Hallokind
Liebe Frau Henkes, ich habe eine Tochter von 1 3/4 Jahren. Sie wurde etwas über ein Jahr lang ganz überwiegend von mir, der Mutter betreut. Mit 15 Monaten kam sie in die Kita, was ganz gut geklappt hat; nur das abgeben war anfangs etwas schwierig weil sie da meist geweint hat. Inzwischen passiert das nicht, aber sie freut sich sehr, wenn ich sie abhole nach ca 6 Stunden dort. Sie war/ist mit der motorischen und sprachlichen Entwicklung relativ schnell gewesen und spricht schon ganze Sätze. Sorgen mache ich manchmal mir wegen ihrem Verhalten uns (den Eltern) und anderen insbesondere kleineren Kindern gegenüber. Sie tritt hier ziemlich dominant auf und hat sehr genaue Vorstellungen, die sie umgesetzt haben möchte. So verlangt sie zb von uns, dass wir ganz bestimmte Lieder singen, machen wir das nicht, wird sie wütend, weint und schreit und wirft sich auf den Boden. Eigentlich stille ich sie nur noch zum schlafen und morgens, manchmal möchte sie das wieder tagsüber. Hier ist sie aber seit neuerem teils zerrissen und will es/ will es nicht, was sie wütend mitteilt. Andere Kinder findet sie super spannend, aber wenn sie ihr eher "unterlegen" sind schubst sie, zieht an den Haaren ... sodass man gut aufpassen muss, damit den anderen Kindern nichts passiert. In der Kita ist sie die jüngste knd meines Wissens nach gibt es diese Probleme nicht. Ich finde die Nachmittage mit ihr oft sehr anstrengend, es ist schwierig zB zu kochen mit ihr, weil sie sich eher kurz alleine beschäftigt und sie einzubinden klappt auch oft nicht, weil sie das Interesse verliert und Vorgaben von mir nicht akzeptiert (zB Du kannst das Ei mit mir aufschlagen und rühren, aber das rohe Ei nicht probieren- das führt zu einem Wutanfall) - das ist in der Kita auch anders. Manchmal habe ich sie schon laut ausgeschimpft. Meist würde ich mich als liebevoll mit ihr beschreiben, aber manchmal verliere ich die Geduld. Auch ist die Atmosphäre nicht imme entspannt - mein Mann arbeitet viel und wir haben kaum Hilfe und wenig Zeit für uns. Sie schläft recht wenig und die kurzen Abende sind mit Haushalt gefüllt. Ich mache mir vorwürfe, ob ihr Verhalten eine Folge meines nicht immer idealen Verhaltens ist. Ich will dazu sagen, dass wir immer auch tolle Stunden und Tage miteinander verbringen. Haben Sie Tipps für uns? vielen Dank und viele Grüße
Guten Tag, im Alter Ihrer Tochter steht für Kinder noch fast ausschließlich die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse im Vordergrund. Rücksichtnahme gelingt kaum. Vermutlich versucht Ihre Tochter daher, ihre Bedürfnisse gegenüber anderen Kindern handfest durchzusetzen. Deshalb müssen Eltern in diesem Alter gut aufpassen, damit niemand Schaden nimmt. Ihre Tochter kann noch keine Einsicht in problematisches Verhalten zeigen. Sie braucht Orientierung durch Sie. Die Entscheidung über das Abstillen können Sie nicht Ihrer Tochter überlassen. Das sollten Sie entscheiden. Ihre Tochter braucht das Stillen zur Ernährung nicht mehr. Zur Beruhigung kann sie zunehmend andere Möglichkeiten kennenlernen. Für Zweijährige ist es noch sehr schwer, Frustrationen auszuhalten. Ihre Tochter kann noch keine Frustrationstoleranz erworben haben. Daher ist die Betreuung ca. Zweijähriger Kinder oft sehr anstengend. Möglicherweise beginnt bei Ihrer Tochter auch allmählich die Trotzphase. Sie können versuchen, Ihrer Tochter Angebote zu machen, die nicht gleichzeitig mit einem Nein verbunden sind. Oft genügt es Kindern, im gleichen Raum wie die Eltern zu sein und die Arbeit der Eltern spielerisch nachzuvollziehen. So können Sie Ihrer Tochter einen Ihrer Kochtöpfe, einen Rührlöffel und eine Zutat, wie Nudeln o.ä., die sie nicht verschlucken kann, geben. Damit kann sie sich in Ihrem Beisein selbst beschäftigen. Sie müssen sich keine Vorwürfe machen, dass Ihr Schimpfen und Geduldverlieren Ursache des Verhaltens Ihrer Tochter ist. Dass es weder hilfreich noch angemessen ist, wissen Sie ja. Ihr Wunsch nach einer Verbesserung des Familienlebens ist verständlich und legitim. Die Veränderungen müssen jedoch bei Ihnen und Ihrem Mann beginnen. Ihre Tochter kann dazu keinen Beitrag leisten. Im Laufe der weiteren Entwicklung wird Ihre Tochter schon lernen, sich mehr selber zu beschäftigen und Frustrationen mit Ihrer Unterstützung leichter zu ertragen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
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