Sozialpädagogin Sylvia Ubbens

Kindererziehung

Sylvia Ubbens, Dipl.-Sozialpädagogin

   

 

Plötzlich Schlafprobleme bei knapp 3-Jähriger

Guten Tag,

ich habe eine knapp dreijährige sowie eine sechs Wochen alte Tochter. Es geht hier um die Ältere.

Unsere Tochter hat seit dem Babyalter immer sehr gut durchgeschlafen und ging sowohl mittags als auch abends außerordentlich gerne ins Bett. Nach einem gleichbleibenden Ritual konnten wir problemlos das Zimmer verlassen und sie schlief ein. Nachdem im November unsere kleine Tochter geboren wurde, gab es in der zweiten oder dritten Woche zwei Abende, an denen sie nicht ins Bett wollte, am dritten Tag war aber plötzlich wieder alles wie immer.

Nun hatte sie vor einigen Tagen offenbar einen Alptraum oder Angst in ihrem Zimmer, jedenfalls kam sie gegen 23 Uhr aus dem Kinderzimmer und wirkte sehr verstört. Sie wollte nicht zurück ins Zimmer. Mein Mann schlief dann in dieser Nacht mit ihr auf einer Matratze in ihrem Zimmer.
An den nächsten Tagen ließ sie sich nur schwer ins Bett bringen und schrie nach uns bzw. meinem Mann, dass er das Gute-Nacht-Lied wiederholen solle und dass sie "raus" aus dem Zimmer wolle. Nachdem ich unsere jüngere Tochter ins Bett gebracht hatte, ging ich, sofern ich unsere Große nicht selbst zu Bett gebracht hatte, wie versprochen nochmal zu ihr, blieb dort noch einen Moment bei ihr und sie schlief dann auch. Das ging aber nur wenige Abende gut. Jeden Tag versuchte sie erneut, das Zubettgehritual zu verlängern, indem mein Mann das Gute-Nacht-Lied öfter wiederholen sollte. Als er schließlich das Zimmer verlassen wollte, fing sie hartnäckig an zu schreien (sie schrie immer wieder den Titel des Liedes). Vor zwei oder drei Tagen saß mein Mann also in dieser Situation auf der Couch und gab vor, ein Buch zu lesen, da alle Versuche, ihr Aufmerksamkeit zu schenken und sie so zu beruhigen, fehlgeschlagen waren. Sie legte sich schließlich mit dem Kopf auf seinen Schoß und schlief ein. Er trug sie dann später in ihr Bett. Als sie nachts aufwachte, schrie sie wieder nach uns, sodass er wieder den Rest der Nacht bei ihr blieb. Am nächsten Abend wollte sie gleich ganz im Wohnzimmer schlafen, jedoch begleitete sie mein Mann stattdessen in den Schlaf, indem er mit ihr in ihrem Bett im Kinderzimmer lag. Ab etwa Mitternacht rief sie erneut und er verbrachte wieder die restliche Nacht bei ihr.

Das Wichtigste scheint ihr körperliche Nähe zu sein, sie schmiegt sich ganz eng an uns und auch Dunkelheit akzeptiert sie momentan nur eng an uns gekuschelt. Ich habe versucht, sie ins Einschlafritual der kleinen Schwester einzubeziehen, jedoch bekam sie sogleich Angst und rannte aus dem Zimmer, als ich das Licht gedimmt habe.

Wir haben nun folgendes Problem: Zum einen können wir nicht so recht beurteilen, ob unsere Tochter aufgrund des Alptraums oder einer Angst nicht mehr (allein) in ihrem Zimmer schlafen mag oder ob es mit Eifersucht wegen ihrer Schwester (die sich sonst kaum zeigt, sie scheint die Kleine sehr zu lieben) zu tun hat oder womöglich beidem. Wir wollen natürlich ihre Bedürfnisse achten, jedoch schläft mein Mann bei ihr sehr schlecht und ich muss wegen des Stillens bei unserem Baby schlafen, das neben unserem Bett in einem Stubenwagen schläft. Unser Bett ist zu klein, als dass drei Personen darin bequem schlafen könnten.

Sie kann nicht genau benennen, warum sie nicht mehr schlafen mag, sie sagt nur "Ich mag nicht schlafen". In der Situation selbst kommt man sowieso nicht an sie heran.

