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Geschrieben von Moneypenny77* am 25.12.2005, 13:24 Uhrzurück

Re: an Rio wegen Osthoff

Ich glaube, wie schewr es ist, ihre Beweggründe und die Hintergründe zu beurteilen zeigt sich daran, daß überall andere Lebensumstände durch Presse und Internet geistern.

Habe gestern mal gegoogelt, u.a. auch auf so einer Art "Fan-Club-Seite" von ihr, da las man weniger von humanitärer Hilfe, als davon, daß sie im Irak als Archäologin tätig war, aber seit der Trennung von ihrem Mann wieder MIT ihrer Tochter in Deutschland lebte. Aus beruflichen Gründe unternahm sie desöfteren Forschungsreisen in den Irak und fuhr aber NIE ohne Medikamente und andere notwendige Dinge für die notleidenden Menschen dort hin. Heißt für mich, daß sie in erster Linie dort wissenschaftlich arbeitete, sich aber nebenher stark humanität einsetzte. Was mit der 12jährigen Tochter während dieser Reisen passierte, konnte ich nirgends eruieren. Also was darüber spekulieren? Auch Väter gehen monatelang auf Montage, vielleicht hat sie diese Zeit auch bei ihrem Vater verbracht (und ist das schlimm?) oder bei ihren Großeltern oder wie auch immer. Gleich zu unterstellen, daß hier ein Kind bei der Mutter weit hinten rangiert?

Ich stelle aber die, wohl eher philosophische, Frage ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen Ausmaß von Mit-Leid und dem eigenen Zutun zu diesem Leid gibt.
Das Leid an sich ist doch das Gleiche, egal, wie es dazu kam. Also kann ich persönlich mein Mitleid nur davon abhängig machen, in welchem Ausmaße ich das erfahrene Leid als schrecklich einstufe.

Eine Vergewaltigung erleben zu müssen stufe ich als schrecklich ein und habe Mitleid, egal, ob die Tat "provoziert" wurde oder nicht.
Am Grab seines Kindes stehen zu müssen stufe ich als schrecklich ein und habe Mitleid mit dem Kind und den Angehörigen, egal, ob das Kind an einer unheilbaren Krankheit gestorben ist und durch einen tragischen Unfall, weil jemand fahrlässig war.
In einem Kriegs- und Krisengebiet leben zu müssen stufe ich als schrecklich ein und habe Mitleid mit den Menschen, egal, ob sie die Chance zur Flucht hatten oder nicht.
Von einer Sekunde auf die andere entführt zu werden, tagelang nicht zu wissen, ob und WIE man ermordet wird, ob man seine Familie und seine Kinder jemals wiedersieht, vielleicht gefoltert und gedemütigt zu werden stufe ich als schrecklich ein und habe Mitleid, egal, ob die Entführung in einem "unsicheren Gebiet" stattfand, oder in München-Grünwald, weil Mami und Papi zu viel Kohle haben.

Kurz: wenn man sich in die Situation eines anderen Menschen hineinversetzt und mit diesem Menschen nicht eine Sekunde tauschen möchte, ist Mitleid dann nicht die einzig logische Schlußfolgerung?

Dürfen und können emotionale Dinge wie Liebe, Verständnis, Vertrauen und eben Mitleid wirklich zunächst an eine Vielzahl äußerlich stimmiger Prämissen gebunden sein?

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