Sylvia Ubbens

Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Liebes Team, ich habe eine 2 1/2 jährige Tochter mit sehr großer Merkfähigkeit, Kreativität und sprachlicher Entwicklung. Sie redet über ihre Gefühle (ich bin so wütend! ich will hier alles kaputt machen!), kann andere einschätzen (spiegeln oder wissen, dass er sich schlecht fühlt), fragt andere "Darf ich mitspielen?" usw. Sie kooperiert beim Aufräumen, macht gerne Quatsch, kategorisiert Dinosaurier in selbsterdachten Liedern. Und irgendwie kommt sie einfach in der Kita sozial nicht gut klar. Eine Zeit war sie mit älteren Jungs (jetzt so 4) zusammen und hat gespielt. Und dann kamen Interessen wie Prinzessin und Heiraten (sie lernt auch viel von anderen / am Modell und die sind in der Vorschule dann schon "verheiratet") und es wurde schwierig. Sie begann dann auch sich aggressiv zu verhalten bzw. haut, springt auf andere drauf usw. Ich erfuhr ca. ein halbes Jahr später davon... Und - mein Glück - zuhause ist es ganz anders. Auch hier will sie am liebsten nackt rumlaufen, aber wir haben Zeit und Geduld eine Lösung zu finden. Ja, sie hat starke Gefühle und ja, sie hat Ideen. Aber sie ist auch sehr zugänglich. Nun ist sie in der Gruppe die Außenseiterin und so wie die anderen sie meiden befürchte ich, dass sie auch teilweise der Sündenbock ist (da sie ja auch zu "Schmarrn" neigt mit Hauen und so). Sie sucht sich immer Beschäftigungen wie Kleider probieren oder Wasserlandschaften machen, aber das ist dann für die Kita schwierig, weil es alles in Unordnung bringt. Dann wird reglementiert und sie in ihrem Kummer alleine gelassen.
Das erste Elterngespräch war nur der Bericht was alles nicht stimmt mit meiner Tochter (als Beobachtung). Am Ende war die Idee einen Fachdienst schauen zu lassen wegen Hochbegabung (gut, kann sein, in der Familie durchweg da). Das zweite weit konstruktiver und wertschätzend. Kurz wurde es durch Integrationsversuche besser. Nun haut sie wieder und ich finde sie weinend nach einer Auseinandersetzung mit dem Personal und es heißt: Wir haben das gerade geklärt. Ja... sie schon... aber meine Tochter ist noch nicht fertig und sitzt hier alleine auf dem Boden und schreit und weint... Ich weiß nicht, wie ich das alles in einer Phase der sozialen Entwicklung finden soll bzw. ich weiß es: Ich mache mir Sorgen.
Darf das denn noch laufen oder soll ich sie rausnehmen? Sie ist ja bald 3 und ich kann ja eigentlich nicht zuhause bleiben um die Kita-Zeit zu reduzieren (7:30-15:00). Aber das ist kaum auszuhalten. Sie wirkt auch unter / überfordert zugleich und hört ganz schlecht, geht auch mit mir beim Abholen kaum mehr in Kontakt. Und zuhause... wie verändert. Ich kenne mein Kind gar nicht dort. Und sie merkt auch den Ausschluss schon und wünscht sich Freunde (die wir privat versuchen zu finden). Was kann ich tun? Wechseln? Auf was muss ich achten? Kann ich Antrag auf I-Kind für soziale Förderung stellen? Was bedeutet das dann? Wird sie dann entlastet und unterstützt?
Ich wollte Hospitieren um die Sorgen zu reduzieren und v. a. die Reaktionen der Gruppe (KInder / Personal) zu sehen und was sie eigentlich genau "falsch" macht. Aber das wird vehement abgewehrt. Obwohl die Kita eine "vorzeige"-Kita ist, wirklich ruhig und sehr geordnet (was gerade nicht so günstig zu sein scheint). Altersgemischt, privat und offenes Konzept mit 35 Kindern in einer Gruppe.
Sie geht noch gerne hin, sagt ich soll jetzt in die Schule und mag besonders die Musik-Stunde von extern.
Was kann ich tun um ihre Ressourcen hier richtig "an den Mann" / die Frau zu bringen? Wie kann ich sie noch stärken? Braucht es einen Wechsel? Soll ich auf Hospitation bestehen?
Danke sehr!!

von Kiwi17 am 30.01.2020, 08:07 Uhr

 

