Mitglied inaktiv
Hallo Dr. Posth, heute schreibe ich Ihnen wegen meines Sohnes. Mein Sohn (heute genau 10 Monate)macht eine komische Phase durch. Ich kann ihn keine Sekunde alleine lassen, nicht mal um auf die Toilette zu gehen. Ich kann mich noch nicht einmal im gleichen Zimmer umdrehen um etwas aufräumen o.ä. Ich sitze quasi den ganzen Tag bei ihm auf den Boden, ansonsten gibt es großen Geschrei. Er kann krabbeln wie ein Weltmeister und an den Möbeln entlang laufen, aber er kommt nicht hinter mir her und möchte immer auf den Arm. Diese Anhänglichkeit, obwohl ich sie sehr extrem finde, ist glaube ich schon alterstypisch, oder? Zumindest zeigen Babies in seinem Alter - ich kenne bereits sehr viele von der Pekipgruppe usw. - nicht so ein extremes Verhalten. Was mich noch mehr wundert sind seine Wutschreie: wie gesagt, wenn ich mich kurz entferne, wenn ihm etwas nicht passt, etwas nicht sofort klappt oder schnell genug geht, lässt er ein Wahnsinnsschrei los, super hoch und schrill. Das kann manchmal sogar auf dem Arm passieren, oder meiner Meinung nach mal aus dem Nichts, wenn wir einfach friedlich auf dem Boden spielen, und manchmal wenn er langeweile hat oder etwas nicht will. Dadurch kann er schon mal sagen was er möchte, sich vor der großen Schwester behaupten oder Omas lästige Küsse abwehren, aber nicht immer kann man sie identifizieren. Das passiert etwa 60 Mal am Tag und geht richtig an die Substanz. Er sitzt dann auf dem Boden schreit,auch öfter mit geballten Fäusten und zusammengedrückten Zähnen, dass es dann wirklich aussieht wie ein Wutschrei. Meine Tochter (fast 5) stopft sich mittlerweile Taschentücher in die Ohren, weil sie das Geschrei nicht aushalten kann. Ich habe für sie auch sehr wenig Zeit, da er mit nur 1,5 St. Schlaf am Tag zur Recht kommt. Er hatte schon mal eine Kehlkopfentzündung, logisch durch das Schreien. Er ist eigentlich kein schlechtgelauntes Kind. Ich würde sogar sagen er hat ein sonniges Gemüt, lacht auch sehr oft und gerne. Auch kurz nach diesen Schreien lacht er. Ich muss auch sagen, dass er ein sehr tempramentvolles und körperlich auch sehr aktives Kind ist. Auf dem Schoss bleibt er auch nicht länger als 10 Sek. Ich habe das Gefühl seine Spielsachen langweilen ihn zu Tode und er muss jede Sekunde unterhalten werden. In großen Runden fühlt er sich sehr wohl, analysiert erst mal die Menschen und ich bekomme immer wieder zu hören, wie brav doch mein Kind sei. Für die Oma ist er auch das liebste Kind. Sie lachen sich schon mal kaputt über diese Schreie bzw. über sein Temparament. Aber zu Hause stoße ich schon an meine Grenzen. Meine Frage ist, wie soll ich mich Verhalten? Ich habe versucht, soweit es mit einem Baby geht, mit ihm zu reden; etwas lauter und bestimmter auch, damit er merkt, dass mir sein Verhalten nicht gefällt, ich hab versucht nicht sofort auf ihn eingehen, sprich auf den Arm nehmen. Ich kann ihn doch nicht immer auf dem Arm rumschleppen. Wie soll man reagieren? Das Ganze geht schon mindestens 3-4 Monate so, kann man bei einem Baby schon von Wutanfällen sprechen? Danke LG BEngü
Hallo, ja, Wutanfälle sind das schon. diese Wut rührt daher, daß Ihr sohn das Gefühl hat, das Sie ihn nicht richtig verstehen. Krabbelt er oder läuft er vielleicht schon? Wahrscheinlich nicht, und da er, wie sie richtig wissen, jetzt ín das Alter der Anhänglichkeit kommt, ärgert es ihn regelrecht, daß er sich nicht aktiv erreichen kann. Daß er so schreit hat vermutlich zwei Gründe, erstens ist er wohl recht impulsiv veranlagt, zweitens hat er wahrscheinlich nur eine unsichere Bindung an sie aufbauen können. Da er jetzt schon Willensimpulse spürt, möchte er seine Unfähigkeit, ihnen anhänglich zu folgen mit Macht lösen, was ihm aber nicht gelingt. Also schreit er und steigert sich in seine Wut. Sie haben nur die Chance, ihn eine Zeitlang, bis er Ihnen selbständig folgen kann, immer hin und her zu tragen, so daß er Sie in seinem Blickfeld hat. Mit freundlicher Ansprache, einfachen Spielangeboten, etc. wird er mit der Zeit wieder viel ruhiger werden und sich dann auch besser beschäftigen können. Kommen sie aber allein nicht klar, müssen Sie sich an eine Beratungsstelle für Erziehungsfragen wenden, die es in jeder Stadt oder größeren Kommune gibt. Viele Grüße
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