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Geschrieben von Linda in USA am 12.04.2003, 20:45 Uhrzurück

@Kleinmaeuschen - wegen USA Kultur, etc.

OK, ich wollte zu Deinen Beitraegen eigentlich erst gar nichts sagen, weil es wahrscheinlich eh sinnlos ist, aber ich hab auf der Website von jemanden, den ich aus einem anderen Forum kenne, einfach mal folgendes kopiert:

Zunächst einmal muss eines gesagt werden: Viele Europäer verstehen unter dem Begriff "Kultur" nur Dinge wie Oper, Theater, Museen und mittelalterliche Geschichte. Auch in Amerika gibt es selbverständlich Institutionen wie die Oper, sie sind nur nicht ur-amerikanisch sondern eben europäischen Ursprungs.
Zur Kultur eines Landes gehört jedoch wesentlich mehr als nur Mozart und Shakespeare, zum Beispiel die Sprache, Slang, Film- und Fernsehproduktionen, Speisen, Musik und vieles mehr. Und somit hat Amerika unter den heutigen Kulturen die vielfältigste! Geprägt von Einwanderern aus aller Herren Länder sind die heutigen USA ein Schmelztiegel, der die ganze Welt, auch Europa, unglaublich stark beeinflusst hat in, und zwar v.a. in den letzten 50-100 Jahren!


Was Amerika aber nicht macht ist sich hinter seiner Kultur zu verstecken, so wie einige europäische Länder, die einmal gross waren, und es heute nun mal nicht mehr sind, und ihre Kultur als Entschuldigung für eine verlorene Weltmachtsstellung präsentieren. Amerika lebt mit seiner Kultur und schiebt sie nicht als einzige Errungenschaft in den Vordergrund. Das haben die Amerikaner nicht nötig.



Die Amerikaner haben seit der Gründung des Landes eine eigenständige Version der englischen Sprache entwickelt, die sich in der Aussprache und teilweise im Wortschatz deutlich vom britischen English unterscheidet.
So hört sich American English wesentlich flüssiger und gefälliger an als British English, und es fällt einem als Ausländer leichter, diese Aussprache zu erlernen. Hinzu kommt auch, dass die Bedeutung des American English in der Welt nicht unterschätzt werden sollte, denn es wird (inclusive Canada) von 300 Millionen Menschen gesprochen, während das British English nur von 50 oder ein paar mehr Millionen gesprochen wird. Das sollte man auch nicht vergessen.
Es gibt einige "altenglische" Wörter, die bei der Gründung der Vereingten Staaten noch Teil des British English waren, aber inzwischen aus dieser Sprache verschwunden sind, während sie in der Neuen Welt weiterlebten und heute noch existieren. Ein schönes Beispiel dafür ist das Wort "inn", das im altenglischen Sinn "Herberge" bedeutet. Wie bei uns wird dieser Begriff nicht mehr benutzt. In Amerika jedoch hat er sich gehalten und bedeutet heute "Motel", was durch die grossen Ketten ja bekannt sein dürfte.
Diese sprachlichen Eigenheiten gehören zweifellos zur amerikanischen Kultur, sie haben sich ja auch in immerhin 200 Jahren entwickelt und waren nicht einfach so da. Die Amerikaner sprechen nicht "schlampig" und auch nicht undeutlich, sondern einfach American English, eine Sprache, die von fast allen Fremdspracheninstituten und Wörterbuchverlagen anerkannt ist.