Antwort auf:

Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

Liebe Kiwi17,

Sie schreiben, dass Ihre Tochter reglementiert und in ihrem Kummer allein gelassen wird. Woher wissen Sie das? Macht es auf Sie den Eindruck oder hat jemand Ihnen dies so berichtet? Wann haut Ihre Tochter? Gibt es Auslöser? Fragen Sie bei den Erziehern nach. Fragen Sie auch nach, mit welchen Methoden diese versuchen, Ihre Tochter vom Hauen abzuhalten bzw. wie wird im Anschluß auf das Hauen eingegangen? Bleiben Sie im Gespräch mit den Erziehern und ggf. der Leitung.

Sie schreiben, dass Ihre Tochter nicht integriert ist. Erzählen dies die Erzieher? Kinder unter drei Jahren spielen meist noch nebeneinander her. Ihre Tochter hat vor längerer Zeit mit älteren Kindern gespielt. Ja, da war sie kleiner und schutzbedürftiger und die "Großen" haben sie unter ihre Fittiche genommen. Ihre Tochter ist nun älter geworden und zeigt, dass sie gar nicht so schutzbedürftig ist. Aus dem Grund gehen die "Großen" nicht mehr so sehr auf Ihre Tochter ein. Nun geht der ganz normale Entwicklungsprozess weiter.

Ein Einrichtungswechsel wird vermutlich keine Veränderung bringen. Das wichtigste ist jedoch, dass Ihre Tochter sich wohlfühlt. Sie geht gerne in die Kita.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Tochter etwas anderes braucht, dann stellen Sie sie in einem Sozialpädiatrischen Zentrum vor. Dort wird ganzheitlich auf Ihre Tochter geguckt und mit Ihnen besprochen, was sie braucht oder auch nicht braucht. Ob Frühförderung für Ihr Kind sinnvoll ist, können Sie auch dort besprechen. Das ist von hier aus nicht zu beurteilen.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 30.01.2020

Antwort auf:

Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

Bei unserem ist es sehr ähnlich, auch von den Begabungen her, ebenfalls sozusagen Verdacht auf Hochbegabung und Hochsensibilität, beides erblich. Er ist in einer Montessorikindergruppe, hier das erste Mal gut integriert, bei 3 anderen Gruppen vorher verhielt er sich wie du es von deiner Tochter beschreibst, 10 oder mehr Kindergärten, Tagesmütter, Kindergruppen schlossen wir nach Besuchen dort eigentlich meist sofort kategorisch aus.

von Chillimohn am 30.01.2020

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Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

Wieso ist die Aussage "evt. hochbegabt" nicht wertschätzend? Letztendlich geht es dann doch darum, dass die Kita sehr wohl sieht, dass es andere Gründe als "ist einfach unkooperativ/schlecht erzogen" oä geben könnte und darauf hinweisen.
Wäre das geklärt, könnte die Kita auch entsprechend auf sie eingehen.
Denn das für 1 Kind nicht ständig eine Extrawurst gebraten werden kann und darf, ohne das es zB einen Förderbedarf oder HB oder oder gibt, ist auch klar.
Natürlich sollen die Erzieher auf jedes Kind individuell eingehen bzw. es als Individuum betrachten und entsprechend fördern/fordern - dennoch ist es eine Gemeinschaftseinrichtung, in der es ohne Regeln, an die sich eben alle! halte müssen, funktioniert. Es geht ja genau darum, das Kinder auch lernen, sich in die Gruppe einzufügen. Nicht nur sich und seine eigene Bedürfnisse zu sehen, sich auch mal zurück zu nehmen, Aufforderungen nachzukommen etc. Natürlich kann man darauf zu Hause viel besser eingehen als das in einer Gruppe möglich und auch nicht immer sinnvoll wäre.
Problem mit der HB: in einem so jungen Alter kann das nicht wirklich festgestellt werden. Kinder in dem Alter können in Teilbereichen sehr weit voraus sein - um 1 Jahr später dann aber von den anderen eingeholt worden zu sein und ab da mit "der Masse" weiter zu schwimmen.
Ich verstehe dich auch so, dass ihr zu Hause mit viel Geduld versucht, Lösungen zu finden, bei denen sie stark berücksichtigt wird. Kein Problem - dafür sind Eltern da. Aber evt. ist es es auch gewöhnt, dass es eben letztendlich so läuft, wie sie es gerne hätte? Und es ihr deshalb um so schwerer fällt, sich jetzt in der Gruppe mal zurück zu nehmen? Natürlich ist das fürs ie dann nicht schön - aber Kinder dürfen und sollen auch erfahren/lernen, dass nicht alles, was sie tun auf die Begeisterung anderer stößt und es auch mal für sie unschöne Konsequenzen gibt. Denn klar darf sie nicht auf andere Kinder springen, hauen, schubsen etc - egal ob HB oder nicht.
Da ihr in der Familie offenbar HB habt, würde ich sie mal in einem SPZ vorstellen. Gibt es da klare Hinweise, werdet ihr ja nun auch beraten, wie man damit besser umgehen kann auch im KiGa und es ihr so etwas leichter zu machen.

