Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Umsetzung Grenzen und Regeln

Frage: Umsetzung Grenzen und Regeln

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Hallo Herr Posth, 1.Welche und wieviele Regeln und Grenzen sind für eine 1jährige angemessen? Wir lassen unsere Tochter grundsätzlich mit allem spielen, was in unserer Wohnung zu finden ist, was uns Kommentare wie „antiautoritäre Erziehung“ einbringt. Natürlich gibt es Ausnahmen. Z. B. Telefon, Messer, Blumen sind tabu. Ich sage ihr dann deutlich (mehrmals) „nein“ oder „Finger weg“, halte ihre Hand fest und schaue sie ernst an. Manchmal lacht sie mich (aus Verlegenheit?) dann an. Dann weiß ich nicht, wie ich reagieren soll. Ein anderes mal hört sie. 2.Sind Kinder, die mehrere Bezugspersonen haben, also ihr Vertrauen auf mehrere Personen stützen können, im Umgang mit anderen offener? Ich persönlich denke, dass die Anzahl der Bezugspersonen eine untergeordnete Rolle spielt, hätte aber gern ihre Meinung gelesen. Vielen Dank und ein dickes Lob für ihre Arbeit im Forum, Claudine


Dr. med. Rüdiger Posth

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Stichwort Regelverständnis mit 1 Jahr Liebe Claudine, zunächst einmal ist der Anspruch, mit einem 1jährigen Kind Regeln aufzustellen noch etwas zu hoch gegriffen. Den Begriff "Grenzen setzen" verwende ich auch nur ungern, da er viel mit überkommenen Vorstellungen von Kindererziehung zu tun hat. Da man also mit 1jährigen nicht wirklich Regeln und Grenzen aushandeln kann, denn dafür fehlt ihnen noch einiges an kognitiv-logischem Verständnis in die Dinge und die Zusammenhänge, muß man als Eltern seinen Haushalt so absichern, daß a) dem kind nichts passieren kann und b) man nicht dauernd irgendwelche Verbote aussprechen muß. Neugier und Interesse des Kindes treiben es dazu, möglichst alles in die Hände zu bekommen und auf seine Zerlegbarkeit hin zu untersuchen. Es wird auch noch alles in den Mund genommen. Für diesen Zweck, der ja sehr wichtig für die Erfahrungswelt des Kindes ist, also Begreifen, Auseinandernehmen und auch Anlutschen und Schmecken, müssen noch ausreichend Dinge in der Wohnung zur Verfügung stehen, an die das Kind gelangen kann. Jedes Kind entwickelt nun Vorlieben für bestimmte Schränke, die noch zu öffnen sind, oder Räume, in denen spannende Dinge zu finden sind. Wie gesagt, alles Gefährliche oder Empfindliche (Wertvolle) muß außer Reichweite gebracht werden. Kommt nun immer wieder ein Verbot durch die Eltern, repräsentiert im Wort "Nein!", dann erlebt das 1jährige diese Eingriffe zunächst wie ein neues Spiel und möchte dieses auch fortgesetzt spielen. Es freut sich sogar, wenn die Mutter oder der Vater immer wieder damit anfangen. Erst die böse Mimik der Eltern und die konsequente Verhinderung der angestrebten Handlung vermitteln dem Kind langsam die inhaltliche Botschaft des "Neins". Darauf müssen Eltern vorbereitet sein. Strafen oder Klapse auf die Finger verbieten sich aus diesen Gründen, wie auch aus Gründen des sanften Miteianderumgehens unter Verzicht auf jede Gewalt. Ihr 2.Frage würde ich so beantworten, wie Sie es schon selbst vorweg genommen haben. Hinsichtlich des Vertrauens sind die frühen Bezugspersonen die wichtigsten Menschen im Leben eines Kindes. Viele Grüße


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