Nevena
Liebe Frau Henkes, mich beschäftigt die Frage, bis zu welchem Alter ein Kind (in diesem Fall meine Tochter) ihren Vater für die gesunde psychische und seelische Entwicklung benötigt. Meine Tochter ist 2 Jahre alt und die Beziehung zwischen mir und meinem Mann war schon vor der Geburt sehr schwierig. Er ist leider sehr narzisstisch veranlagt. Ich überlege immer wieder mich zu trennen. Wir streiten allerdings kaum; im Gegenteil wir schweigen uns oft an. Es finden keinerlei Zärtlichkeiten oder liebevoller Umgang statt; eher sachlich kühl. Eigentlich will ich meiner Tochter nicht vorleben, dass das "normal" bzw. "Liebe" ist. Meine Versuche mit meinem Mann offen zu reden, sind leider alle gescheitert. Er hat das leider auch nie gelernt aus dem Elternhaus heraus. Dort wurde grundsätzlich alles unter den Teppich gekehrt. Jedenfalls könnte ich mir schon noch eine Paartherapie vorstellen. Was mich aber umtreibt ist einfach die Frage: wie sehr ich für meine Tochter diesen Zustand "aushalten" soll. Es ist auf jeden Fall aushaltbar; auch wenn ich nicht glücklich mit ihm bin. Eine Trennung könnte ich wohl noch einige Jahre hinauszögern. Allerdings kommt mir dann leider auch dieser Gedanke: Manche Töchter, die kaum etwas von ihrem Vater hatten und auch nie eine "männliche Rückbestätigung" erhalten haben, suchen unbewusst als junge Frau dann nach einem Vaterersatz bzw. ständig nach einer Bestätigung von einem Mann. Habe dazu schon mehrfach etwas gelesen und in diesen Studien/Berichten wurde oft das Alter bis ca. 6 Jahre genannt. Können Sie das so bestätigen, dass mindestens bis dahin ein Zusammenleben wichtig wäre? Der Fachausdruck fällt mir leider nicht ein. Im Falle einer Trennung würde sich mein Mann 100% pflichtbewusst um sie kümmern, das weiß ich. Würde denn das trotzdem ausreichen, auch wenn wir nicht mehr alle unter einem Dach wären? Würde es genügen, dass der männliche Part (ihr Papa) in der Entwicklung und Erziehung grundsätzlich ja dabei ist (auch wenn nur im 2-Wochen Rhythmus) oder müsste es für die gesunde Entwicklung lieber unter einem Dach passieren? Ich hoffe, ich konnte verständlich rüberbringen, worum es mir geht. Haben Sie schon mal ganz herzlichen DANK für Ihre Antwort und Ihr Engagement. Es ist unglaublich wertvoll, hier Fragen an Expertinnen wie Sie stellen zu können. Herzliche Grüße Nevena
Guten Tag, der Vater ist für Töchter (und Söhne) während der gesamten Entwicklung von großer Bedeutung. Allerdings ist eine aktive Vaterschaft nicht an das Zusammenleben der Eltern gebunden. Sie schreiben ja, dass der Vater Ihrer Tochter sich auch bei Ihrer Trennung weiterhin gut um die Tochter kümmern würde. Für Kinder ist eine Trennung der Eltern psychisch oft schwer zu bewältigen. Je bewusster sie diese miterleben, um so belastender können sie diese erleben. Kinder neigen dazu, sich selbst die Schuld für die Trennung zu geben. Wenn es den Eltern gelingt, miteinander über das Kind im Gespräch zu bleiben, Konflikte und Auseinandersetzungen vor dem Kind zu vermeiden und beide sich um das Kind kümmern, verarbeitet ein Kind die Trennung der Eltern leichter. Ich halte es nicht für sinnvoll, dass Sie einen nicht lebenswerten Zustand für Ihre Tochter aushalten. Das wäre für ihre Identitätsentwicklung nicht sinnvoll. Kinder spüren auch in diesem Alter solche Zuschreibungen bereits, auch wenn sie diese noch nicht verstehen. Eine Paartherapie könnte sinnvoll sein, um für Sie alle drei zu versuchen, der Familie eine Chance zu geben. Sollte sich diese nicht realisieren lassen, werden Sie Ihre Entscheidung treffen. Ob Ihre Tochter später nach einem Vaterersatz suchen wird, hängt entscheidend vom Verhalten des Vaters und nicht von Ihnen ab. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
Nevena
Liebe Frau Henkes, ganz herzlichen DANK für Ihre schnelle Rückmeldung!!! Sie haben mir damit sehr weitergeholfen!!! Herzliche Grüße Nevena
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