechen ist eingetroffen. Was passiert ist, ist unglaublich", sagte Herr Yassim.

Sein Sohn stellt fest "Wir haben herausgefunden, daß Saddam besser als die Amerikaner ist."

Hadeb Hamed Hamed, der Scheich des Stammes, saß auf Matten im Büro des Gefängnisleiters und sagte: "Die AMerikaner versprachen uns Nahrung und Medizin und Freiheit. Aber wir haben unsere Häuser, unser Land, unsere Ernten verloren. Jetzt leben wir mit nichts im Gefängnis uns sie ignorieren uns.

Es sind die alliierten Streitkräfte, die uns das angetan haben. Wenn uns die Nahrung ausgeht, weiß ich nicht, was wir dann tun werden."

Tatsächlich weiß er es, denn angesichts des drohenden Verhungerns hat er mit den anderen Stammesältesten darüber gesprochen.

"Wenn wir keine Lösung finden, werden wir gegen die Amerikaner kämpfen, selbst wenn sie uns töten. Das ist besser, als hier nur zu sitzen und zu sterben", sagte er.

http://www.freace.de/artikel/mai2003/opfer240503.html

ich weiss zwar, dass ich keine antwort darauf kriegen werde, aber irgendwo muss man ja seinen unmut aeussern....

gruss,
sasu

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