Sylvia Ubbens

Weinen und Klammern bei Krippen-Eingewöhnung

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Sehr geehrte Frau Ubbens,

Ich hoffe Sie können mir einen Rat geben. Mein Sohn (18 Monate alt; Stillkind) geht seit 3 Wochen in die Krippe (2 Betreuerinnen auf max. 9 Kinder). Die ersten 2 Wochen liefen ganz gut: Fabian weinte beim Abschied kurz und ließ sich sehr schnell beruhigen. Bei der Abholung lachte er immer und wollte mir dann immer zeigen, mit was er alles gespielt hat. Insgesamt wirkte er entspannt. Insgesamt bleibt er nun (langsam gesteigert) 4 Stunden in der Krippe.
Seit 2 Tagen ist es allerdings so, dass er mich bei der Verabschiedung nicht loslassen will und bitterlich weint. Eine wirklich unschöne Situation für uns beide - ich muss ihn förmlich losreißen und der Erzieherin in die Arme drücken (sie meinte lieber kurz und knackig als es in die Länge zu ziehen). Er beruhigt sich nach einer viertel Stunde zwar, weint aber auch sofort los, wenn ich ihn abhole. Und ich bin nun total verunsichert und frage mich ob ich unsere Bindung aufs Spiel setze bzw. ob er sich im Stich gelassen fühlt. Gerade bei einem so unschönen Abschied. Intuitiv würde ich ihn gerne trösten und umarmen, nur dann wird das vermutlich nie mit der Loslösung klappen, oder? Ich versuche beim Abschied selbst entspannt und ruhig zu bleiben.
Weint er bei Abholung weil er so gestresst ist? Hätte ich bei der Verabschiedung anders reagieren müssen? Ich sage immer "viel spaß beim Spielen - ich hole dich dann nachher ab und dann kuscheln wir". Sein Stofftier ist immer dabei. Kann eine einmalige unschöne Situation ein Kind traumatisieren?

Ich würde mich sehr freuen von Ihnen zu hören. Vielen Dank vorab.

von Stolzeste_Mama am 25.06.2019, 10:37 Uhr

 

Antwort auf:

Weinen und Klammern bei Krippen-Eingewöhnung

Liebe Stolzeste_Mama,

da Ihr Sohn sich beruhigen lässt und dann friedlich spielt, ist alles in Ordnung. Ihr Sohn hat am Anfang die Abwechslung geliebt. Alles war neu und aufregend. Nun stellt er fest, dass die Krippe zur "Routine" wird und Mama jeden Tag weggeht. Das macht ihn beim Abschied traurig, ist aber, wie schon geschrieben, völlig in Ordnung. Würde Ihr Sohn im Laufe des Vormittags immer wieder weinen, wäre er überfordert und es sollte überlegt werden, die Betreuungszeit noch einmal zu kürzen. Da dies scheinbar nicht so ist, muss auch kein Schritt zurückgegangen werden.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 27.06.2019

Antwort auf:

Weinen und Klammern bei Krippen-Eingewöhnung

Hallo,

man muss es ganz ehrlich sagen, dass viele Kinder unter drei Jahren Trennungen von der Mutter überhaupt nicht gut verkraften. Sie haben kein Zeitgefühl, sie wissen nicht, wann und ob Mama wiederkommt. Dass tausende Kinder in Krippen gehen, heißt nicht, dass es gut für sie ist.

Die Frage ist jetzt, ob die Krippenbetreuung Deines Sohnes ein Muss ist. Wenn Du wieder berufstätig bist und das nicht aufschieben kannst, dann muss Dein Sohn durch diese Belastung eben hindurch. Er wird es auch irgendwie verkraften, wie die anderen Kinder, die früh in die Krippe gehen, auch. Ganz ohne Schaden oder Vertrauensverlust in die Welt geht das manchmal nicht ab.

Wenn Du aber noch warten könntest und die Betreuung nicht absolut notwendig ist, würde ich ein so junges Kind noch nicht abgeben. Selbst wenn die Familie dann weniger Einkommen hat, denn Geld kann manche Dinge nicht aufwiegen. Meine eigenen Kinder taten sich mit drei bzw. dreieinhalb Jahren noch schwer im Kiga, sie schafften es so gerade eben und nur mit der sog. Sanften Eingewöhnung, bei der ich sechs Wochen mit dort geblieben bin.

Übrigens wird die sanfte Eingewöhnung auch von Entwicklungsforschern schon seit Jahrzehnten sehr empfohlen. Hauruck-Abschiede gelten als überholt und schädlich. Da sie für die Kitas aber am bequemsten sind, werden sie den Müttern immer noch als „am besten fürs Kind“ verkauft.

