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Geschrieben von sterntaler am 26.10.2004, 10:28 Uhrzurück

soviel zum thema "1€job"!

Trotz Stelle: Mutter sollte Ein-Euro-Job annehmen
Arbeit: Antje Zuther hatte eine Arbeit für 400 Euro. Sozialamt lehnte zunächst ab.

Von Heike Müller

Antje Zuther ist jung, hübsch, Mutter von zwei Kindern, geschieden und bekommt Sozialhilfe. Weil das Geld vorne und hinten nicht reicht, hat sich die 33jährige zum 1. November einen 400-Euro-Job gesucht. Von kommender Woche an betreut sie stundenweise das Baby eines Anwalts-Ehepaares, dessen Mutter wieder nach und nach ihren Beruf aufnimmt. Der Job ist wie ein Hauptgewinn für Antje Zuther - doch die Freude darüber, daß sie sich gegen 60 Mitbewerber, die sich auf die Job-Anzeige im Abendblatt meldeten, durchsetzen konnte, währte nicht lang.

"Das Sozialamt wollte den Job nicht anerkennen", berichtet Antje Zuther. "Statt dessen sollte ich einen Ein-Euro-Job antreten." Der Hintergrund: Der Ein-Euro-Job soll grundsätzlich dazu dienen, Menschen, die länger nicht berufstätig waren, in das Erwerbsleben zu bringen, und soll die Betroffenen - im Idealfall und nach Qualifizierungsmaßnahmen - in eine normale, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung führen. Ein 400-Euro-Job ist jedoch keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung - weswegen für Menschen ohne Berufsausbildung eher der Ein-Euro-Job Vorrang hat. "Das verstehe ich einfach nicht", klagt Antje Zuther.

"Das muß im Einzelfall abgewägt werden", erklärt Andree Schattauer, Leiter des Sozialamts Lokstedt. Was Antje Zuther unbegreiflich ist: "Warum soll ich für ein Taschengeld in Vollzeit zum Beispiel Parks fegen, wenn ich in Teilzeit in einem Job, der mir Spaß macht, 400 Euro verdienen kann?" Außerdem bestehe die Chance, daß der Kinderbetreuungsjob erweitert wird. Schließlich gehe die Mutter stufenweise in ihren Beruf zurück.

Antje Zuther hat nach der Hauptschule keinen Beruf gelernt. Ihre Ausbildung zur Altenpflegerin brach sie ab, als sie schwanger wurde. Mit 20 bekam sie ihr erstes Kind. Florian ist heute 13, Jacqueline acht Jahre alt. Die Krankenkasse, Stromkosten und Miete bezahlt seit der Trennung von ihrem Mann das Sozialamt. Mit Unterhalt für die Tochter und Kindergeld bleiben 691 Euro zum Leben. Sie wohnen auf 54 Quadratmetern. Das Sofa baut Zuther abends zum Bett um. "Nur weil ich nichts gelernt habe, heißt das nicht, daß ich dumm bin", sagt sie. "Ich will ja arbeiten, mehr als alles andere."

Die Abwägung im Einzelfall scheint für Antje Zuther letztlich doch noch gut auszugehen: "Mir wurde zugesagt, daß ich den 400-Euro-Job erst mal antreten kann - wenn ich mich nebenbei um einen Vollzeitjob bemühe."

erschienen am 26. Oktober 2004 in Hamburg


na dann prost mahlzeit!
liebe grüße
sterntaler

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