Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Kind hat keine Lust etwas zu machen und lässt sich nicht erklären

Frage: Kind hat keine Lust etwas zu machen und lässt sich nicht erklären

MaDaS

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Guten Morgen Frau Henkes! Ich mache mir Gedanken/Sorgen bzgl. meinem Sohn (5,4 Jahre). Er ist normal entwickelt und hat noch einen kleinen Bruder (2,5 Jahre). Vormittags ist er im Kindergarten und sobald er zu Hause ist, ist ihm langweilig! Er sagt es oft genug und manchmal schlage ich ihm Sachen vor, welche er machen kann oder lass ihn einfach langweilig sein, aber meistens sitzt er dann nur da und macht nichts oder ärgert den Kleinen. Er hat noch nie alleine spielek können und hat immer mich an seiner Seite gebraucht und am liebsten möchte er, dass ich mit ihm spiele, das hat er auch gesagt, nur geht das eben nicht, da mich der Kleine auch braucht und ich nebenbei im Haushalt auch etwas machen muss. Im Haushalt mithelfen will er nicht. Mit Bausteinen oder LEGO will er nichts bauen, mit seinen Fahrzeugen will er nicht spielen, denn diese darf niemand angreifen und er hat es im Kleiderkasten versteckt. Wenn wir raus gehen, dann muss ich ihn dazu zwingen, denn alleine lassen kann ich ihn nicht. In den Winterferien war bzw. ist ihm jeden Tag langweilig. Etwas alleine oder gemeinsam mit mir zeichnen, malen oder basteln will er auch nicht, denn das mag er überhaupt nicht. Manchmal frage ich mich, wie es in der Schule sein wird, wenn er nicht zeichnen/malen möchte und er wirklich nicht zeichnen kann. Er muss ja kein Künstler sein, aber ganz einfache Dinge wie Baum oder Wolke sind unmöglich und selber sagt er auch, dass er zeichnen,... nicht mag. Buchstaben oder Zahlen will er auch nicht schreiben, zwar zwinge ich ihn nicht dazu, aber ich mache den Vorschlag. Er lässt sich auch nichts zeigen bzw. einfacher erklären. Er hält zum Beispiel den Bleistift falsch in der Hand und ich hab ihm gezeigt, wie man es richtig hält, darauf hat er nur gesagt, dass er weiß wie man den Stift richtig hält und das seins richtig ist und meins falsch. Wenn wir Brettspiele spielen, dann will er nicht so spielen wie in der Beschreibung, sondern so, wie es für ihn gerade passt. Bei manchen Spielen ist dies zwar möglich, aber ich hab auch keine Lust nur nach seinen Regeln zu spielen, denn er will ja nur nicht verlieren. Und wenn ich vorschlage, einmal nach den Spielregeln und einmal nach seinen zu spielen, dann passt das für ihn nicht. Er lässt sich auch nicht darauf ein, gemeinsam nach einer passenden Lösung zu suchen. Entweder es ist so , wie er es will oder er macht nicht mit, das ist mit allen Sachen so. Ich möchte zum Beispiel auch, dass er dieses Jahr einen Schwimmkurs macht, da er im Sommer schon einen gemacht hat und er noch mit Schwimmnudel schwimmt, da er Angst hat, aber die Technik beherrscht. Er will aber keinen Schwimmkurs machen, da er lt. seiner Aussage schwimmen kann. Ich habe ihm erklärt warum es wichtig ist ohne Schwimmhilfe zu schwimmen, aber er bleibt bei seiner Meinung, dass er schwimmen kann. Ins Kinderturnen für größere Kinder möchte er auch nicht gehen, obwohl er sich gerne bewegt und es ihm Spaß macht, aber in die Gruppe mit seinem kleinen Bruder will er gehen. Er hat irgendwie keine Lust etwas zu machen. Wenn ich oder jemand anderes ihm etwas zeigen möchten, dann hört er nicht zu und wird wütend. Jeden Tag erkläre ich ihm auch, dass er BITTE sagen muss, wenn er etwas haben möchte, aber er hält sich die Ohren zu, sobald ich anfange zu reden. Es macht mich traurig zu sehen, dass andere Kinder in seinem Alter viele, neue Sachen dazulernen und auch bereit sind es zu tun, nur mein Sohn nicht.  Er sagt jetzt schon, dass er sich auf die Schule nicht freut und er am liebsten zu Hause bleiben möchte. Ich will ihn zu Hause auch nicht zwingen irgendetwas zu machen/spielen was er nicht will, aber ich mache mir schon Gedanken darüber, wenn ich sehe, dass er nichts tut und sich nichts zeigen/erklären lässt. Woran liegt das Ganze und was kann ich tun bzw. ändern? Vielen Dank. LG Daniela 