von cube am 30.01.2020

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Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

Hallo ihr Lieben,
Danke sehr für das schnelle und detaillierte Feedback. Erstmal habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt: Das Personal bei uns ist wertschätzend und empathisch, dessen bin ich mir sicher. Nur wird meine Tochter manchmal nicht so mit ihren Beweggründen und Besonderheiten gesehen. Das merke ich selbst wenn ich zufällig etwas mitbekomme (ich dehne Abholen und Bringen schon extra ein wenig aus, da ich ja nicht hospitieren usw. darf). Das mit dem Hauen und der Gruppe habe ich vom Fachpersonal in einem Elterngespräch nach fast einem halben Jahr (in dem es wohl schon so lief) erfahren. Ich habe es ja zuhause nicht gesehen - da ist ja alles normal. Eine Erziehungsberatung war nun auch schon einmal da zur Beobachtung und das mit dem Außenseitertum / gemieden werden und alleine spielen (nun auch nicht immer so sichtlich mit Material usw. sondern auch oft gedanklich und im eigenen Rollenspiel) war da auch gesehen worden.
Natürlich muss die egozentrische Sicht erst noch irgendwie entwicklungstypisch überwunden werden. Und natürlich kann man nicht auf andere hüpfen - gerade kleinere Kinder. Da sie sehr groß ist mache ich mir da schon Sorgen, denn das ist ja für niemand gut. Es ist für mich auch irgendwie komisch, dass sie das nicht in der Kita lernt. Manchmal - muss ich leider sagen - macht sie aber auch grobe Erfahrungen (ich habe ein Vorschulkind mehrmals beobachtet wie es meine Tochter und ein anderes kleineres Kind körperlich angegangen hat) und lernt ja natürlich daraus. Gerade aus so "neckischem" Spiel, das evtl. auch eher abweisend gemeint ist (z. B. mit dem Fuß gegen die Fußkante meiner Tochter treten und dabei lachen --> meine Tochter meint dann es ist ein Spiel und lacht und macht mit, er tritt natürlich immer weiter, weil es ja irgendwie auch spielerisch ist... schwierig zu beurteilen für mich wo hier der Weg ist).
Reglementieren - das habe ich selbst beobachtet und wurde mir eben von Kindern auch so zugetragen, dass sie es eben "bemerken", dass vieles nicht erlaubt ist. Oft erzählt meine Tochter, dass geschimpft wurde wegen... und ich frage mich oft, was da der Punkt war. Regeln sind wichtig. Aber die müssen auch mitgetragen werden von den Kindern. Sonst werden sie doch zur leeren Worthülse. Auch Regeln müssen immer wieder angepasst und partizipativ angedacht werden, würde ich mal so sagen. Meine Tochter merkt auch zuhause schnell wenn ein Nein oder eine Regel willkürlich oder nur zur eigenen Vereinfachung gesetzt werden. Wir sprechen auch darüber.
Dadurch ist sie sicher mehr Möglichkeiten gewöhnt als in der Kita. Das müsste aber doch nur mit dem Personal Probleme geben, nicht unbedingt mit den Kindern. Die wollen sich doch auch ausprobieren und kreativ und selbstständig sein oder? Ich versuche sie ernst zu nehmen in ihren Gefühlen und auch zu unterscheiden, ob sie wirklich traurig oder leidend ist (z. B. weil die KLeider ihr zu heiss / zu viel auf der Haut sind) oder es um Willen durchsetzen geht. Wenn sie sagt, dass die Kleider kratzen, dann kann das vieles heissen. Das herauszufinden ist manchmal zeitaufwendig. Bei 35 Kindern natürlich fast unmöglich. Dann bleiben die gleichen Kleider halt an. Wenn sie aber eine sehr empfindsame Wahrnehmung auf der Haut hat und die Temperatur über Zimmertemperatur liegt, dann fühlt sie sich einfach unwohl. Wir sind beide auch Neurodermitikerinnen... Aber es scheint mir schon so, dass sie manchmal natürlich Prinzessin (und dann eben auch auf der drückenden Erbse) ist... < Und auch da frage ich mich... Ist dass denn nicht normal? Bei uns gibt es doch viel Nein oder... machen wir es doch so... das geht nicht, weil... aber wie könnten wir es machen ohne dabei.... Schließlich hat sie einen kleinen Bruder und wir auch nicht unendlich finanzielle Mittel, wodurch vieles nicht so möglich ist wie sie es sich vorstellt (z. B. liest sie gerne Kataloge und sieht sich gerne Bilder von Kleidern an, die wir dann zusammen analysieren (Was ist das für ein Kleid? Wann zieht man das an? Wer zieht das an? usw.).
Ich werde jetzt mal in einem Zentrum anfragen und die Erziehungsberatung, die nun schon daran arbeitet. Auf jeden Fall merke ich, dass es sie beschäftigt. Und das darf es ja auch. Aber manchmal ist es auch schwer für sie. Das merke ich eben auch. Und wenn zwei sensible Menschen da sitzen und über eine schwierige soziale Situation nachgrübeln... dann kommt manchmal auch ein bisschen Traurigkeit dazu.
Ich glaube, dass ich ein gutes Team habe. Vertrauen ist ja der wichtigste Baustein. Wenn ich nur besser wüsste wie es ihr dort geht wäre vieles einfacher einzuschätzen und klarer. Vielleicht sollte ich doch nochmal nach Hospitation fragen?
Danke sehr auch für die vielen Ideen!!