Die Mentalität der Amerikaner

Die Amerikaner sind allgemein sehr viel lebensfroher und lockerer als bsw. Deutsche. Der Umgang miteinander ist in den USA beispielhaft, weil man dort als das respektiert wird, was man ist.
So sind Einwanderer ab ihrer Ankunft als Teil der amerikanischen Gesellschaft akzeptiert und respektiert (es gibt zwar auch in den USA, so wie in jedem Land, Rassismus, jedoch beschränkt er sich auf eine kleine Gruppe. Der Grossteil der Bevölkerung, den ich hier meine, ist sehr tolerant!). Es ist für Kinder, die in den USA aufwachsen, völlig normal, dass Asiaten, Farbige und Latinos zusammen mit den WASP's die US-Gesellschaft ausmachen, und sie sehen diese nicht als "andere Menschen" an, sondern als ihre Mitmenschen. Es ist in den USA undenkbar, dass ein Kind einen Asiaten mit "chingchangchong" anspricht, so wie man das in Deutschland durchaus beobachten kann, da in Deutschland eine Art "unterschwelliger Rassismus" herrscht, in dem Sinn dass Ausländer stets als "andersartig" betrachtet werden.
Was auch sehr zu dieser Toleranz in den USA beiträgt ist auch die Leistung der Einwanderer selbst, die sozusagen "klarmachen", dass die USA von nun an ihre Heimat sind, und sich nicht in "ihren Vierteln" einschliessen. (Ausnahmen sind die Chinatowns in grossen Städten, aber das ist trotzdem eine andere Art von Verselbständigung als die Ghettoviertel in dt. Grosstädten!) Die kulturelle Vielfalt hat die Vereinigten Staaten grossgemacht, und das spürt man sehr wenn man dort als Fremder lebt. Die Toleranz und das akzeptieren, wenn man z.B. nicht perfekt English spricht, machen das deutlich.

Neid und Missgunst, wie man es in Deutschland tagtäglich zu "spüren" kriegt sind in Amerika selten, bzw. drücken sich anders aus - positiv! Soll heissen, wenn ein Amerikaner auf das Auto seines Nachbarn "neidisch" ist, dann schaut er ihn nicht böse an, sondern er gönnt es ihm, sagt ihm das auch gerne mal, und kauft sich daraufhin ebenfalls ein schönes Auto! Das ist eine positive Reaktion, im Gegensatz zu Deutschland, wo Luxus und Komfort verpönt ist, und man von Neidern böse Blicke kriegt wenn man sich etwas "geleistet" hat - eine negative Reaktion.

Wer jetzt denkt, die Amerikaner seien nur auf materielle Dinge aus, der irrt!!! Die wichtigsten Werte in der amerikansischen Gesellschaft sind die Familie und Freunde. Festliche Anlässe wie Thanksgiving sind in den USA die Höhepunkte des Jahres, und das Zusammenkommen von Familien, wo übrigens auch Bekannte nicht ausgeschlossen sind, ist den Amerikanern das wichtigste. Es wird richtig stilvoll gefeiert mit gutem Essen, und dabei freut man sich schon auf den nächsten wichtigen Feiertag.
Was in den USA aber ganz normal ist, das ist der lockere Umgang mit materiellen Dingen und Besitztümern. Es ist ganz selbverständlich, dass man auf sein Haus, sein Auto und andere Statussymole stolz ist, Freude daran hat und sie auch gerne zeigt. Das hat in den USA überhaupt keinen negativen Beigeschmack, und niemand wird einen für "materiell veranlagt" oder "oberflächlich" halten, weil ja jeder weiss wie es sich damit verhält, und dass die wichtigsten Werte wie gesagt andere sind.

Die Toleranz der Amerikaner bezieht sich auch auf viele andere Lebensbereiche. In Deutschland gibt es immer bestimmte Dinge, die "man nicht macht". Das ist die deutsche Gleichmachung, wer sich nicht entsprechend verhält (beim Fasching nicht mitmacht, Fussball nicht mag, keine Kleinwägen fährt, eine USA-Homepage betreibt oder Getränkedosen kauft) wird ausgegrenzt und als Spinner abgetan. Das ist in Amerika ganz anders, da ist das Motto "Leben und leben lassen". Etwas, das ich in Amerika sehr schätze, und was für mich die persönliche Freiheit deutlich macht.
Durch die positive Lebenseinstellung sehen die Amerikaner auch viel eher das "halbvolle Glas", und nicht wie die Deutschen immer das halbleere. Man versucht in den USA, immer die positiven Seiten zu sehen, und das beste aus etwas zu machen. So betrachtet man bsw. bei Elektrogeräten vor allem den Nutzen, den sie stiften, während man in Deutschland eher immer gleich an die Kosten denkt ("das ist unnötig und kostet zu viel"). Davon lassen sich Amerikaner eher weniger beeindrucken, und wenn sie im Sommer nicht schwitzen wollen besorgen sie sich halt eine Klimaanlage, und können sich wieder wohlfühlen. Das ist schon anders als wenn man sagt "für diiiieee paar Wochen im Jahr....". Das ist KEIN Argument gegen eine Klimaanlage. Das nur als Beispiel.

