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Geschrieben von Ralph am 14.07.2004, 14:43 Uhrzurück

Unbestritten (sehr lang, wie immer)

Hallo Birgit,

Marshal-Plan, Führungsmacht in kalten Krieg, im Grunde genommen eigentlich demoratisches Grundverständnis... das ist alles richtig.

Meinst Du, meine Worte über die USA fallen mir leicht? Verdammt, ich bin Jahrgang 60, bin mit Coca-Cola, Wrigley, Micky Maus, Flipper, Daktari, Bonaza und den Leuten von der Shilo-Ranch groß geworden, habe mit großen Augen auf die Astronauten der ersten Mondlandung geblickt und damals gebannt die TV-Sendungen mit den Kommentaren des liebenswürdig lispelnden Prof. Haber verfolgt, später Kojak genauso genossen wie Columbo und bin nach wie vor hin und wieder statt in griechischen Lokalen halt auch im McDo anzutreffen. :-)
Amerika, das war Vorbild in JEDER Beziehung. Die Nachkriegspolitik, die Wissenschaft, Filme, Musik... vieles aus Amerika hat Europa inspiriert, und umgekehrt!

Das ist das Holz, aus dem echte Freundschaften geschnitzt sind. Nur wird diese Freundschaft in den USA mehr und mehr profitabel ausgenutzt und mit Füßen getreten, und das haben wir in Old Europe nun auch wieder nicht nötig.
Wir müssen wieder ins Gespräch kommen, aber nicht zu den Diktaten eines Bush jun., sondern wie es unter zivilisierten Nationen üblich ist.

Von diesem krankhaften Nationalstolz der Amerikaner will ich nicht eine einzige Scheibe abhaben. Als Deutscher habe ich auch einen krankhaften Nationalstolz, nämlich gar keinen, den hat man uns 45 Jahre lang abtrainiert. :-(
Da ich aber einen brauche, schaue ich lieber auf die europäischen Nachbarn, wie die das praktizieren. Briten, Franzosen, Skandinavier und auch Südeuropäer scheinen da einen sehr viel gesünderen Nationalstolz zu haben als Amerikaner.

Und Du wunderst Dich, daß wir in Europa untereinander streiten? Mich überhaupt nicht. Die USA haben keine Kultur. Das, was sie eigene Kultur nennen, ist ein undefinierbares Gemisch, eine brodelnde Suppe, aber keine Kultur. Die einzige richtige Kultur, die Amerika hatte, haben die Weißen mit den Indianern nahezu ausgerottet.

In Europa hat aber jedes Land seine Kultur, z.T. jahrtausende alt, im Wandel, aber zumeist weitestgehend intakt. Das muß kompatibel gemacht, da müssen Schnittstellen gefunden werden, und das dauert halt! :-)
Immerhin sind wir in Europa aber schon so weit, daß wir als Europäer uns jahrtausendelang so sehr bekriegt haben, daß wir vom Krieg ein für allemal die Schnauze voll haben! Das sieht man am besten in der rasanten Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen in den letzten 50 Jahren. Diese beiden Staaten haben sich innerhalb 75 Jahren so oft bekriegt, daß das Elsaß z.B. in dieser Zeit viermal die Nationalflagge wechseln mußte... heute schlichtweg undenkbar. Ich denke, dieses Beispiel spricht Bände, oder? :-)

Diese "Kriegserfahrung" aber sollte sich Amerika zunutze machen, insbesondere die diplomatischen Fähigkeiten des Old Europe, dem Amerikaner würde nicht ein einziger Zacken aus der Krone brechen, aber für die Welt wäre viel gewonnen.
Man darf doch auch nicht vergessen, daß bei einem Scheitern auch der letzten diplomatischen Bemühungen dann die finale Bereitschaft, zu militärischen Mitteln zu greifen, als Weltgemeinschaft dann ja auch steigt.
Selbst Staaten wie China sind bisweilen dann zu überzeugen, siehe Golfkrieg 1991. DAS aber ist eine ganz andere Grundlage, stärkt auch das außenpolitische gewicht der USA.

Ich habe einfach das Gefühl, daß Amerika seit Ende der 80er Jahre meint, auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen zu müssen. Sie spielen sich auf, als ob ihnen und ihren Wirtschaftsunternehmen die Welt allein gehört. Die politischen Stockfehler häufen sich derart in den letzten Jahren, das es mir graust!

Ich habe es im letzten Herbst schon einmal am Schluß gepostet, aber die Worte von Helmut Schmidt sprechen mir nach wie vor so sehr aus der Seele und sind m.E. so aktuell wie damals kurz nach dem Einmarsch. Deshalb hier der Schluß meines damaligen Postings:

"Helmut Schmidt, und damit schließe ich, hat kurz vor Ausbruch des Irakangriffs anläßlich einer Preisverleihung an den Bundespräsidenten a.D. Roman Herzog in seiner Laudatio sinngemäß geäußert:

"... Wenn Amerika diesen [eigenwilligen] Weg gehen will, dann bleibt uns als Europäer nichts anderes übrig, als dieses als Freunde zu ertragen! [Pause] ... als Freunde zu ertragen!!"

Über diesen Satz sollten wir alle, Amerikaner und Europäer, gebührlich nachdenken! :-)"


Liebe Grüße
Ralph/Snoopy

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