Lena Sophie
Liebe Frau Henkes! Vielen Dank für die Möglichkeit, sich an Sie hilfesuchenden wenden zu dürfen. Es geht um meinen 3,5 Jahre alten Sohn, der seit einem knapp halben Jahr großer Bruder ist. Diese Veränderung setzt ihm zunehmend zu - mein Mann und ich waren vor der Geburt seines Geschwisterkindes sehr eng mit ihm, auch ganz besonders ich, sodass es natürlich sehr verständlich ist, dass ihn die neue Situation so schmerzt und überfordert. Mein Mann, der Papa unseres Sohnes, ist sehr präsent und liebevoll an seiner Seite. Die beiden machen auch regelhaft tolle Ausflüge und Unternehmungen, bauen jeden Tag zusammen Lego etc. Nur ist es leider so, dass unser Sohn eigentlich in jeder Situation erstmal darauf besteht, dass ich übernehme (wickeln/ anziehen/ Zähne putzen/ raus gehen etc.)- die Dinge, die er eigentlich auch schon alleine kann, hat er auch wieder eingestellt. Er scheint regelrecht darum zu kämpfen, dass alles so bleibt wie vor der Geburt des Babys. Er weint, brüllt und ist richtig verzweifelt und wütend, wenn wir dem nicht nachkommen und ist dabei sehr ausdauernd.Ich versuche das dann auch immer irgendwie möglich zu machen, aber das geht natürlich nicht immer. Und ich bin dann oft auch verärgert und genervt, mache es dann trotzdem. Bin mir auch total unsicher, ob es nicht gut wäre,eher darauf zu bestehen und die Gefühlsstürme dann eben mit ihm auszuhalten. Wenn das Baby auf meinen Arm möchte, sagt er auch oft, dass er auch will, er wolle zuerst etc. Ich versuche dann immer beide auf den Arm zu nehmen, sage, dass wir so viel Liebe haben, dass für beide ganz viel da ist. Ich versuche ihm auch immer deutlich zu machen, dass sich viel verändert hat aber wir ihn ganz genauso doll lieb haben wie eh und je. Mit solchen Worten scheint er allerdings noch nicht so wirklich viel anfangen zu können. Sind wir zusammen zuhause, herrscht auch immer eine echt angespannte Stimmung, unser Sohn scheint sehr unter Druck, ist agitiert, „kreist“ förmlich ums Baby, oszilliert zwischen liebevollen Gesten und Grobheit und Beschimpfungen. Er provoziert viel, ist die ganze Zeit angespannt, die Atmosphäre ist manchmal schwer zu ertragen. Wir versuchen dann uns aufzuteilen, was natürlich nicht immer geht. Wir versuchen da sehr an seiner Seite zu sein, es bringt uns nur auch immer sehr an unsere Grenzen, ich reagiere oft gereizt und bin genervt, ermahne oft und fühle mich im Nachgang oft schuldig und zermartere mir den Kopf, wie ich hätte besser und gelassener reagieren können. Ich ertrage dann nicht, wie er ums Baby kreist, greife denke ich zu schnell ein, ermahne ihn, habe auch Angst, dadurch eine potenziell gute Geschwisterbeziehung zu erschweren. Er bestimmt darüber nur wirklich die ganze familiäre Atmosphäre, was immer wieder schwer zu ertragen ist und uns auch immer wieder sehr ärgert. Zudem fällt uns auf, dass er keine Sekunde alleine spielen mag, immer muss einer von uns aktiv mitspielen. Wenn wir dann trotzdem was anderes machen, ihm das auch erklären, weil das Baby/der Haushalt ja auch Aufmerksamkeit braucht und Dinge erledigt werden müssen, macht er oft Mist und zwingt uns darüber wieder in den Kontakt. Alleine in einem Raum mag er auch nicht bleiben, er äußert unmittelbar, dann Angst zu haben. Er macht auch verlässlich nie die Dinge, um die wir ihn bitten, macht meist genau das Gegenteil und hat krasse Wutausbrüche, wenn etwas nicht so klingt wie er es möchte (wobei ich das eher auf eine altersbedingte Phase schieben würde). Es ist auch immer wieder total schön und ausgelassen zusammen, unser Sohn ist insgesamt ein sehr fröhliches, gefühlsstarkes, wildes Kind, wir sind auch froh darum, dass er uns seine Überforderung mit der Situation so zeigt und sich nicht zurückzieht, allerdings sind wir immer wieder ratlos, wie wir ihm da besser helfen können oder ob er vielleicht sogar auch eine psychotherapeutische Unterstützung bräuchte. Geht mein Mann oder ich alleine mit ihm raus (also „exklusiv-Zeit“), entspannt sich die Situation unmittelbar, dann ist er total entspannt, wieder „der alte“ und im Kontrast zu seinem Verhalten zuhause wirklich wie ein anderes Kind. Er geht seit dem er ein Jahr alt ist in den Kindergarten, was immer gut geklappt hat, er hat gute Freunde dort und spielt generell gerne mit anderen Kindern. Zeitgleich zur Geburt des Babys musste er nur leider auch die Kita - Gruppe zu den großen wechseln, was natürlich insgesamt sehr viel Veränderung auf einmal war. Er ist allerdings mit zwei Freunden rüber gewechselt, was alles etwas erleichtert hat. Trotzdem äußert er auch seit dem erstmals, nicht in den Kindergarten zu wollen, ist er allerdings erstmal da, spielt er relativ rasch mit seinen Freunden und hat sichtlich Spaß. Ich wäre Ihnen so dankbar, wenn Sie mir ihre Einschätzung der Situation mitteilen könnten, vielleicht haben Sie Ideen, wie wir ihm besser helfen können und wie es vielleicht und wieder möglich werden kann, dass wir die Zeit miteinander mehr genießen können. Und bitte entschuldigen Sie den langen Text!! Vielen herzlichen Dank und alles Liebe!
