Sonja_H.
Liebe Frau Henkes! Die Geburt meines Sohnes war für uns drei sehr traumatisch und endete nach 19 Std im Notkaiserschnitt unter Vollnarkose. Ich lernte mein Baby 3 Std nach der Geburt kennen und hab ihm von da an all meine Liebe, mein ganzes Herz geschenkt. Ich stille nach Bedarf und trage ihn von Anfang an.Vor allem das erste Monat haben wir uns komplett zurückgezogen und ihn ankommen lassen. Seit wenigen Wochen (er steckt mitten im 26 Wochen Schub) ist er „ernster“ geworden. Er lächelt mich seltener an, am häufigsten wenn mein Mann ihn im Arm hat, da drängt er zu mir und kann sich vor Freude kaum bremsen. Wenn ich aber mit ihm am Boden spiele und zb über ihm bin, schaut er richtig ernst und unsicher. Manchmal schaut er auch im Aufzug mein Spiegelbild unsicher an und versteckt sich etwas in der Trage - früher hat er sich gefreut. Ich hab so Angst das es ein Problem in unserer Bindung gibt, woran erkenne ich sowas? Liebe Grüße, Sonja
Dr. med. Ludger Nohr
Liebe Frau Sonja, Ihr Sohn hatte einen schwierigen Start in die Welt, aber jetzt zeigt er eine ganz gesunde Babyentwicklung. Er lernt täglich Neues hinzu und das auf allen Ebenen. Nie wieder lernt der Mensch so viel wie im ersten Lebensjahr. Seine Mimik entfaltet sich. Er kann mehr Gesichtsausdrücke zeigen. Ernst und nachdenklich kann er noch nicht sein, weil es dazu die Sprache braucht. Aber er kann schon mal so schauen. Auch die Wahrnehmung entwickelt sich rasant. Ihr Sohn nimmt deutlicher wahr, dass das eine der Papa ist und das andere die Mama. Sie haben andere Stimmen, gehen unterschiedlich auf ihn ein oder bieten unterschiedliche Spiele und Körperkontakte an. Er stellt auch fest, dass die Mutter ganz anders aussieht, wenn er sie von ihrem Arm aus anschaut, als wenn er auf dem Boden liegt. Auch von Vaters Arm aus sieht sie anders aus, aber er erfährt immer und immer wieder, es bleibt die Mutter. Das alles kann er natürlich nicht verstehen und benennen, aber es hilft ihm, die vielen Facetten von "Mama" zusammenzufügen und Sie als Bezugsperson immer differenzierter als stabiles inneres Bild zu verankern. Das Gleiche gilt natürlich für den Vater. So erfährt Ihr Sohn allmählich, sich selbst von anderen Menschen zu unterscheiden. Das ist ein ganz bedeutsamer Entwicklungsschritt. Also alles in Ordnung! Viele Grüße Ingrid Henkes
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