von Kiwi17 am 31.01.2020

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Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

Ach so... erste Frage leider vergessen zu beantworten: Dass sie alleine mit Kummer ist habe ich selbst gesehen und herausgehört.
Zwei Situationen in denen meine Tochter einen "Einfall" hatte zu dem es keine klaren Regeln gibt und es dann zur Reglementierung kam, die meine Tochter nicht so integriert hat und dann geweint und protestiert hat:
1. Einmal hat sie den Mittagstisch mit Wasser gedeckt - also in jeden Teller ein wenig Wasser und dann am Boden, um drin rumzuplatschen. Kleider weg (soll ja nix nass werden) und platschen. Und da wurde dann geschimpft und sie wollte sich nicht mehr anziehen mit Weinen und Protest. Sie wurde dann in die andere (im Haus sind zwei Gruppe aber beide offen und man kann alle Räume nutzen) Gruppe begleitet und hat dort gegessen und geschlafen, weil die Fachkraft eine "Auszeit" brauchte von ihr (wurde Tochter so gesagt).
2. Tochter zieht sich an und aus und nimmt sich dazu Kleider aus ihrem Fach. Leider überall die abgelegten Kleider liegen gelassen und dann irgendwann die Unterhose als einziges Kleidungsstück angehabt. Es gab Ärger und sie sollte sich anziehen. (Sie will meist nackt sein und das ist auch zuhause tatsächlich DAS Thema. Aber dort kann sie die Kleider auch wieder aufräumen nach Ansage und akzeptiert irgendwann auch Grundbekleidung). Sie weinte und Schrie alleine im Bad. Ich kam. Schaute. Ich ging ins Bad und nahm sie und fragte was los sei. Fachkraft kam dazu und erklärte mir den Auslöser. Erstmal nur... sie zieht sich immer um... dann dachte ich erst: Das ist eben grade ihr Interesse und ihr Empfinden. Dann kam noch: Ja, aber sie schmeisst alles ünberall rum und ist dann ausgekühlt. Da lag also der Hase im Pfeffer. Es sei aber schon geklärt gewesen. Und da hatte ich jetzt eben nicht das Gefühl. Denn sie weinte ja ganz arg und schrie gegen die offene Türe. Für sie war es eben noch nicht geklärt. Sie konnte damit nicht leben wie es war. Und das meinte ich mit alleine mit Kummer. Sie bräuchte viel mehr Zweigespräch. Das geht nicht immer - weiß ich ja und jedes Kind braucht eben seine Zeit. Aber wenn jemand weint und schreit finde ich es komisch ein 2 1/2 -jähriges Kind allein im Bad sitzen zu sehen ganz verzweifelt... Ist das normal? Sehe ich das übertrieben? Kann ja sein, denn ich bin zum ersten Mal Mutter einer 2 1/2-jährigen Tochter.

