Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Verhalten meiner fünfjährigen Tochter macht mir große Sorgen

Frage: Verhalten meiner fünfjährigen Tochter macht mir große Sorgen

Nana1984

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Sehr geehrte Frau Henkes, erst einmal danke für Ihre Arbeit in diesem Forum. Ich sorge mich um meine beiden Töchter (fünfeinhalb Jahre alt und 13 Monate alt). Meine große Tochter hatte schon immer einen starken Willen und ihren eigenen Kopf. 4 Jahre lang war sie Einzelkind, seit ihre Schwester auf der Welt ist, ist es nochmal anstrengender geworden. Sie sagt in letzter Zeit öfter Sachen wie: ich bin die Königin, oder ich bin die Bestimmerin und du (oder eine Erzieherin, die Oma, o.ä.) bist mein Diener. So etwas wollen und sollen wir natürlich nicht akzeptieren, ich weiß allerdings nicht, wie ich damit umgehen soll und wie ich dem einen Riegel vorschieben kann. Sie muss natürlich sehr zurückstecken und wir versuchen ihr auch Exklusivzeit einzuräumen, und trotzdem ist es so schwer mit ihr. Sie erwartet dass man sofort auf sie reagiert, tut man das nicht, folgt ein Wutanfall, auch gerne früh morgens oder nachts, so dass alle wach sind. Vieles muss ich mehrmals sagen bis sie es macht,  auch Dinge, die ihr schwerfallen, bei denen sie mich um Hilfe bittet. Ich sage ihr dann, wie sie es machen soll, sie macht es wieder anders, wundert sich warum es nicht geht, wird dann zornig, ich werde natürlich auch wütend und es wird laut. Warum ist das so? Auch wenn ich sie bitte leise zu sein, weil ihre Schwester schläft, kommt es mir vor, als ob sie mit Absicht laut ist. Ich sage ihr dann, dass wenn sie leise ist ihre Schwester weiterschläft, was für sie wichtig ist und ich so mehr Zeit habe noch etwas mit ihr zu spielen. Ich dachte immer die Aussicht auf Zeit nur mit mir sollte sie das doch einsehen lassen, wie kommt das, dass dem nicht so ist? Das Abholen von der Kita ist auch ein Kraftakt, da ich ja immer die Kleine dabei habe und die Große es ewig in die Länge zieht. Ich muss vor Ort noch alle Bilder oder Bastelarbeiten begutachten, alle Vorschläge, dass wir das in Ruhe daheim machen werden überhört. Mich stresst das zusehends, selbst die Erzieher haben mich schon drauf angesprochen, ob ich hier Unterstützung brauche. Die haben sie dann liebevoll, aber bestimmt zur Tür geleitet, was natürlich wieder in lautstarken Wutanfällen geendet hat. Sie ist seit sie mit 2 in den Kindergarten geht zwei Nachmittage in der Woche bei Oma und Opa (ca. 3 h). Da sie sich in letzter Zeit dort immer frecher benommen hat, habe ich nun beschlossen, das das restliche Jahr über auszusetzen, ehrlich gesagt auch um zu vermeiden, dass meine Schwiegereltern die Reißleine ziehen und die Betreuung ganz abgeben wollen. Neulich hatten wir von meiner Schwester und meiner Nichte Übernachtungsbesuch, obwohl sie die beiden liebt war sie frech und unausstehlich und sagte immer wieder, dass die beiden sie stören würden und gehen sollen. Das kam allerdings erst, nachdem die beiden sie mehrfach in die Schranken gewiesen haben, weil sie teilweise gehauen hat, frech war und in keiner Weise kooperieren wollte. Ich hatte ihr Wochen im Voraus den Besuch angekündigt, sie hat sogar mit überlegt was wir zusammen kochen können und welche Bettwäsche die beiden bekommen und trotzdem war es am Schluss so ein Theater. Erst heute war die Bettroutine ein einziges Chaos. Mein Mann war nicht zu Hause, daher musste ich beide Kinder zu Bett bringen. Meistens klappt es ganz gut, die Kleine ist bettfertig in ihrem Bettchen und spielt dort während ich der Großen, ebenfalls bettfertig, vorlese. Dan sage ich ihr gute Nacht, sie legt sich hin und schläft meistens recht zügig eine ich stille oder wiege die Kleine dann in den Schlaf. Heute war die Große so aufgedreht. Ich habe ihr gesagt, dass sie gern in ihrem Zimmer nebenan leise noch spielen, Bücher anschauen oder was anhören darf oder aber bei uns bleibt und leise ist. In ihr Zimmer wollte sie nicht, stattdessen hüpfte sie im Bett herum und sang und pfiff laut, die Kleine wurde dadurch natürlich nur unruhig. Es endete in einem totalen Fiasko, als ich sie im Flur auf die Treppe stellte und das Gitter schloss, ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen. Nochmal möchte ich das aber nicht machen, denn 1. denke ich ist das nicht die beste Art und 2. hat sie ohnehin jetzt entdeckt wie man das Gitter öffnet. Haben Sie mir hier einen Vorschlag, wie ich vorgehen kann, was ich tun kann wenn sie eben partout nicht hört, ich aber die Kleine schlafen legen muss? Ich bin über den starken Willen meiner Tochter einerseits froh, möchte ihn auch nicht brechen, aber so kann es ja auch nicht weitergehen. Was ist hier ein guter Weg? Und ich lese immer dass man Machtkämpfe vermeiden bzw. sich nicht drauf einlassen soll, habe aber Schwierigkeiten mit der Umsetzung dessen. Können Sie mir hier Tipps geben? Die Kleine ist sehr genügsam, daher ist es natürlich verlockend sie im Laufstall abzulegen, sie beschäftigt sich da auch viel alleine. Trotzdem mache ich mir Sorgen, ob sie Schaden nehmen kann, weil ich mich dann nicht mit ihr so viel beschäftige. Dadurch dass sie so pflegeleicht ist mache ich auch sehr viel Hausarbeit nebenher oder etwas Sport für mich. Sie schaut zu und wir interagieren auch, aber das ist ja kein mit ihr Spielen. Gibt es Signale außer Weinen, die mir zeigen dass es ihr im Laufstall nicht gutgeht und ich stattdessen die Zeit mit ihr verbringen sollte oder ist es in Ordnung solange sie entspannt ist? Oder hat sie schon resigniert? Das Problem ist dass mir das zusehends über den Kopf wächst, ich habe permanent ein schlechtes Gewissen, weil ich keinem der Kinder gerecht werde. Zeitgleich bemerke ich bei mir heftige Stresssymptome wie Herzrhytmusstörungen, einen hohen Puls, häufiges Blinzeln, ich fühle mich ständig getrieben und gestresst und wie wenn ich mit nichts fertig werde. Alles bleibt liegen. Der Haushalt sieht furchtbar aus, Kleinigkeiten wie eine kaputte Spülmaschine kosten mich den letzten Nerv. Ich bin dauermüde und habe an fast nichts mehr Interesse, selbst die anstehenden Feiertage stressen mich obwohl ich mich sonst das ganze Jahr auf Weihnachten freue. Mir ist alles zu viel, dabei habe ich Unterstützung durch meine Schwiegereltern, allerdings nur für je ein Kind, so dass ich mit dem anderen etwas unternehmen kann. Ich wünsche mir mehr Zeit nur für mich und dass mir die Kindererziehung Spaß macht und ich mit Gelassenheit da rangehen kann. Die beiden Kinder lieben sich übrigens abgöttisch, nur sehr selten kommt von der großen Tochter mal ein Spruch gegen ihre Schwester. Sie sind auch sehr süß miteinander wenn alles gut läuft. Ich hoffe Sie können mir helfen. Vielen Dank und viele Grüße. Nana1984