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, möglicherweise hat Ihr Sohn die Entthronung durch den jüngeren Bruder noch nicht genügend verarbeitet und regrediert daher auf ein frühkindlicheres Niveau. Er möchte ja in den Turnkurs seines Bruders. Nach Ihrer Beschreibung schafft Ihr Sohn unbewusst Situationen, in denen nichts gelingen soll. Alleine spielen will er nicht. Mit Ihnen spielen will er auch nicht, weil alles nicht so abläuft, wie er will. Dieses Dilemma ist nicht zu lösen - weder von ihm noch von Ihnen. Das können Sie Ihrem Sohn spiegeln. "Ich weiß jetzt auch nicht weiter, wenn für dich alles nicht richtig ist. Überleg doch mal, was dir wenigstens ein bisschen gefallen könnte." Da das Nichtstun oft mit dem Ärgern des Bruders endet, ist zu vermuten, dass Ihr Sohn psychisch noch sehr mit der Rivalität zu diesem beschäftigt ist. Es könnte hilfreich sein, wenn Sie ihm viele Tätigkeiten ermöglichen, die ihn selbstbewusst und zufrieden mit sich machen. Das kann auch der Vater übernehmen, indem er dem Sohn Tätigkeiten anbietet, bei denen er sich männlich mit dem Vater identifizieren kann. Wenn Ihr Sohn mehr Selbstwertgefühl entwickelt hat, wird er den jüngeren Bruder nicht mehr als psychisch bedrohlich für sich erleben und kann auf seiner Entwicklungsstufe Fortschritte machen. Seine Behauptungen, z.B. Schwimmen schon zu können, zeigen ja, wie große Versagensangst aktuell noch ist. Lassen Sie Ihren Sohn in der jetzigen Phase nicht in Kurse gehen, in die er nicht gehen möchte. Ihr Sohn will Sie mit dem Weglassen des "bitte" provozieren. Gehen Sie darauf nicht ein. Sie können das nonverbal lösen. Er bekommt das Verlangte, wenn er Sie angemessen fragt. Das können Sie spielerisch gestalten, um die Situation mit einem Fünfjährigen nicht zuzuspitzen.  Bezüglich der Schule müssen Sie sich keine Sorgen machen. Die Entwicklung Ihres Sohnes schreitet bis dahin noch fort. Zudem verhalten Kinder sich in der Schule oft anders als zu Hause und machen Aktivitäten der Gruppe problemlos mit. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


MaDaS

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Hab noch vergessen zu schreiben, dass er oft sagt, dass er Sachen nicht machen kann/will, weil er es nicht kann. Wenn er sich anziehen soll, dann soll ich oder der Papa das machen, weil er es nicht kann. Wenn er den Tisch decken soll, dann will er es nicht, weil er das nicht kann. Egal ob es um Sachen geht, welche er schon kann oder neu sind, er kann das nicht und wir sollen es statt ihm machen und zeigen/erklären lässt er nicht zu.


MaDaS

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Vielen Dank für die Antwort. Er ist oft mit dem Papa alleine im Büro und "arbeitet". Da hat er eine eigene Mappe, in diese kann er Papier stempeln, lochen, schreiben und ablegen. Auch in der Garage arbeiten sie gemeinsam, aber das ist alles nur von kurzer Dauer, denn dann heißt es wieder: Ich habe keine Lust mehr, mir ist langweilig. Er hat zu mir schon ein paar Mal gesagt, dass er selber entscheiden möchte was er machen/lernen will und ich es ihm nicht sagen soll, denn immerhin ist jedes Kind anders. Ich habe ihm gesagt, dass er selber entscheiden kann was er machen/spielen will, nur manchmal sage ich, was wir gemeinsam basteln und alles andere sind nur Vorschläge. Er wird richtig wütend, wenn er bei einem Spiel verliert, was ich auch verstehe, ich  bleibe dann auch ruhig und versuche ihm die Situation und seine Gefühle zu erklären, aber das bringt nichts. Heute hat er ein Labyrinth auf einem Papier gelöst und hat zu Beginn einen Fehler gemacht. Sofort hat er dann damit aufgehört und meinte nur: "Ich kann das nicht, das ist blöd," und ist dann weggegangen. Ich weiß nicht warum er so eine Einstellung hat. Ich sage in solchen Situatuonen zu ihm, dass er es kann und es probieren und sich bemühen soll, wenn es nicht gleich beim ersten Mal klappt. Ich hoffe, dass sich seine Einstellung noch ändert. LG


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, Sie dürfen sicher sein, dass sich die Einstellung Ihres Sohnes noch ändert. Er scheint ehrgeizig zu sein und alles alleine schaffen zu wollen. Wenn etwas nicht sofort klappt, ist er frustriert und beschämt. Das kommt in diesem Alter häufig vor. Unterstützen Sie ihn darin, sich nicht so schnell frustrieren zu lassen. Dieser Prozess benötigt Zeit. Sie können ihm z.B. sagen: "Ich kann gar nicht glauben, dass so ein toller Junge es nicht schafft, den Tisch zu decken." oder auch "Du musst dich ja ganz schön oft ärgern, wenn dir was nicht gelingt. Mit wäre das zu anstrengend. Ich würde das lieber nochmal versuchen oder mir Hilfe holen." Alles, was das Selbstwertgefühl Ihres Sohnes stärkt, ist hilfreich. Alles Gute Ingrid Henkes


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