von Kiwi17 am 31.01.2020

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Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

Ich kann deine Überlegungen und Sorgen verstehen. Natürlich möchte man das Beste für sein Kind und leidet ja mit ihm, wenn man merkt, wie schwer es sich mit einigen Dingen tut oder eben nicht die Aufmerksamkeit, di m an selber geben würde erfährt.
Manchmal machen wir uns aber auch zu viele Gedanken bzw. möchten zu viel helfen im Sinne von "es soll ihr doch gut gehen/sie soll damit nicht alleine sein".
Ich glaube, da erwartest du zu viel von einem KiGa.
Das spielt nämlich schon mit in die Richtung "sich in eine Gruppe einfügen können/mal zurück nehmen können" rein.
Ich kann dir versichern, es wäre in unserem KiGa und anderen mir bekannten KiGa´s generell unterbunden werden, dass ein Kind sich ohne Grund umzieht, schon gar nicht mehrfach.
Stell dir vor, das würde nun geduldet - was meinst du, wieviele Kinder das dann auch aus Spaß machen würden. Nackt herum laufen würde ganz sicher gar nicht geduldet werden. Das ist es etwas, was man zu Hause tun kann.
Hier würde ich übrigens im SPZ davon erzählen, damit auf Hochsensibilität geschaut werden kann. Dann wäre das etwas anders . Nicht, das man es dann dulden müsste im KiGa - aber die Herangehensweise wäre eine andere als bei einem Kind, das sich einfach nicht an die Regel hält "keiner läuft einfach mal nackt herum".
Für die Erzieher ist das so: sie haben die Sache geklärt - und die Kinder müssen eben lernen, dass sie nicht unbeschränkte Aufmerksamkeit bekommen weil sie immer weiter Theater machen. Natürlich kann man kurz trösten - aber letztendlich würde ich mit immer weiter dabei bleiben und gut zureden dein Eindruck stärken, dass man so zwar nicht bekommt was man will, aber zumindest ungeteilte Aufmerksamkeit. So kann ein Kind aber keine Frustrationstoleranz entwickeln.
Ebenso das Thema "Tisch decken". Wasser in alle Teller gießen - ok, kann man noch als gut gemeint sehen und freundlich erklären, das das Wasser doch in die Becher gehört. Aber Wasser auf den Boden gießen, sich ausziehen und darin rummatschen ist dann eher etwas, wo es eben ein Schimpfen für gibt. Denn idR wissen Kinder in dem Alter bereits, dass man Wasser nicht in der Wohnung/Räumen auf den Boden gießt um damit zu spielen.
Das es ihr Interesse ist, ist eben genau der Punkt: IHR Interesse muss aber auch mal zurück stehen können. Und zwar nach und nach ohne das es deswegen 1 Stunde lang weinen und toben gibt.
Ja, sie muss eben auch lernen, dass ein Thema beendet sein kann für das Gegenüber auch ohne ihre Zustimmung.
Dazu kommt noch etwas anderes: Kinder in dem Alter lügen nicht - sie erzählen nicht mit Absicht Dinge, die ihnen zum Vorteil gereichen. Aber: sie erzählen Dinge so, wie sie sie verstanden haben. Und das muss eben nicht zwangsläufig sein sein, was wirklich gesagt odergetan wurde.
Wenn deine Tochter also sagt "die Erzieherin brauchte eine Auszeit von mir" kann es sehr gut sein, das sie das so interpretiert hat - tatsächlich hat die E aber vermutlich gesagt "ich glaube, wir brauchen mal eine kleine Auszeit/du brauchst mal eine kleine Pause".

Kleines Beispiel dazu: unser Kind erzählte mal, es dürfe im Kiga nichts mehr essen/durfte nicht weiter essen. Tatsächlich war die Ansage "Wir gehen jetzt alle raus. Also nehmt euch alle doch ein Stück Obst wenn ihr mögt und dann bitte nichts mehr".