Ähnliche Fragen
Hallo Herr Dr. Post, seit 2 Wochen ist unser älterer Sohn (26 MOn., Frühchen aus der 32. SSW) extrem anhänglich und schreit nur noch nach der Mama (auch wenn ich weg bin). Dieses Verhalten ist vollkommen neu bei ihm. Er fremdelte kaum bis gar nicht, ist sehr offen, auch zu den meisten unbekannten Personen, so dass ich bei ihm schon zwischen sich ...
Sehr geehrter Herr Dr. Posth, wir haben derzeit wiederkehrende Probleme mit unserem knapp vierjährigen Sohn. Seitdem sein kleiner Bruder (10 Monate) mobil ist, ist der Große nur noch damit beschäftigt, seine eigenen Spielsachen vor seinem Bruder zu verstecken und dem Kleinen alles wegzunehmen. Dies entspricht Ihren Äußerungen über auftretende Ri ...
Lieber Dr.Posth, wir haben seit kurzem ein zweites Kind und unser Erstgeborenes sucht seither meine Aufmerksamkeit, indem sie das Baby sehr rabiat anfasst, schaukelt usw. Ich versuche solche Situationen ruhig aufzulösen, z.B. hatte sie neulich mit einer Plastikgabel in Babys Gesicht gespielt und ich nahm sie ruhig weg und schlug ihr vor, in ihrem ...
Hallo Dr. Posth Unser Sohn ( 3,5 ) entwickelte sich mit 12 Monaten zum absoluten Schreikind. ( damals war Nr. 2 unterwegs). Er schrie stundenlang, tobte, wütete, trozte! Er hat nie gefremdelt, hat sich von fremden Leuten hochnehmen lassen. Ich hatte oft das Gefühl er hat keine richtige Beziehung zu mir. Mit 2,5 Jahren erreichte die Schreiphase i ...
Hallo Dr. Posth, mein Sohn geht ab Januar(dann 3j.) in den Kindergarten!Ist es empfehlenswert den jüngeren Bruder(dann 15 Monate) zur Eingewöhnung mitzunehemn oder sollte ich versuchen für die Zeit sein Brüderchen bei einer vertrauten Betreungsperson zu lassen?Ist es vielleicht sogar empfehlenswert den Großen noch so lange zu Hause zu lassen bis de ...
Guten Tag, unsere Kinder sind fast 2,5 (Mädchen) und fast 4 (Junge). Sie lieben sich heiß und innig. Doch wenn sie zusammen spielen, dauert es meist keine 5 Minuten und der Streit beginnt. Es geht fast immer um eines der vielen Spielzeuge (oder gerade einen der hundert Legoklötze), das beide gleichzeitig haben wollen. Der Streit geht mal von dem e ...
SgH Dr. Posth, Lukas fast 3Jahre und Anna 15Mon. lieben sich ueber alles wenn sie sich sehen gibt es einen Freudentanz Umarmung und Kuesschen. Lukas ruft "komm Anna zusammen spielen". Das ist morgens, aber bis zum Abend hat Lukas Anna schon so oft geschubst dass sie schon anfaengt zu schreien wenn er sie nur ansieht. Lukas kann nicht alleine spie ...
Habe 2 Jungs ( 4,5 J. und 1,5 J.). Der Große geht das 2. Jahr halbtags gern in den KIGA u. schläft allein in seinem Zi. Der Kleine schläft im ESZ, seinen Tagesschlaf macht er am Vo. Am Na fühlt sich der Große oft vom Kleinen gestört möchte aber nicht allein in seinem Zi spielen, sondern mit mir. Sein Spielzeug darf der Kleine nehmen bis auf Lego 4+ ...
Lieber Herr Dr. Posth, meine zwei Töchter (4 und 6) streiten ständig. Sie können nicht in einem Raum sein, ohne sich zu zanken. Die Kleine will immer mit der Großen spielen, diese aber nur alleine und fühlt sich gestört. Dann fängt die Kleine an die Große zu ärgern und der Streit beginnt. Oft geht es auch darum, dass eine genau das will, was gerad ...
Sehr geehrte Frau Henkes, mein Sohn ist 2,9 Jahre alt und vor fast 10 Monaten großer Bruder geworden. Leider ist er seit ca. einem halben Jahr zunehmend aggressiv gegenüber seiner Schwester (die Tendenz gab es aber von Anfang an), will sie häufig schlagen, wenn sie sich ihm nähert und kann es generell nur schwer aushalten, wenn ich mich um ...