Sollten wir "hart" bleiben und unsere Tochter immer wieder ins Bett bringen? Mir scheint das sehr anstrengend, da sie ja auch nicht im Bett bleibt. Eine Matratze in unserem Zimmer scheint auch nicht ideal, da sie ja kuscheln bzw. klammern will und die Dunkelheit ebenfalls ein Problem zu sein scheint.
Wäre es eine Alternative, die kleine Schwester möglichst bald umzuquartieren, sodass sie sich ein Zimmer teilen? Ab welchem Alter bzw. in welcher Alterskombination kann man das machen? Die Große ist wie gesagt knapp drei Jahre alt, die Kleine jetzt sechs Wochen.

Haben Sie eine Idee, woran die Schlafprobleme liegen könnten oder wie wir es aus unserer Tochter herauslocken können?

Wir sind ziemlich ratlos.

von lolainberlin am 08.01.2019, 13:25 Uhr

 

Antwort:

Plötzlich Schlafprobleme bei knapp 3-Jähriger

Liebe lolainberlin,

viele Kinder im Alter Ihrer Tochter entwickeln Ängste, wenn es um das Schlafen geht. Sei es, dass es zu dunkel ist, irgendwelche Geräusche zu hören sind, böse Träume da sind oder sich irgendwelche Phantasiegestalten im Zimmer aufhalten.

Entwickeln Sie ggf. ein neues, vorübergehendes Einschlafritual. Vielleicht setzt sich der Papa oder Sie sich von vorneherein neben das Bett Ihrer Tochter, bis sie eingeschlafen ist. Alternativ kann eine Matratze im Elternschlafzimmer genauso hilfreich sein. Die Nähe von Mama und Papa, auch wenn diese erst später ins Bett gehen, überwiegt i.d.R. in Bezug auf Dunkelheit oder körperlichen Kontakt.

Meist kann nach ein paar Wochen mit der "Entwöhnung" begonnen werden, da die Angstphase dann wieder vorbei ist.

Manche Geschwister schlafen von Anfang an in einem Zimmer. Ob dies Ihrer Tochter allerdings weiterhilft?! Vermutlich wird ihr die Nähe von Mama und Papa wichtig sein.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 10.01.2019

Antwort:

Plötzlich Schlafprobleme bei knapp 3-Jähriger

Liebe Frau Ubbens,

vielen Dank für Ihre hilfreiche Antwort. Wir haben nun tatsächlich eine Matratze ins Elternzimmer gelegt und es hat zwei Abende gut geklappt.
Wir wissen inzwischen auch, dass sie wohl einen Alptraum gehabt hatte, denn sie hat vorgestern Abend davon gesprochen, dass nachts in ihr Zimmer ein Bekannter von uns kommt, vor dem sie sich neulich extrem erschrocken hatte, weil er nach dem Aufstehen vom Mittagschlaf plötzlich schwarz gekleidet auf unserem Sofa saß und vor dem sie seitdem laut eigener Aussage Angst hat (sie hat ihn nur das eine Mal im letzten Jahr gesehen).
Halten Sie es für sinnvoll, diesen Bekannten in nächster Zeit einmal "zufällig" auf neutralem Boden zu treffen, damit ein positives Erlebnis ermöglicht wird, das die Angst mindert?
Und sie schrieben, dass man nach ein paar Wochen mit der Entwöhnung beginnen könne. Wie geht man da dann am besten vor?

Vielen Dank!

von lolainberlin am 11.01.2019

Antwort:

Plötzlich Schlafprobleme bei knapp 3-Jähriger

Liebe lolainberlin,

ein Treffen mit dem Bekannten auf neutralem Boden ist eine gute Idee. Bereiten Sie den Bekannten entsprechend darauf vor.

Die Entwöhnung können Sie beispielsweise so gestalten, dass Sie sich mit Ihrer Tochter zusammensetzen, ihr erklären, dass sie ... ja nun kennengelernt hat und dieser doch ganz nett ist und sie nun wieder im eigenen Bett schlafen kann. Lässt sich Ihre Tochter darauf ein, sagen Sie ihr gute Nacht und verlassen das Kinderzimmer. Mag sie nicht alleine sein, setzen Sie sich neben das Bett, bis sie eingeschlafen ist. Nach etwa einer Woche gehen Sie weiter auf Abstand und unterhalten sich mit ihr von vor der Zimmertür aus, um sich dann im nächsten Schritt ganz zu "entfernen".

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 11.01.2019

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