Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

12 Monate alt mag keine Kartoffeln und Nudeln

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo,

unsere Tochter ist fast 13 Monate alt und schon immer schwierig beim Essen gewesen.
Sie mochte nie Brei, hat immer nur wenig vom Familientisch mitgegessen. Und sie will sich auch nicht füttern lassen (außer Joghurt, sonst nimmt sie nichts vom Löffel - auch nicht mit "Tricks").

Das Problem: Sie mag keine Kartoffeln und keine Nudeln.
Eigentlich koche ich viele Kartoffelgerichte, zumal ich auch noch einen 2-jährigen habe.
Reis mag sie, allerdings sieht danach die Küche und auch meine Tochter katastrophal aus, da sie ja nur mit den Händen essen will. Im Anschluss muss ich also meine Tochter immer baden (da Reis in den Haaren etc) und auf der Kleidung mühselig den Reis abzupfen. Daher mache ich Reis auch nicht so häufig...

Ist es sehr dramatisch, dass meine Tochter keine Kohlenhydrate in Form von Kartoffeln/Nudeln isst?

Am liebsten würde sie nur Rohkost essen: Heidelbeeren, Kaki, Johannisbeeren, Äpfel, Tomaten, Gurken, Mandarinen, Orangen, Birnen (insgesamt also sehr Obstlastig).
Und sie isst Brot, aber auch nur bestimmte Sorten. Nur gelegentlich nimmt sie Blumenkohl oder Brokkoli.

Ansonsten wird sie noch 2-3x täglich gestillt.

Mein Mann hat ihr letztens eine rohe Kartoffel gegeben - die mochte sie gerne und hat sie auch komplett aufgegessen. Darf ich ihr rohe Kartoffeln geben?
Eigentlich mag sie fast nichts gekochtes... das macht ihr schwieriges Essverhalten für uns noch komplizierter.

Vielen Dank vorab für Ihren Rat!!

von E@B am 29.11.2017, 18:47 Uhr

 

Antwort auf:

12 Monate alt mag keine Kartoffeln und Nudeln

Hallo E@B
lass deine Tochter teilhaben an euren Familienmahlzeiten und lass sie diese in authentischer Weise miterleben.
Kinder lernen essen durch Gewöhnung, durch eigene Erfahrungen mit den Speisen, durch Spiel, durch Beobachtung und Nachahmung der anderen Mitesser. Regelmäßige und gemeinsame Mahlzeiten bei Tisch sind eine gute Voraussetzung dafür, dass eure Tochter bald mehr und mit Spaß einfach mit isst. Überlege dir, welche Speisen eure typischen Familienspeisen sind, welche ihr auch in Zukunft regelmäßig essen wollt. Daran kannst du sie langsam, in kleinen Schritten, durch wiederholtes Anbieten, gewöhnen. Mit diesem Potpourri an vielen verschiedenen Lebensmitteln und dem Angebot einer vielseitig gestalteten Kost plus Milch (stillen), wird deine Tochter gut mit allen Nährstoffen versorgt.
Startet morgens mit einem Frühstück, das du ihr jeden Tag in voerst jeweils gleicher Weise anrichten (eine Brotsorte, ein Belag, in klein mundgerecht portionierten Häppchen) kannst. Auch wenn sie nicht am ersten Tag beherzt zugreift und isst, wird sie es, nach einer zunächst optischen Gewöhnungszeit, doch irgendwann tun und ein Stückchen in den Mund nehmen und darauf herum lutschen. Wenn sie hungrig ist und ihr die Konsistenz, das Mundgefühl nicht zuwider ist, dann wird sie mehr nehmen, kauen und schlucken,
Damit deine Tochter mitessen und größere Mengen mit essen kann, muss sie natürlich hungrig sein. Da du beim Stillen keine Kontrolle darüber hast, wie viele Kalorien sie zu sich genommen oder gerade getrunken hat, kann der Appetit und Hunger stets verschieden groß oder klein sein.
Achte einfach auf erlebnisreiche Mahlzeiten bei Tisch, die deiner Tochter das Mitessen ermöglichen. Lass sie ein Teil eurer Essgemeinschaft werden, in dem du ihr die Möglichkeit gibst einfach mit zu essen. Das geschieht zunächst durch das Beobachten der bei Tisch/auf dem Teller zur Verfügung stehenden Speisen und durch die anderen Personen ringsum, welche ebenfalls etwas essen. Lasst eure Tochter immer und immer wieder an euren Speisen riechen, lasst sie diese befühlen, lasst sie schmecken.
Momentan findet sie vor allem Gefallen an Rohkost, besonders an Obst. Das ist ausbaufähig und zeigt euch auf jeden Fall, dass sie bereit ist, stückige Kost und Familienkost zu essen. Setze hier ganz auf Routine und ergänze die beliebten und sich bereits bewährten Speisen mit den üblichen Familienspeisen.
Wenn deine Kleine eine Sorte Brot mag - prima - gib ihr diese Sorte immer und versuche langsam, in steigender Menge eine neue Sorte auf ihrem Teller zu etablieren.
Kinder müssen sich an Vieles langsam herantasten. Essen lernen ist ein länger dauernder Prozess, den man als Eltern liebevoll und streng aber in jedem Fall auch emotional begleiten muss.
Sehr gut klappt dies durch das authentische Vorleben. Wenn ihr also häufig Kartoffeln/Nudeln esst, dann gib deiner Tochter einen Teller mit eben diesen Speisen. Warte, was sie damit anstellt. Sie wird es wohl zunächst ansehen, in die Hand nehmen und damit spielen. Das ist gut, denn es ist eine erste Annäherung. Über Gefallen oder Nichtgefallen entscheidet sie selbst. Im Mund hat sie viele Rezeptoren, die diese Bewertung übernehmen. Nur was "passt", wird auch akzeptiert. Was heute nicht "passt", kann aber durchaus morgen besser "passen" und übermorgen schließlich richtig gut "passen". Eine einmalige Ablehnung ist keine Ablehnung für immer. Auch ein dreimaliges Ablehnen ist keine endgültige Meinung.
Je öfter deine Tochter die Gelegenheit erhält etwas zu probieren, sei es mit dem Mund oder einfach nur durch Befühlen mit den Händen, desto besser.
Da du deine Tochter stillst, kann sie weiterhin ihren Nährstoff-und Kalorienbedarf mit Mumi decken, wenn sie zusätzlich die Möglichkeit erhält Familienkost mit zu essen, wird sie sich langfristig zu einer guten Esserin entwickeln. Sie kann sich langsam, in ihrem Tempo an Neues wagen und daran gewöhnen, um sich ein sog. Geschmacksgedächtnis aufzubauen, was ihr ein Leben lang von Nutzen sein wird. Das Geschmacksgedächtnis reguliert u.a, auch den Appetit.
Biete ihr neben neuen Geschmackseindrücken auch stets neue Konsistenzen und Texturen. Viel mehr als Geschmack ist doch das Mundgefühl von großer Bedeutung.
Erkennst du hier ein Muster bei deinem Kind?
Was charakterisiert ihre momentan bevorzugte Rohkost?
Wie servierst du ihr diese?
In faustgroßen Stücken zum perfekten Greifen mit der Hand?
In kleinen Stücken zum Aufnehmen via Pinzettengriff?
Auf einem bestimmten Teller oder klein geschnitten, zerdrückt?
Zu bestimmten Zeiten, in besonderen Situationen? Bspw von Papa direkt in die Hand gedrückt?

Wichtig!
Deine Tochter sollte alle Speisen gefahrenfrei essen und schlucken können.
!

Die Zeit jetzt, ist eine sehr wertvolle Zeit, die für dein Kind auch in Sachen Essen mit großen Lernfortschritten charakterisiert sein wird. Nutze diese Chance und zeige deinem Kind eure Esskultur in all ihren Facetten.
Zelebriert eure Mahlzeiten gemeinsam am Esstisch sitzend. Biete Farben, Formen, Muster, Düfte, Aromen, Geschmacks, Spaß!
Essen lernen ist ein stetiger Prozess, der wie das Laufen lernen und das Sprechen ganz viel Übung bedarf. Die motorischen Fähigkeiten müssen verfeinert werden und auch das Essen fördert das Zusammenspiel der Muskeln und trainiert die Kraft - auch in der Kaumuskulatur.
Mehr als nur Milch und Brei zu essen/trinken ist für (d)ein Kind im Gesamten betrachtet ein wichtiger Schritt in der Entwicklung. Es geht neben dem Nährwert der festen Nahrung auch um das spielerische Entdecken der verschiedenen sensorischen Eigenschaften von Lebensmitteln.
Pflege ruhig gewisse Gewohnheiten im Speiseplan und füge langsam, durch Neugier und mit Spaß immer mehr und Neues hinzu. Lass deine Tochter viele neue Esserfahrungen machen.

Also dann
Grüße
Birgit Neumann


P.S. An der rohen Kartoffel (einmalig) zu naschen, ist schon okay. Die Stärke der rohen Kartoffel ist für den Menschen i.d.R. jedoch unverdaulich und kann zu Bauchschmerzen/Durchfall führen - kleine Mengen sind aber unbedenklich.

von Birgit Neumann am 01.12.2017

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