Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Trennungsangst/ Verlustangst

Frage: Trennungsangst/ Verlustangst

Sweetangel95

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Hallo Frau Henkes, ich mache mir derzeit große Sorgen um meine 5 Jährige Tochter. Sie leidet gerade unter extremer Trennungsangst.  Ihr Vater und ich sind getrennt und leben seit 2 1/2 Jahren das Wechselmodel. Wir haben von Anfang an den Kindergarten miteinbezogen. Unsere Tochter macht den Wechsel sehr gut mit. Im Kindergarten wurde schon oft gesagt, dass wenn wir dies nicht mitgeteilt hätten, wäre nie etwas aufgefallen.  Wir haben von Anfang an oft und viel mit unserer Tochter darüber gesprochen. Sie versteht es und genießt ihre Zeit mit dem jeweiligen Elternteil. Manchmal findet sie es doof und dann reden wir auch darüber.  Vor knapp vier Wochen sind wir mit meinem neuen Lebensgefährten in eine größere Wohnung gezogen. Auch hier haben wir sie von anfang mit einbezogen. Sie hat sich ihr Zimmer ausgesucht und die neue Wohnung gefällt ihr auch sehr gut, doch nun will sie uns nicht mehr aus den Augen lassen. Selbst im Kindergarten darf die Erzieherin nirgendwo mehr hingehen, ohne das sie hinterher geht. Sie weint plötzlich sehr schnell, weil sie panische Angst bekommt allein zu sein.  Wir nehmen ihr Angst ernst, fragen uns aber auch woher diese starke Angst kommt. Es zerrt langsam an den Kräften, da auch die Abgabe in den Kindergarten plötzlich mit Klammern und viel weinen verbunden ist. Vor einem halben Jahr noch ist sie einfach reingelaufen. Laut dem Kindergarten klagt sie immer mehr über kopf- und Bauchweh, welches zu Hause dann wie weggeblasen ist.  Zu Hause erzählen wir ihr immer was wir machen, wohin wir gehen (Wäsche in den Keller bringen, Müll raus etc.) und bieten ihr an mitzukommen oder beim anderen zu warten.  Was können wir noch tun um ihr zu helfen?  Liebe Grüße 


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, Ihre Tochter leidet vermutlich an Liebesverlustangst, da Sie nun Ihr Leben mit einem neuen Mann teilen. Nach der Trennung vom Kindsvater hatte sie Sie für sich. Jetzt muss Ihre Tochter lernen zu tiangulieren, d.h. eine Dreierkonstellation zu akzeptieren. Ihre Tochter will Sie im Blick behalten und nicht in den Kiga gehen, um zu Hause aufzupassen, was Sie machen. Sie versucht so die Kontrolle über eine Situation zu behalten, die für sie aktuell bedrohlich ist. Sie hat Angst hat, Sie könnten den Lebensgefährten bevorzugen und sie verlassen. Das ist ein nachvollziehbarer Bewältigungsversuch von Kindern, um sich vor den Schwierigkeiten einer neuen Lebens- und Familiensituation zu schützen. Hier handelt es sich um unbewusste Ängste und Bewältigungsstrategien. Diese können trotz all Ihrer Bemühungen, um eine stabile Grundlage für die neue Situation entstehen. Lassen Sie Ihrer Tochter die Zeit, die sie braucht, um sich auf die neue Situation angstfreier einzulassen. Ihre Unterstützungsbemühungen sind sehr geeignet, ihr zu helfen. Für Ihre Tochter ist es aktuell jedoch auch wichtig, dass Sie nicht merkt, wie ihr Verhalten Sie reizt oder anstrengt. Sie könnte das als Grund verstehen, dass sie etwas falsch gemacht hat und Sie sie deshalb nicht mehr lieben. So würde ihre Angst noch gefördert. Mit der Zeit wird Ihre Tochter mit Ihrer Unterstützung durch gute Erfahrungen wieder zu mehr Sicherheit finden. Dann verschwinden die Ängste und sie muss nicht mehr so stark auf der Nähe zu Ihnen beharren. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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