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Geschrieben von sasu am 30.06.2003, 22:01 Uhrzurück

USA machen es spannend

Man kann sich wirklich nicht beschweren - so als Medienkonsument. Die USA bemühen sich wirklich redlich, einen ordentlichen Spannungsbogen aufzubauen.

Nach dem Sieg über den Irak - zugegeben, wenn man sich die neusten Nachrichten so ansieht, scheint er noch gar nicht so besiegt zu sein - hat man nicht einfach das nächste Land auf der Liste der "Schurkenstaaten" und der "Achse des Bösen" angegriffen. Das würde spätestens bei dem fünften oder sechsten Land - auf den dritten Krieg werden wir ja schon vorbereitet - auch langweilig werden.

Deshalb macht Washington es also möglichst spannend.

Mal werden ein paar syrische Grenzposten angegriffen, als man doch nur versuchte, Verbrecher zu verfolgen, die Anschläge im Irak verüben, dann folgen wieder schwere Drohungen gegen den Iran, wo die demonstrierenden Studenten von der CIA auch etwas Motivationstraining bekommen und zwischendurch gibt's dann noch wieder Hinweise, wie groß doch die Bedrohung durch Nordkorea ist, wie jetzt wieder durch den US-Botschafter in Japan bei einer Ansprache vor Geschäftsleuten in Tokio.

"Ich glaube, ich fürchte, daß die Bedrohung durch Nordkorea wirklich ernst ist", sagte er. Keine wirklich Aussage, auf die man ihn im Zweifelsfall festnageln könnte und doch kurbelt es den Herzschlag an. Einfach gut.

Und für alle, die schon fast vergessen haben, warum das mächtigste Land der Erde sich auf diesem heiligen Kriegspfad befindet tauchen dann auch mal wieder ein Brief von Osama bin Laden oder eine seit 12 Jahren vergrabene Zentrifuge zur Herstellung von Atombomben (muß ich meine Salatschleuder jetzt eigentlich der UN melden?) auf.

Die Inszenierung ist wirklich spitze. Allein die Fernsehbilder von "eingebetteten Journalisten" direkt von der Front. Live - naja, fast, ein "wohlwollender" US-Militär hat sich's vorher schon mal kurz angeschaut - und in Farbe. Wirklich mitreißend.

Und für's Herz ist auch genug dabei. Erst wird die 19-jährige blonde US-Soldatin Jessica Lynch unter höchster Gefahr - ok, ok, das Krankenhaus war schon längst nicht mehr bewacht, aber Skalpelle sind doch auch bösartig scharf und wenn die Ärzte da auch so viele Überstunden machen müssen wie hier ist denen doch alles zuzutrauen - aus dem Krankenhaus äh der Gefangenschaft befreit, dann versammelt sich ausgerechnet vor dem "Pressehotel" in Baghdad eine Menge von mehreren tausend, nein, doch nicht, aber doch zumindest mehreren dutzend Irakern, die verzweifelt versuchen, eine Hussein-Statue umzustürzen, schaffen dies aber erst durch die heldenhafte Hilfe ihrer Befreier.

Es bleibt also spannend. Iran, Syrien, Nordkorea oder vielleicht doch erst einmal Venezuela "für zwischendurch"? Die liebäugeln schließlich auch gerade mit dem Euro.

Und der Rest der Welt sitzt mit Bier und Popcorn auf dem Sofa vor dem einen großen Fernseher und wartet, wie's denn nun weitergeht.
http://www.freace.de/artikel/jun2003/usa270603.html

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