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Geschrieben von Hase67 am 29.09.2011, 4:23 Uhrzurück

Re: Ethik(rat) und Moral, wie weit darf der Mensch gehen?

Hi,

erst mal vorab: Ich bin mit einem Wissenschaftler verheiratet und habe deshalb vielleicht einen etwas einseitig gefärbten Blickwinkel auf das Thema - ich bin z. B. auch keine grundsätzliche Tierversuchsgegnerin.

Was mich an dem Link, den du oben eingestellt hast, zuallererst stört, ist der Begriff des "Mischwesens" - das ist der unglückliche Versuch, einen möglichst plakativen deutschen Namen für "Hybriden" oder "Chimären" zu finden - aber schon die meisten Pflanzen, die in unseren Gärten wachsen, sind Hybriden oder Chimären, weil aus Züchtungen oder Pfropfungen entstanden, wie sie der Mensch seit vielen Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden praktiziert.

Problematisch ist für mich auch der Begriff "Artengrenze" - schon bei der Züchtung von Mulis werden verschiedene Arten gekreuzt, und mit neueren Züchtungen wie der "Schiege" (Kreuzung aus Schaf und Ziege) wird sogar die Gattungsgrenze überschritten.

Geht es aber daran, Tieren menschliche Gene auf technischem Weg einzuschleusen, dann haben wir sofort ein Frankensteinszenario vor Augen oder denken an Horrorklassiker wie "Die Fliege". Deshalb mag ich grundsätzlich keine reißerischen Artikel zu dem Thema, die vor allem auf die Angst der Leute abzielen - eine Maus, deren Genom so verändert wurde, dass sie z. B. ein bestimmtes, mit dem menschlichen Organismus kompatibles Enzym produziert, ist kein Horrorwesen mit menschlichem Kopf und Mauskörper, sondern vor allem immer noch eine Maus - deshalb sollte man angesichts solcher wissenschaftlichen Fortschritte nicht in Panik und Katastrophenstimmung verfallen.

Wichtig ist es aus wissenschaftsethischer Sicht natürlich, solche Entwicklungen streng zu kontrollieren und einem Missbrauch vorzubeugen - aber wenn wir uns erinnern, ging bei vielen wissenschaftlichen Neuerungen erst mal ein Aufschrei durch die Reihen, weil etwas einfach neu und ungewohnt war - das war bei der Entwicklung der ersten Schmerzmittel nicht anders als beim Bau der Eisenbahn. Veränderungen machen Angst, weil der Mensch, der keine Ahnung von den genauen Zusammenhängen hat, erst mal skeptisch und konservativ ist. Aber dass gerade Bereiche wie die Gentechnik solche hohen emotionalen Wellen schlagen, hat vor allem auch mit medialer Panikmache zu tun.

LG

Nicole

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