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Geschrieben von sterntaler am 13.09.2004, 13:23 Uhrzurück

Mobbing!!! (.o(

....ein thema, das ich als alleinerziehende mutter mittlerweile selbst jedesmal aufs neue miterleben und am eigenen körper erfahren muß!!! (:"o(

Wenn der Job krank macht
Mobbing - Experte: Zahl der Opfer hat sich verdoppelt. Mitarbeiter von Behörden, Kirchen und Kliniken besonders betroffen

Zuerst waren es nur Sticheleien von Kollegen. Dann setzte die üble Nachrede der Chefin ein. "Plötzlich hieß es, ich würde meine Arbeit nicht mehr gut machen", sagt Susanne Weigt (57) und fügt leise hinzu: "Sogar als dumm und unfähig wurde ich beschimpft, mein Schreibtisch wurde mir weggenommen, mein Computerzugang gesperrt. - Und das, obwohl ich mehr als 20 Jahre in dem Job war."

Heute ist Susanne Weigt ein seelisches und körperliches Wrack, nimmt starke Psychopharmaka und leidet unter Kreislaufbeschwerden sowie Migräne. Sie kann nachts nicht schlafen, hat Depressionen, sogar Selbstmordgedanken. Das alles, weil sie gemobbt wurde. "Das Unternehmen wollte mich raushaben", sagt sie. Systematisch. "Mit Intrigen, Schikanen und Beleidigungen."

So wie Susanne Weigt leiden in Deutschland rund eine Million der 38,18 Millionen Erwerbstätigen unter Mobbing. Und es werden mehr. Allein bei der Mobbing-Anlaufstelle Klima e.V. in Hamburg hat sich die Zahl der Fälle in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Dr. Alfred Fleissner (57) und sein Team betreuen jährlich rund 1000 Betroffene. "Grund ist die Konjunkturflaute", sagt Fleissner, Konfliktforscher am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). "Die Unternehmen müssen Mitarbeiter einsparen. Es ist billiger, sie rauszumobben, als ihnen Abfindungen zu zahlen." Mobbing sei das neue Mittel der Personalpolitik, bestätigt auch Professor Albrecht Schott (59), Mobbingexperte von der Universität Berlin.

Laut Mobbing-Report der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wird jede neunte Person im erwerbsfähigen Alter mindestens einmal im Verlauf des Arbeitslebens gemobbt. "Mobbing geschieht vor allem an verhärteten, veralteten Strukturen", so Schott. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter in Behörden, bei Kirchen, Krankenhäusern und Schulen.

So wie eine 35 Jahre alte Lehrerin, die nicht genannt werden möchte. Die Pädagogin hatte immer wieder Probleme mit der Schulleiterin, weil sie den Unterricht moderner gestalten wollte. Nachdem sie der Direktorin mehrmals widersprochen hatte, setzte das Mobbing ein. Sie wurde bei der Unterrichtseinteilung benachteiligt und sogar zum Amtsarzt geschickt, um "ihren geistigen Zustand prüfen zu lassen". Doch der Arzt wies die Vorwürfe zurück und riet zum klärenden Gespräch. Heute haben sich die Lehrerin und die Direktorin arrangiert.

Das aber ist die Ausnahme. "Viele Firmen verweigern das konfliktlösende Gespräch, weil sie kein Interesse daran haben", sagt Fleissner. Mit fatalen Folgen für die Opfer: Sie halten die seelische Last nicht aus, bekommen Rücken- und Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Inkontinenz, Magen-Darm-Probleme, Herzbeschwerden, Konzentrations-, Schlaf- und Gedächtnisstörungen, Albträume, Angstzustände, Depressionen. Die Zahl der psychischen Erkrankungen ist im vergangenen Jahr um 8,5 Prozent gestiegen, sie bilden die viertgrößte Krankheitsart.

Laut einer Studie der DAK lassen sich 27 Prozent der Mobbing-Opfer lange krankschreiben. Der gesamtwirtschaftliche Schaden wird auf mehr als 40 Milliarden Euro geschätzt. Noch größer aber ist der seelische Schaden. Hausmeister Kurt S. (Name geändert) hat zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen. Die Gemeinde wollte ihn loswerden, weil er zu teuer war, glaubt er. "Ständig haben sie mir Steine in den Weg gelegt." Ständig wurde an seiner Arbeit rumgenörgelt: mal hieß es, er mache zu viel Überstunden, dann wieder, er sei zu faul. "Ich habe es nicht mehr ausgehalten", sagt der 55-Jährige. Selbstmord - das ist für viele der einzige Weg aus der Misere. 25 Prozent aller Suizide werden in Folge von Mobbing verübt, schätzt Schott. Sein Rat an alle Betroffenen: "Wenn das Leben in Gefahr gerät, sofort raus aus dem Betrieb."

Wem allerdings noch etwas Kraft bliebe, der solle kämpfen. So wie Susanne Weigt und Hausmeister S., die vors Arbeitsgericht zogen - und Recht bekamen. Susanne Weigt: "Ich kämpfe. Für mich - und für alle, die keine Kraft haben, sich selbst zu wehren."

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