
Michael wurde im Mai 1990 geboren. Er war eine Drillingsfrühgeburt in der 26.SSW und wog 840g,
wie seine beiden Geschwister.
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Michael schaffte es als Einziger, er war ein Kämpfer, leider wissen wir nicht, ob sich dieser Kampf
wirklich gelohnt hat.
Als er nach einem halben Jahr aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war er
zu 100 % blind, hatte ein Wasserköpfchen und zahlreiche körperliche, sowie geistige Einschränkungen.
Er wurde und wird mehrfach operiert, um das Hirnwasser, welches sich ansammelt, abzuleiten (wird jetzt
durch einen Schlauch in den Magen geleitet).
Nachdem wir beide behinderten Kinder (Thomas und
Michael) fast 1 Jahr zu Hause hatten, entschieden wir uns, Michael in ein Heim zu geben. Diese Entscheidung
fiel uns nicht leicht, aber es konnte so nicht weiter gehen, wir waren am Ende unserer Kräfte. Um
Thomas und Michael kümmerten wir uns tagsüber und um Michael auch noch Nachts. Er konnte ' Tag und
Nacht ' nicht auseinanderhalten und lies sich auch durch nichts beruhigen, so das eines nachts auch
noch die netten Nachbarn an die Wände klopften. Zig mal riefen wir des Nachts den Notarzt, weil er
Verstopfungen hatte.... Eines Nachts kam ein Doc, blieb an der Eingangstür stehen und meinte: "Ahh
behindert,Wasserköpfchen, da kann ich auch nicht viel machen, versuchen Sie es mal mit einem Stück
Kernseife". Von dieser Stunde an wussten wir - es muss sich etwas ändern. Eine Rechtsanwältin
war dann der ausschlaggebende Punkt. Sie fing dieses Gespräch vorsichtig an und fragte uns, wie wir
dies alles ein Leben lang schaffen wollen. Ob es denn nicht sinnvoller wäre, sich um ein Kind richtig
zu kümmern,als irgendwann um keines mehr, wenn jemand von uns zusammen gebrochen sei. Und sie
hatte Recht ...!
Mit dem elften Lebensjahr bekam er noch den grauen Star und auch ansonsten sind
seine Fortschritte sehr gering. Er muss gewindelt werden, kann nicht laufen (nur mit Hilfe) und muss
neuerdings auch noch fixiert (angebunden) werden, weil er sich selber verletzt. Er beisst sich fest
und lässt nicht wieder los, was er einmal in der Hand oder im Mund hält. Ausserdem hat er autistische
Züge und nimmt keinen oder nur wenig Kontakt zu Personen auf.
Beide Kinder gingen jahrelang in
die gleiche Schule, bis die Anfahrt für Michael nicht mehr vertretbar war. Er geht jetzt in eine
andere Schule, manchmal wird er auch im Heim beschult.
Ein Satz, welcher ein Arzt aus dem Barbara
Krankenhaus einmal zu uns sagte, hat sich tief eingegraben! " ... mit 2 behinderten Kindern lebt es
sich besser als mit einem... " - ja, und solche Ärzte lässt man auf die Menschheit los! Ohja,
ich habe Wut, verdammt viel Wut auf dieses Krankenhaus, indem die Ärzte so wenig für uns getan haben
und ohne Schuldgefühle weiter praktizieren können.
Da ich immer wieder mal gefragt werde, warum
wir denn Michael in ein Heim geben mussten - ich denke, ein Aussenstehender kann dies nur schwer beurteilen.
Ich möchte mich hier an dieser Stelle auch nicht rechtfertigen, für was auch - es war UNSERE Entscheidung
und sie fiel uns absolut nicht leicht! Aber auch diese Kinder werden erwachsen, auch sie durchleben
eine Pupertät, das entdecken des Körpers..., wie ein Nichtbehinderter. Und auch wir, mein Mann und
ich, haben Bedürfnisse und irgendwie auch noch ein bisschen LEBEN !
....man möge nur an die Kinder
denken, welche nicht behindert sind und trotzdem in Heimen untergebracht sind oder von ihren Eltern ...
missbraucht / misshandelt werden
04.03.2006
Michael ist mittlerweile schulbefreit, in
Deutschland heißt dies schon etwas, denn alle Kinder sind schulpflichtig. Darüber bin ich auch sehr
froh, wenn man bedenkt, daß er in der Schule an einer Treppe im Rollstuhl stand und durch sein schaukeln
samt Rollstuhl die Treppe runter fiel !
Er hatte zwischenzeitlich 3 Ableitungen, eine davon zog
er sich selbst, als er nicht fixiert war. Nach wie vor hat er eine im Hirn, über den Bauchraum reichend,
eine weitere hat er in der Hüftgegend, ebenfalls zum Bauchraum führend. Die letzten 2 Jahre verbachte
er sehr oft im Krankenhaus, da sich die Ventrikel verhärtet haben und es somit immer wieder zu Problemen
kommt.
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