Midori
Sehr geehrter Herr Doktor Costa, ich bin in der 35. Ssw und mache mir sehr große Sorgen, dass ich mich und mein Kind mit Listerien infiziert haben könnte. Vor und zu Beginn der Schwangerschaft habe ich mich vegan ernährt, dann habe ich mich dazu entschieden, wieder Vegetarierin zu werden und letzten Endes habe ich mich, meinem Kind zuliebe, vor ein paar Wochen sogar dazu entschlossen, Fisch zu essen. (Da bei mir Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert wurde, musste ich meine Ernährung umstellen.) Meine Wahl fiel auf Räucherlachs. Ich habe seit Ende April bis vor ein paar Tagen (mehrfach wöchentlich) von abgepackten , heißgeräucherten in der Kühltheke gelagerten Lachsfilets gegessen. Ich habe die einzelnen, wiederverschliessbaren Packungen immer so von innerhalb drei Tagen verzehrt. Der Fisch wurde natürlich im Kühlschrank aufbewahrt. Bei der letzten Packung handelte es sich um eine Art Lachsjerky, bei der ich mir, was die Zubereitungsart (vielleicht nur kaltgeraeuchert) betrifft, unsicher bin. Ich hatte mich bereits zu Beginn meiner Schwangerschaft über zu vermeidende Lebensmittel informiert und habe in meinen Ssw-Ratgebern nie etwas davon gelesen, dass auch geräucherter Fisch Tabu sein soll. Nun hatte ich aber beim Verzehr des Lachsjerkys ein ungutes Gefühl und durch meine Internetrecherche erschreckend viele Ergebnisse zu der Listeriengefahr durch Räucherlachs bekommen. Am Tag nach dem Verzehr hatte ich dann tatsächlich leichten Durchfall und zwei Tage danach bekam ich eine Erkältung, allerdings ohne Fieber und Gliederschmerzen. Als ich am ersten Tag der Erkältung wegen einer Routineuntersuchung bzgl. des Schwangerschaftsdiabetes bei meinem Arzt war, wurde ich nur damit beruhigt, wie selten Listeriose doch sei und dass er in all seinen Berufsjahren noch keinen Fall erlebt habe. Hier in Alaska (Ich bin vor fast drei Monaten dorthin ausgewandert.) sei hoher Fischkonsum (inkl. geräucherte Fischsorten) auch bei Schwangeren üblich. Weitere Recherchen meinerseits haben leider ergeben, dass die Firma von der ich ausschliesslich den Lachs kaufte, vor drei Jahren Produkte aufgrund Listerienbefalls zurückrufen musste. Nach langer Geschichte nun meine Fragen an Sie: 1. Welche (nichtinvasive) Testmethode ist für einen evtl. Listeriennachweis am besten? 2. Falls ich mich angesteckt haben sollte, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch mein Kind Listeriose hat? 3. Falls ich an Listeriose erkrankt sein sollte (Erkältung ist noch akut, dritter Tag) und sich mein Kind in der Ssw nicht anstecken sollte, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei der Geburt ansteckt? 4. Da ich durch Diabetes und Jnsulintherapie mehrfach in der Woche zum CTG und Ultraschall muss, frage ich mich ob über diese Verfahren eine evtl. Erkrankung an Listeriose bei meinem Kind festgestellt werden könnte. Wie schätzen sie das ein? 5. Stimmt es, dass die meisten Listerien, die bei Räucherlachs bisher gefunden wurden, garnicht für den Menschen gefährlich sind? Ich danke Ihnen schon mal für die Zeit, die Sie sich zum Lesen genommen haben und für die Beantwortung meiner Fragen. Ich mache mir wirklich ernsthafte Sorgen um mein Kind.
Als erstes möchte ich Ihnen sagen, dass der Verlauf nicht typisch für eine Listeriose ist. Einschränkend muss ich allerdings sagen, dass es schwer ist, von "typisch" im Falle einer Listeriose zu reden, weil diese Erkrankung alles Mögliche machen kann oder auch nicht... Zu Ihren Fragen: 1. Es gibt zwar Testmethoden im Blut und im Stuhl, diese sind aber allesamt nicht ganz zuverlässig. Aufgrund Ihrer Vorgeschichte und Ihrer Angst würde ich Ihnen empfehlen, Beides durchführen zu lassen - Blut- und Stuhl-Untersuchung. Vor allem die Blut-Untersuchung (Antikörper-Bestimmung) sollten Sie gleich und etwa nach 2 Wochen machen lassen, damit man einen Verlauf hat. Wenn die Werte gleich bleiben, ist eine Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen. 2. Wenn Sie selbst die Infektion haben, kann sich auch Ihr Kind anstecken. Ich kann nur sagen, dass die Wahrscheinlichkeit gegeben ist - wie hoch sie ist, weiß man nicht. 3. Durch die Geburt selbst wäre die Wahrscheinlichkeit nur dann höher, wenn Sie eine vaginale Infektion mit Listerien hätten. Dafür haben Sie mir keinerlei Hinweise geliefert. So etwas kann man mit einem Vaginal-Abstrich diagnostizieren. 4. Frühzeichen im Ultraschall gibt es nicht. Mehr Ultraschalluntersuchungen sind niocht unbedingt zielführend. 5. Das stimmt nicht ganz, vor allem, wenn die Infektion im eigenen Kühlschrank passiert ist. Noch etwas - wenn die kleinste Unsicherheit besteht, sollten Sie eine Behandlung mit Amoxicillin über 10 Tage bekommen.
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