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Geschrieben von Christiane F. am 11.04.2003, 15:12 Uhrzurück

Patriotismus und Pazifismus: Zur Diskussion "Pessimismus" unten

Hallo,

ich habe in der heutigen Freitags-Ausgabe des "Handelsblatt" den recht interessanten Gastkommentar von Klaus Larres ("USA - Die siegreiche Übermacht", S.8) gelesen. Larres hat den "Kissinger Chair in Foreign Policy and International Relations" an der Library of Congress in Washington, DC. Einen Ausschnitt möchte ich hier widergeben.
Zitat:"Abgesehen von der machtpolitischen Dimension der transatlantischen Krise, besteht die Gefahr, dass die viel beschworene westliche Wertegemeinschaft auseinanderbricht. Auch auf diesem Gebiet existieren große Differenzen zwischen Deutschland und den USA. Dabei geht es nicht nur um die viel beschworenen Unterschiede mit Blick auf die Todesstrafe, den Sozialstaat oder die Bedeutung des Religiösen in der deutschen und der amerikanischen Gesellschaft. In der derzeitigen Situation sind vor allem zwei Aspekte von größter Wichtigkeit: ein sehr unterschiedliches Verständnis von Patriotismus und Pazifismus.
Der übertriebene Nationalismus der Nazijahre und der katastrophale Weltkrieg wie aber auch die "Umerziehung" der Deutschen nach 1945 haben dazu geführt, dass die meisten Deutschen eine wesentlich kritischere Haltung zum Staat haben und dessen führenden Repräsentanten, als dies in Amerika der Fall ist. Obwohl sich diese Einstellung zu ändern begonnen hat, prägt sie dennoch nach wie vor weite Teile der deutschen Bevölkerung. In den USA, dem Land mit einer hohen Anzahl außenpolitisch recht uninformierter Menschen, wird dies kaum verstanden. Hier bewirkte der Vietnamkrieg eine viel weniger tiefe und, wie sich nun herausstellt, nur temporäre kritische Reflexion. Das Unverständnis vieler Deutscher für die emotionale, sicher auch hysterische, dennoch aber genuine und sehr ernst zu nehmende Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September in den USA hat die Kluft im gegenseitigen Verständnis noch weiter vergrößert.
Der Zweite Weltkrieg, aber auch der Vietnamkrieg und andere Konflikte haben zudem zu der Entstehung einer breiten pazifistischen Strömung in Deutschland geführt. Dies wiederum stößt in den USA auf Erstaunen und allgemeines Kopfschütteln. Die Bereitschaft zum Einsatz militärischer Mittel für die Lösung internationaler Konflikte ist - besonders wenn sich wie jetzt ein Erfolg abzeichnet - in den USA weiterhin erheblich höher als in Europa. Dagegen musste der deutsche Kanzler selbst für den Einsatz im Afghanistankrieg die Vertrauensfrage stellen. Die Beteiligung am Kosovo-Krieg wurde in der deutschen Bevölkerung ebenfalls äußerst kontrovers diskutiert. Dies war in den USA ganz anders. Die diversen militärischen Bestrafungsaktionen der Clinton-Administration während der neunziger Jahre waren nicht sonderlich umstritten. Während etwa Angehörige der Bundeswehr nach wie vor keine besonders angesehene Position in der deutschen Gesellschaft bekleiden, erfreut sich das Militär in den USA großer Beliebtheit".[...]Zitat Ende.

Ich muss das grade erst mal so stehen lassen, weil meine Tochter gestillt werden will;-)))

Christiane

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