LG

von Bonnie am 25.06.2019

Antwort auf:

Weinen und Klammern bei Krippen-Eingewöhnung

@Bonnie: Und mal wieder eine Antwort auf eine Frage, die nicht gestellt wurde. Sie wollte nicht deine Meinung hören zur Frage, ob ein kleines Kind in die Krippe gehört oder nach alternativen Lebensentwürfen. Also behalt deine Meinung einfach für dich und versuch nicht, anderen Leuten ein schlechtes Gefühl zu machen.

@Stolzeste Mama: Mach dir keinen Kopf. War bei meinen Zwergen ganz genauso. Sie sind mit 13 Monaten in den Kindergarten gekommen. Es hat lange gebraucht, bis ich sie mir bei der Verabschiedung nicht mehr aus den Armen reißen musste und sie bei meinem Wiederkommen nicht mehr geweint haben. War nicht schön. Aber ich habe den Pädagoginnen vertraut, die mir gesagt haben, dass sie es die ganze Zeit lustig haben, spielen und essen und lachen. Das Weinen war halt nur für mich. Wenn sie mich gesehen haben, ist ihnen eingefallen, dass es eigentlich eine Frechheit ist, dass Mama sie allein gelassen hat. Daher das Weinen bei der Begrüßung am Nachmittag. Mittlerweile sind sie 2,5 und lieben den KiGa und es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass wir eine gute Bindung haben. Wenn dein Zwerg spielt und gut drauf ist, während du weg bist, ist alles ok. Problematisch wäre es nur, wenn er dauernd nach dir weinen würde.

von Schnecki2014 am 26.06.2019

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Weinen und Klammern bei Krippen-Eingewöhnung

Hallo Schnecki2014,

Vielen Dank für dein Mitgefühl. Hat mich wirklich etwas beruhigt. Ja, er ist gut drauf, wenn er erstmal die Trennung überstanden hat. Er ist nachmittags sogar richtig fröhlich und sagt "ja" er will wieder in die Krippe, wenn man ihn fragt. Am Morgen ist das meist dann wieder anders. Wie habt ihr den Abschied gestaltet?

von Stolzeste_Mama am 26.06.2019

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Weinen und Klammern bei Krippen-Eingewöhnung

Mein Mann hat mit der Eingewöhnung begonnen und ist im Wesentlichen zwei Monate bei ihnen im Gruppenraum gesessen. Es hat sich einfach nichts verbessert. Manchmal haben sie mit der Pädagogin Kontakt aufgenommen, sind dann aber sofort wieder auf seinen Schoß. Dann musste mein Mann wieder arbeiten gehen und ich habe übernommen. Ich habe mir das zwei Tage angeschaut bin und dann einfach beinhart gegangen. Am Anfang hab ich mich in ein Kaffeehaus in der Nähe gesetzt, um gleich wieder da zu sein, wenn der Anruf kommt, dass sie sich nicht beruhigen. Aber dieser Anruf kam nie. Die Steigerung auf Essen und dann dort schlafen war überhaupt kein Problem mehr. Aber es hat trotzdem geschätzt 3 Monate gedauert (nach meinem ersten Gehen) bis sie beim Abschied nicht mehr geweint haben. Und da ich gewusst habe, sie beruhigen sich schnell, hab ich sie immer zwei Pädagoginnen in die Hand gedrückt und bin gerannt. Hat mir oft sehr weh getan, aber ganz ehrlich, ich habe keine Sekunde das Gefühl, dass das unserer Bindung oder ihrem Vertrauen geschadet hat. Es sind ganz normale fröhliche und offene Kinder.

Und wenn deiner sogar sagt, er will wieder in die Krippe, dann passt das alles. Augen zu und durchhalten, was anderes kann ich dir leider nicht empfehlen. Ihr beide werdet keinen Schaden davon tragen, egal was fundamentale Krippen-Gegner manchmal behaupten.

von Schnecki2014 am 27.06.2019

Antwort auf:

Weinen und Klammern bei Krippen-Eingewöhnung

Ich hoffe es wird morgens mit der Zeit besser.
Es ist schön zu wissen, dass man nicht allein ist und auch andere Mamis ähnliches durchmachen. Danke für deinen Rat.

von Stolzeste_Mama am 27.06.2019

Antwort auf:

Weinen und Klammern bei Krippen-Eingewöhnung

Sehr geehrte Frau Ubbens,

Vielen Dank für Ihre Antwort. Das beruhigt mich wirklich sehr. Nun bin ich deutlich entspannter.

Viele Grüße

von Stolzeste_Mama am 30.06.2019

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