Vroni_Bi
Sehr geehrte Frau Henkes, ich schreibe Ihnen, weil ich mir im Moment viele Sorgen und Gedanken bzgl des Verhalten meines großen Sohnes (3J) mache. Zu unserer Situation: ich war die ersten Jahre seine Hauptbezugsperson und wir hatten eine sehr gute und enge Bindung, haben Vieles unternommen (Ausflüge, Spielplätze etc), viel gekuschelt, ich bin auf jedes seiner Bedürfnisse eingegangen, war immer für ihn da, habe jeden Wutanfall bestmöglich begleitet und ihm versichert, dass die Gefühle ok sind und ich ihn trotzdem immer lieb habe (man muss dazu sagen, er hatte schon immer ein großes Autonomiebedürfnis und ist sehr gefühlsstark, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung, daher gab es oft große Gefühle und es war durchaus herausfordernd als Eltern damit umzugehen) Im Sommer hatten wir auch eine sehr schwierige Eingewöhnung in den Kindergarten, die ich begleitet habe. Er hat sich sehr schwer getan, sich zu lösen und hatte starke Trennungsängste. Seit 6 Wochen ist er nun großer Bruder und bereits in der Schwangerschaft hat sich eine deutliche "Papa-Phase" gezeigt. Der Papa sollte ihn plötzlich immer ins Bett bringen und wenn er die Wahl zwischen uns beiden hatte, sollte immer der Papa vorlesen oder kuscheln o.ä. Seit der Geburt des Geschwisterchens ist dies noch stärker geworden, mittlerweile darf ich ihn gar nicht mehr ins Bett bringen und wenn er krank oder traurig ist will er nur vom Papa getröstet werden und und und... Ich habe das Gefühl ich habe gar keinen richtigen Zugang mehr zu ihm. Obwohl ich versuche trotz Baby auch viel Exklusivzeit mit ihm zu verbringen und ihm nicht das Gefühl gebe, er ist jetzt nur noch die "zweite Geige". Seit 1-2 Wochen ist noch dazugekommen, dass er, wenn es zu einem Wutanfall kommt, immer ganz laut "Mama weg" oder "Mama geh" schreit, ganz außer sich vor Wut ist und mich schlägt und weg schubst. Vor zwei Tagen hat er auch zu mir gesagt, dass er denkt, dass ich ihn überhaupt nicht lieb habe, was mich extrem traurig gemacht und beschäftigt hat. Dabei zeige und sage ich ihm ganz oft, dass ich ihn unendlich lieb habe und dass die neue Situation mit dem Baby daran nichts geändert hat. Wie schätzen Sie sein ablehnendes und teils aggressives Verhalten mir gegenüber ein, ist das Teil des normalen Loslösungs-Prozess oder steckt etwas anderes dahinter? Muss ich mir deswegen Sorgen machen? Wie soll ich mich am besten verhalten und damit umgehen? Ich mache mir große Sorgen, dass ich irgendetwas falsch gemacht habe und er gar keine Bindung mehr zu mir hat. Und warum sagt er mir, dass ich ihn nicht lieb habe, obwohl ich ihm das in meinen Augen ganz oft zeige und sage? Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus!
Guten Tag, Sie müssen sich keine Sorgen wegen des Verhaltens Ihres Sohnes machen. Er hat die Entthronung durch das Geschwister noch nicht verkraftet und rivalisiert mit ihm. Er muss seinen Platz in der Familie erst wieder sichern, bevor er sich an die neue Familiensituation gewöhnen kann. Kleinkinder verbinden ein neues Geschwister oft mit der Mutter, da diese sich schon durch das Stillen viel um das Baby kümmern muss. Daher wenden sich Kinder häufig verstärkt dem Vater zu, was die Bindung zu diesem intensiviert. Das ist eine wichtige Erfahrung, die für die Entwicklung der männlichen Identität bedeutsam ist. Kleinkinder wehren unbewusste Ängste, wie die Liebesverlustangst, oft aggressiv ab. Ihr Sohn zeigt Ihnen das so deutlich, weil er Sie für den Rivalen verantwortlich macht. Akzeptieren Sie das Verhalten Ihres Sohnes. Es sollte Sie nicht traurig machen oder verunsichern. Behaupten Sie Ihren Platz in der Familie und lassen Sie sich von Ihrem Sohn nicht wegschicken. Dabei sollte Ihr Mann Sie unbedingt unterstützen. Er sollte dem Sohn ebenfalls sagen, dass er Ihre Anwesenheit wünscht und Sie - wie alle Familienmitglieder - dazugehören. Angriffe auf sich sollten Sie nicht zulassen. Ihr Sohn zeigt Ihnen seine Angst, Sie könnten ihn nicht mehr lieben, weil er noch mehr Sicherheit braucht. Sprechen Sie mit ihm darüber, wie Sie ihn seiner Meinung nach von Ihrer Liebe überzeugen können. Vermitteln Sie ihm auch Ihr Verständnis für seine Situation. Sie dürfen sich sicher sein, dass Sie eine gute Mutter sind, die von Beginn an, alles getan hat, um ihrem Sohn eine gute Bindung zu ermöglichen. Diese Bindung ist durch die Geburt des zweiten Kindes nicht zu zerstören. Sie ist vorübergehend irritiert. Ihre Sicherheit kann auf Ihren Sohn wirken und ihm helfen zu neuer Sicherheit und Orientierung in der veränderten Familiensituation zu finden. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
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