Viele Deutsche sind der Ansicht (und verbreiten diese auch gern!), Amerikaner seien oberflächliche Leute und nicht an anderen Ländern interessiert, und ausserdem seien sie prüde und hätten eine Doppelmoral. Das sind riesengrosse kulturelle Missverständnisse!
1. "Oberflächlichkeit"
Deutsche sind ein sehr verschlossenes Völkchen, und es ist für sie absolut unüblich, mit Fremden locker ins Gespräch zu kommen. Für sie machen das nur Leute, die "Freundschaftsabsichten" hegen.
Nun trifft ein Deutscher einen Amerikaner. Der Amerikaner ist, wie er es gewohnt ist, sehr offen und freundlich, und spricht mit dem Deutschen wie es sonst nur Freunde tun. Davon ist der Deutsche erstmal ein wenig überrumpelt, da er es nicht gewohnt ist, mit Fremden so zu reden, denkt sich dann aber "wie schön, so schnell Freundschaft geschlossen zu haben". Jedoch unterliegt er da einem Irrtum, denn für den Amerikaner ist es ganz normal, mit Fremden derartig offen zu sein, und für ihn war die Unterhaltung nichts weiter als ein nettes Erlebnis. Sieht man den Deutschen wieder, ist OK, wenn nicht, auch OK.
Der Deutsche merkt mit der Zeit, dass sich besagter Amerikaner nicht weiter wie ein enger Freund verhält, versteht die Welt nicht mehr, und schon ist ein Vorurteil geboren: "Amerikaner sind aber oberflächlich!"
Das ist das Missverständnis, denn nur weil man einmal ein nettes Gespräch mit einem Amerikaner hatte, heisst das nocht lange nicht Freundschaft. Da muss man sich schon weiter bemühen, denn beim Amerikaner ist die "zweite Schale" sehr viel schwieriger zu knacken als die erste. Ganz im Gegensatz zum Deutschen, dessen "erste Schale" aus Stahl zu sein scheint, und wenn man die geknackt hat, ist seine zweite aus Papier. Der Amerikaner muss sich bei der zweiten Schale nunmal besser schützen, da so gut wie jeder die erste knacken darf.
2. Interesse am Ausland
Für Deutsche ist es normal, recht gut über Geschehnisse in anderen Ländern Bescheid zu wissen, weil es sich bei Deutschland nunmal um ein kleines Ländchen handelt, das von dutzenden Nachbarn umgeben ist. Viele waren auch schon im Ausland, weil es ja nicht weit entfernt ist.
In den USA ist der Fall ganz anders. Ein riesengrosses Land, mit nur zwei Nachbarländern auf einem Kontinent. Die Amerikaner sind mit dieser Fläche schon mehr als gut beschäftigt, und deshalb drehen sich viele Nachrichtensendungen (nicht alle!) hauptsächlich um die USA selbst, weil es eben schon da sehr viel zu berichten gibt. Die Folge ist, dass die Amerikaner manchmal nicht sehr gut über andere Länder Bescheid wissen, und aus dieser kleinen Naivität schliessen viele Deutsche Desinteresse über andere Länder. ABER: Wer sich einmal mit Amerikanern unterhalten hat, der wird wissen dass sie in der Regel viele Fragen über Deutschland und Europa haben. Meistens reagieren Deutsche auf die Art der Fragen mit Empörung, weil man "das über Deutschland ja wohl zu wissen hat", aber das ist eben nicht so. Deutsche wissen zwar viel über ihre europäischen Nachbarn, und vielleicht auch über die USA (oder sie meinen, gut darüber Bescheid zu wissen), aber was ist mit Ländern wie Thailand oder Kuwait? Da wissen sie genausowenig darüber wie Amerikaner über Deutschland! Und das begründet sich eben aus der Entfernung und dem "alleinsein" auf einem grossen Kontinent.
Ausserdem haben manche der scheinbar "stupid American questions" eingentlich doch ihre Berechtigung! Ein Beispiel hierzu: Ein Deutscher wird von einem Amerikaner gefragt, ob man in Deutschland Kühlschränke hat. Der Deutsche ist geschockt von der Frage und kann nicht verstehen, warum der Amerikaner das in Frage stellt. So weit so gut.