Ich glaube - ohne das böse zu meinen! - ihr seid sehr darauf bedacht, es so angenehm wie möglich für euer Kind zu machen bzw. ihr sehr sehr entgegen zu kommen. Das ist dann natürlich ein krasser Gegensatz zum KiGa, in dem das einfach nicht geht und auch gar nicht Sinn und Zweck ist.

Ich bin aber sehr gespannt, was der Termin im SPZ ergibt. Ich denke, egal welches Ergebnis dabei heraus kommt, es wird sowohl euch als auch den Erzieherinnen helfen, das Ganze besser einzuschätzen und entsprechend zu handeln. Ob das mehr Entgegenkommen auf Grund einer Hochsensibilität oder Hochbegabung ist oder alles ganz normal und man eben doch ein bisschen mehr auf Regeleinhaltung bestehen muss - trotz Tränen.

von cube am 31.01.2020

Antwort auf:

Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

Dein Kind ist Teil einer Gruppe. Es ist wie alle anderen auch, eben ein Kind und nichts besonderes. Möchtest Du Förderung ohne Ende; dann stelle Zuhause einen Pädagogen ein der Eurem Erziehungsstil entspricht. Gerade die Beispiele klingen für mich nach verzogen und auch die Beschreibung des Kindes klingt für mich normal (Merkfähigkeit, Sprache, Gefühle einsortieren).

Unser Kind ist was Entwicklung betrifft nicht anders, es hat nur gelernt sich in einer Gruppe einzufügen. Ich würde das Kind mal als Kind betrachten , weniger Bamborium machen. Alles Gute.

von HeyDu! am 31.01.2020

Antwort auf:

Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

HeyDu!, das dachte ich auch. Das Kind klingt für mich gut entwickelt, aber nicht unbedingt hochbegabt. Eher so, als würde es sich zu Hause alles um seine Bedürfnisse drehen. Das ist im Kiga natürlich nicht möglich. Wasser überall hinzuschütten ist ein No Go, und das darf auch das Kind lernen.
Nur frage ich mich, warum ist denn ein Kind mehrmals so lange unbeaufsichtigt, dass es immer wieder solche Sachen anstellen kann ...?

von Kekskopf am 01.02.2020

Antwort auf:

Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

Stimmt, ein Unding. Auf 12 Kinder haben wir einen Gruppenerzieher, einen gruppenfreien Erzieher + FSJ'ler oder Praktikant...

Da würde das Kind beim Ausziehen des Oberteils schon ein "NEIN" hören oder eben beim ersten Teller Wassersuppe.

Wer weiß.

von HeyDu! am 01.02.2020

Antwort auf:

Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

Liebe Kiwi17,

meine Vorrednerin cube hat sehr detailliert und gut geantwortet. Dem kann ich nichts mehr hinzufügen. Geben Sie der Situation Zeit und stellen Ihre Tochter wie geplant im SPZ vor.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 03.02.2020

Antwort auf:

Wie kann hochbegabtes Kind in Kita Anschluss finden?

