Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Einnässen als Protest gegen KiGa

Frage: Einnässen als Protest gegen KiGa

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Hallo Herr Dr. Posth, ich habe ein Problem mit meiner fast 4-jährigen Tochter und weiss einfach nicht, wie ich reagieren soll. Sie ist schon seit längerer Zeit sauber und es gibt wirklich nie ein Problem damit, ausser wenn sie in den KiGa soll (sie würde übrigens völlig freiwillig sauber und war auch mächtig stolz auf sich selbst). Aber wenn KiGa-Zeit ist (also immer ausserhalb der Ferien oder Krank-Zeiten) nässt sie sich unheimlich oft ein, manchmal sogar 2x. Inzwischen ist es für mich eindeutig, dass es nur mit dem KiGa zusammenhängt. Aber was tun? Bestrafen nützt nicht viel. Aus dem KiGa nehmen ist für mich keine Lösung, vor allem da es ein toller KiGa ist und sie eigentlich die Erzieherinnen und die meisten der Kinder auch sehr mag. Aber noch lieber will sie halt zu Hause bleiben. Was meinen Sie dazu? Vielen Dank im voraus MiniMama


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, auch wenn Kinder zunächst einmal freiwillig und gerne in den Kindergarten gehen, kann es sein, daß sie sich mit der Zeit in Bezug auf die Anforderungen an das Sozialverhalten überfordert fühlen. Das könen sie natürlich nicht verbalisieren, und so reagieren entweder regressiv, in dem sie sich zurückziehen und weinerlich anhänglich werden oder aggressiv, in dem sie andere Kinder attackieren und zu Hause wieder sehr trotzig werden und provozieren. Z.B. durch Einnässen. Unter vier Jahre ist eben für viele Kinder noch früh, was die Aufnahme in den Kindergarten anbelangt. Es gibt jetzt nur die Möglichkeit, mit dem Kindergarten noch ein wenig auszusetzen, bis der Wunsch vom Kind nach erneuter Aufnahme dringlich kommt, oder man wendet ein Verfahren an, das im wensentlichen der Verhaltenstherapie entspringt. Man fordert dabei das Kind zunächst alle zwei Stunden auf, zur Toilette zu gehen und die Blase zu entleeren, egal, was es gerade tut. Der unangenehme Reiz dabei ist die Unterbrechung des Spiels, etc. Geht das einige Tage gut, kann man auf 3 Stunden erhöhen, und geht auch das gut auf 4. Dann ist man ungefähr da, wie es auch unter Normalbedingungen läuft. Aber der unangenehme Reiz darf erst dann verschwinden, wenn das Kind auch freiwillig wieder zur Toilette geht. Manche Kinder signalisieren das schon nach wenigen Tagen. Von Verstärkern mittels sogenannter tokens halte ich nicht so viel. Hier handelt es sich ja auch nur um eine Rückzugshandlung und nicht um eine Verhaltensstörung. Im Grunde würde ich aber die vorübergehende Aussetzung des Kindergartenbesuchs favorisieren. Viele Grüße


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