Was aber, wenn der Amerikaner nicht nach einem Kühlschrank gefragt hätte, sondern nach einem Wäschetrockner? Wie müsste da die Antwort lauten? Richtig, der Deutsche müsste wohl oder übel mit "no" antworten. Klar, man KANN natürlich in Deutschland Trockner kaufen, aber die wenigsten Leute HABEN ihn.
Wer es jetzt noch nicht glaubt, hier ist ein anderes Beispiel: was ist wenn der Amerikaner nach "drive-through-banks" gefragt hätte? Die hat man in Deutschland nicht, und man kann sie sich auch nicht besorgen, die korrekte Antwort wäre also "no, we do not have drive-through-banks in Germany!" See what I mean? Angenommen der Amerikaner weiss aus einer früheren Unterhaltung mit einem anderen Deutschen, dass man in Deutschland nunmal keine Wäschetrockner und Drive-Through-Bankschalter hat, dann überlegt er sich später vielleicht, wie das mit Kühlschränken oder Staubsaugern ist, und fragt das dann den nächsten Deutschen den er trifft. Tatsache ist, dass es in Deutschland eben manche Dinge doch nicht gibt, die in den USA selbverständlich sind. Und wie soll ein Amerikaner das bitteschön einordnen können, wenn er noch nie in Deutschland war?
Also, wer den Amerikanern ihre Fragen bereitwillig beantwortet, der wird sehen dass sie sich sehr dafür interessieren was in anderen Ländern so vor sich geht!
3. "Doppelmoral"
Den Amerikanern wird immer nachgesagt sie seien prüde, weil in der Öffentlichkeit bestimmte Dinge verboten sind, wie z.B. Nacktheit. Dann wird behauptet, sie praktizierten Doppelmoral, weil sie dann privat doch wieder ganz anders als prüde seien. Aber das ist eine total falsche Betrachtungsweise.
Erstmal muss man sagen, was Doppelmoral eigentlich ist. Das ist uneinheitliches Verhalten bei ähnlichen oder gleichen Situationen. Somit ist es also Doppelmoral, wenn man in Deutschland "American Pie" ab 12 freigibt, und dann aber bei einem Actionfilm Szenen rausschneidet und ihn trotzdem ab 18 macht. Bei dem einen Thema wird der Jugenschutz so gut wie nicht beachtet (American Pie ist absolut nichts für 12jährige, sondern frühestens ab 16 angebracht!), und bei ein bisschen Gewaltszenen wird total übertrieben.
In Amerika ist vieles in der Öffentlichkeit verboten. Man darf nicht nackt sein, auch nicht am Strand, und auch Kinder möglichst nicht. Im frei empfangbaren Fernsehen darf es auch kaum Nacktheit geben und Schimpfwörter werden zensiert. Das heisst aber nicht dass die Amerikaner prüde sind, denn sie trennen nur ziemlich streng das Leben in der Öffentlichkeit und das Privatleben. Das ist alles. Denn privat sind Amerikaner nicht verklemmter oder prüder als jedes andere Volk auch - es soll halt nur in den eigenen 4 Wänden bleiben, und dagegen ist doch nichts einzuwenden. Wenn man die Sitation dann einmal genau betrachtet, stellt man fest, dass es in Deutschland Gesetze gibt, die einen eher im Privatleben treffen als in Amerika - so sind zum Beispiel in den USA im Bezahlfernsehen pornographische Filme erlaubt, in Deutschland dagegen nicht (nur auf Video). Das wird bei der Diskussion über die "prüden Amerikaner" meistens nicht erwähnt.
Das ganze Geheimnis ist also nur eine strenge Separation von Öffentlichkeit und Privatleben, die in Deutschland z.B. immer mehr verschwimmt (man betrachte nur einmal die geschmacklosen Erotik-Magazine und Schmuddel-News im dt. TV, oder Werbeplakate mit nackten Leuten drauf, die einen Aussenstehenden vermuten lassen, die Deutschen seien ein total perverses Volk!), und das hat zur Folge dass viele Deutsche es gleich als prüde empfinden, wenn man in der Öffenlichkeit auf Nacktheit oder private Themen verzichtet. Es ist einfach eine Frage der Betrachtungsweise.

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