Liebe Antwortende,
ich danke euch für die Einschätzung, das nehme ich auf jeden Fall ernst und schaue jetzt einfach mal was kommt. Ich glaube, dass es sich schon bessert.
Mich wundert eben, dass es zuhause so anders ist und sie Verständnis zeigt, kooperiert und auch besser damit leben kann, wenn Dinge eben nicht gehen, weil sie z. B. gefährlich sind oder der kleine Bruder jetzt nicht kann/schäft usw. Das ist ja auch schwierig.
Übrigens hat meine Tochter nicht erzählt, dass eine Auszeit nötig war. Das habe ich von der Fachkraft selbst erfahren. Ich glaube auch, dass ich es einfach zu schwer genommen habe, auch, weil es in der Familie einfach so viele Verwandte betroffen hat, einige Leidensgeschichten gibt und wir so spät und unglücklich davon erfahren haben.
Ich habe mir jetzt alle möglichen alternativen Einrichtungen angesehen und glaube, dass wir einen wirklich sehr empathischen und im Umgang ruhigen Kindergarten haben. Ich hoffe auch auf etwaige "Diagnosen" oder eben Ausschlüsse bzw. Einschätzungen, die vielleicht nochmal den ein oder anderen "Kniff" entdecken lassen. Hochsensibilität nehme ich auf jeden Fall mit (an der Sorge merkt man ja vielleicht auch, dass bei mir auch vieles "rein"geht und man erst lernen muss wie man das bei Kindersorgen einordnet.
Wenn es eine Stärkung der Anpassungsfähigkeit geben sollte, dann wäre das zumindest ein Ziel, was man sich setzen sollte und ich denke nicht, dass es durch Reglementieren alleine getan ist. Da muss man sich schon was einfallen lassen. Nicht jedes Kind fügt sich einfach in die Gruppe ein - und auch die Beobachtung hat was positives. Ich glaube nicht, dass jedes Kind Regeln wie sein Hemd nicht einfach wechseln mit eigenen Kleidern akzeptieren muss. Es ist ein Richtwert an dem sich die eigene Urteilsfähigkeit doch entwickeln muss. Ich habe ein dickes Fell und setze lieber weniger, dafür dringende Regeln und warte mehr auf die Ideen meiner Kinder, damit wir das zusammen entscheiden können. Sie wollen von selbst lernen, mitmachen und niemand ärgern mit ihrem Verhalten. Das steckt ja normal im Kind drin. Sie wollen ja auch Teil der Gruppe sein zu einem gewissen Grad. Wenn es nicht läuft, dann mache ich mir schon Gedanken auch um die Gruppe. Denn von 35 Kindern ist bestimmt nicht nur eins zuhause "verhätschelt". Zumal ich eine Zeit fast alleinerziehend war, mit zwei kleinen Kindern, wir nicht alles kaufen können, ich mehrere Arbeiten gleichzeitig integrieren musste (auch nachts) sehe ich nicht die Möglichkeiten, dass sie immer alles angenehm serviert bekommen hat. Ich achte sehr darauf Grenzen zu setzen und überlege mir abends oft, wie der Tag dementsprechend war und wo es hingeht. Gerade jetzt.
Vielleicht ist es einfach so, dass gewisse Formen von Individualität erwünscht sind und bestimmte eher unterdrückt werden, weil sie den Ablauf erschweren. Wir brauchen aber bei jedem sein kleines Stück "Individualität". Mein Sohn räumt gern mit auf, ist als erster bei der Spülmaschine und kann Stunden mit einem Ball beschäftigt werden. Seine Interessen sind aber nicht mehr zulässig wie andere. Es tut keinem weh ein Wasser-Rollenspiel zu entwickeln (Wasserverschwendung?), wenn man lernt es wieder aufzuräumen. Der Künstler im Atelier macht es auch nicht anders. Man kann trotzdem rücksichtsvoll sein.
Ich war z. B. wie oben auch in einem integrativen Montessori-Kindergarten und -Schule. Das war für mich der Raum mich mit Begleitung und Wertschätzung zu entwickeln und man war sehr offen für meine Kreativität. Im Gymnasium durfte ich kaum Ideen entwickeln (auch wenn sie manchmal eben im ersten Schritt unorthodox sind) und war dann Schulverweigerin. Eine sehr reglementierende Haltung wäre bei mir nicht mehr mit "Wärme", sondern nur logisch. Ich mir auch Gedanken gemacht und dann was ausprobiert und zugelassen. Z. B. mit Jesper Juul und das war nicht authentisch. Ich merke, dass meine Tochter das merkt. Mein Sohn nimmt das eher an und sieht mehr, dass ich es sage. Meine Tochter merkt wirklich stark, was ich sage, warum ich es tue und so weiter. Sie sagt ja auch oft: Nein, du darfst nicht schimpfen. Ich bin lieb. Das ist so und so und so und erklärt mir die Sache. Hmm... Dann erklärt man seine Sicht. Und muss sich auf ein Miteinander einlassen. Sowas kann ich nicht ignorieren, sie soll sich ja selbst ein Urteil bilden und ich füge halt noch dazu, was sie vielleicht noch nicht weiß oder wo es noch egozentrisch ist.
Wie gesagt - ich glaube, dass wir einen sehr guten Kindergarten haben und nur eine schwierige Phase insgesamt. Ich danke euch und war eben interessiert was in einem offenen Forum dazu gesagt wird.
Ahso, ob ein Kind hochbegabt ist oder nicht kann man natürlich hier nicht feststellen. Ihr Wortschatz oder die Fähigkeit Kategorien zu bilden, Buchstaben zu lesen o. ä. kann ich hier nicht vorführen. Ich verlasse mich auf die Beschreibungen aus der Kita oder auf das, was andere sagen, die sie kennenlernen. Vieles verwächst sich ja auch, das wird dann schon.

Lieben Dank!!

von Kiwi17 am 08.02.2020

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