Liebe Frau Henkes!  Vielen Dank für die Möglichkeit, sich an Sie hilfesuchenden wenden zu dürfen. Es geht um meinen 3,5 Jahre alten Sohn, der seit einem knapp halben Jahr großer Bruder ist. Diese Veränderung setzt ihm zunehmend zu - mein Mann und ich waren vor der Geburt seines Geschwisterkindes sehr eng mit ihm, auch ganz besonders ich, sodass es natürlich sehr verständlich ist, dass ihn die neue Situation so schmerzt und überfordert. Mein Mann, der Papa unseres Sohnes, ist sehr präsent und liebevoll an seiner Seite. Die beiden machen auch regelhaft tolle Ausflüge und Unternehmungen, bauen jeden Tag zusammen Lego etc. Nur ist es leider so, dass unser Sohn eigentlich in jeder Situation erstmal darauf besteht, dass ich übernehme (wickeln/ anziehen/ Zähne putzen/ raus gehen etc.)- die Dinge, die er eigentlich auch schon alleine kann, hat er auch wieder eingestellt. Er scheint regelrecht darum zu kämpfen, dass alles so bleibt wie vor der Geburt des Babys. Er weint, brüllt und ist richtig verzweifelt und wütend, wenn wir dem nicht nachkommen und ist dabei sehr ausdauernd.Ich versuche das dann auch immer irgendwie möglich zu machen, aber das geht natürlich nicht immer. Und ich bin dann oft auch verärgert und genervt, mache es dann trotzdem. Bin mir auch total unsicher, ob es nicht gut wäre,eher darauf zu bestehen und die Gefühlsstürme dann eben mit ihm auszuhalten. Wenn das Baby auf meinen Arm möchte, sagt er auch oft, dass er auch will, er wolle zuerst etc. Ich versuche dann immer beide auf den Arm zu nehmen, sage, dass wir so viel Liebe haben, dass für beide ganz viel da ist. Ich versuche ihm auch immer deutlich zu machen, dass sich viel verändert hat aber wir ihn ganz genauso doll lieb haben wie eh und je. Mit solchen Worten scheint er allerdings noch nicht so wirklich viel anfangen zu können. Sind wir zusammen zuhause, herrscht auch immer eine echt angespannte Stimmung, unser Sohn scheint sehr unter Druck, ist agitiert, „kreist“ förmlich ums Baby, oszilliert zwischen liebevollen Gesten und Grobheit und Beschimpfungen. Er provoziert viel, ist die ganze Zeit angespannt, die Atmosphäre ist manchmal schwer zu ertragen. Wir versuchen dann uns aufzuteilen, was natürlich nicht immer geht.  Wir versuchen da sehr an seiner Seite zu sein, es bringt uns nur auch immer sehr an unsere Grenzen, ich reagiere oft gereizt und bin genervt, ermahne oft und fühle mich im Nachgang oft schuldig und zermartere mir den Kopf, wie ich hätte besser und gelassener reagieren können. Ich ertrage dann nicht, wie er ums Baby kreist, greife denke ich zu schnell ein, ermahne ihn, habe auch Angst, dadurch eine potenziell gute Geschwisterbeziehung zu erschweren. Er bestimmt darüber nur wirklich die ganze familiäre Atmosphäre, was immer wieder schwer zu ertragen ist und uns auch immer wieder sehr ärgert.  Zudem fällt uns auf, dass er keine Sekunde alleine spielen mag, immer muss einer von uns aktiv mitspielen. Wenn wir dann trotzdem was anderes machen, ihm das auch erklären,  weil das Baby/der Haushalt ja auch Aufmerksamkeit braucht und Dinge erledigt werden müssen, macht er oft Mist und zwingt uns darüber wieder in den Kontakt. Alleine in einem Raum mag er auch nicht bleiben, er äußert unmittelbar, dann Angst zu haben. Er macht auch verlässlich nie die Dinge, um die wir ihn bitten, macht meist genau das Gegenteil  und hat krasse Wutausbrüche, wenn etwas nicht so klingt wie er es möchte (wobei ich das eher auf eine altersbedingte Phase schieben würde).  Es ist auch immer wieder total schön und ausgelassen zusammen, unser Sohn ist insgesamt ein sehr fröhliches, gefühlsstarkes, wildes Kind, wir sind auch froh darum, dass er uns seine Überforderung mit der Situation so zeigt und sich nicht zurückzieht, allerdings sind wir immer wieder ratlos, wie wir ihm da besser helfen können oder ob er vielleicht sogar auch eine psychotherapeutische Unterstützung bräuchte.  Geht mein Mann oder ich alleine mit ihm raus (also „exklusiv-Zeit“), entspannt sich die Situation unmittelbar, dann ist er total entspannt, wieder „der alte“ und im Kontrast zu seinem Verhalten zuhause wirklich wie ein anderes Kind.  Er geht seit dem er ein Jahr alt ist in den Kindergarten, was immer gut geklappt hat, er hat gute Freunde dort und spielt generell gerne mit anderen Kindern. Zeitgleich zur Geburt des Babys musste er nur leider auch die Kita - Gruppe zu den großen wechseln, was natürlich insgesamt sehr viel Veränderung auf einmal war. Er ist allerdings mit zwei Freunden rüber gewechselt, was alles etwas erleichtert hat. Trotzdem äußert er auch seit dem erstmals, nicht in den Kindergarten zu wollen, ist er allerdings erstmal da, spielt er relativ rasch mit seinen Freunden und hat sichtlich Spaß.  Ich wäre Ihnen so dankbar, wenn Sie mir ihre Einschätzung der Situation mitteilen könnten, vielleicht haben Sie Ideen, wie wir ihm besser helfen können und wie es vielleicht und wieder möglich werden kann, dass wir die Zeit miteinander mehr genießen können. Und bitte entschuldigen Sie den langen Text!!    Vielen herzlichen Dank und alles Liebe!