Iris_
Lieber Dr. Nohr, unsere Tochter (17 Mon.) macht das Einschlafen plötzlich zum Drama und ich weiss nicht, was jetzt richtig ist. Es kommt nun alle paar Wochen zur kompletten Änderung ihrer Gewohnheiten. Sie schläft im eigenen Zimmer. Auch wenn sie mal nicht sofort einschlafen konnte, ist sie recht ruhig geblieben und konnte sich gut selbst regulieren. Ich saß bis vor einem Monat immer mit im Zimmer. Mal dauerte es 10 Min., mal eine Std oder länger. Vor einem Monat wollte sie es plötzlich nicht mehr dunkel haben (bis dahin brauchte sie Dunkelheit) und schläft ohne mich ein - und zwar viel schneller. Alles super und sie schläft dann immer genau 12 Std. Nun brüllt sie sobald sie ein paar Min. im Bett liegt. Egal, ob sie alleine ist oder nicht. Sie ruft nach Papa, wenn ich da bin und umgekehrt. Im Grunde möchte sie, dass wir uns alle auf das Bett setzen und Bücher gucken. Einer von uns macht es dann auch, aber sie hält es 3 Std. oder länger aus. Wenn man sie zwdurch in ihr Bett legt, brüllt sie wieder. Sie ist definitiv müde, wenn wir sie hinlegen. Wie kann sich ihr Verhalten auf einmal so grundlegend ändern? Sollen wir ihrer Bitte nachkommen? Ich bin dann eher passiv, lasse sie Bücher gucken und lege mich ruhig zu ihr. Mein Mann redet mehr mit ihr. Warum klammert sie so? Warum weint sie so verzweifelt, wenn sie schlafen soll? Sollen wir 2 oder 3 Std. mit ihr Bücher gucken?
Dr. med. Ludger Nohr
Hallo, Entwicklung ist kein stetiger Prozess in Richtung besser zu funktionieren, sondern eine Achterbahn mit vielen Kurven, Auf-und Abfahrten, sowohl für Kinder wie für Eltern. Das bedeutet, dass Kinder, je nachdem was sie beschäftigt, besorgt, stört usw. verschieden reagieren und sich verhalten. Das kann auch so ablaufen wie von Ihnen beschrieben und ist dann schon eine Prüfung für die Eltern. Es geht dann m.E. nicht darum alle Wünsche zu erfüllen, sondern einen gemeinsamen Weg zu finden, also einen, der für beide geht. Das könnte so aussehen, dass Sie(oder der Vater) am Bett sitzen wenn sie nicht schlafen kann, aber weder gespielt noch endlos gelesen wird. Die verbale Begleitung könnte in "liebevoller Klarheit" z.B. so aussehen: "Ich kann jetzt bei dir sitzenbleiben wenn du das magst, aber wir spielen oder lesen jetzt nicht mehr. Ich kann dir noch eine letzte Geschichte erzählen und dann bleibe ich noch ein bißchen da." Oder ähnlich. Es geht darum das Bedürfnis anzunehmen und/aber einen situationsgerechten Weg zu finden. Das kann auch mal Ärger oder Geschrei hervorrufen, aber Sie sind ja da, es ist keine unzumutbare Situation. Ich beschreibe das so ausführlich, weil diese Haltung immer wieder wichtig ist, gemeinsame Lösungen zu finden. Sonst bleibt immer eine/r verärgert/beleidigt/enttäuscht zurück. Dr.Ludger Nohr
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