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, sicherlich befindet sich Ihre ältere Tochter noch in starker Rivalität zur jüngeren Schwester. Sie versucht mit allen Mitteln, ihre Position in der Familie zu sichern. Sie wendet sich jedoch nicht gegen die Schwester, sondern führt den Machtkampf mit Ihnen. Hier braucht sie deutliche Grenzen. Manchmal kann es sinnvoll sein, einen Machtkampf zu vermeiden oder bei Kleinigkeiten das Kind gewinnen zu lassen. In wichtigen Situationen geht das jedoch nicht. Sie können Ihrer Fünfjährigen durchaus schon sagen: "Die Bestimmerin bin ich, weil ich erwachsen bin und du bist ein kleines Kind, das hören muss." Fünfjährige haben noch nicht viel Einsicht entwickeln können. Für Ihre Tochter ist es wichtig, die Situation zu dominieren. Sie denkt über die Folgen noch nicht nach. Bleiben Sie standhaft, auch wenn Ihre Tochter dann wütend reagiert. Sie müssen im Kiga nicht noch alle Bilder anschauen. Nehmen Sie Ihre Tochter fest an der Hand und gehen Sie. Wenn Sie Ihre jüngere Tochter zu Bett bringen, kann Ihre Große sich nicht aussuchen, wo sie bleibt. Wenn sie stört, muss sie in ihr Zimmer. Ihrer jüngeren Tochter scheint es gutzugehen und sie ist zufrieden. Sie ist nicht alleine, auch wenn Sie sich nicht direkt mit ihr beschäftigen. Ihr Verhalten ist kein Anzeichen von Resignation. Die ersten Jahre mit zwei kleinen Kindern sind besonders für Mütter immer eine sehr anstrengende Zeit. Müttern bleibt meist wenig Zeit für sich. Das wird mit dem Älterwerden der Kinder in der Regel besser. Da der Stress Sie jedoch derart belastet, dass Sie körperliche Symptome haben, brauchen Sie jetzt Unterstützung, um etwas zu verändern. Sie sollten Ihre angespannte Situation nicht einfach weiter aushalten. Beziehen Sie Ihren Mann in die für Sie schwierige Situation mit ein. Zu zweit lassen sich oft leichter Lösungen finden. Sprechen Sie mit Ihrer/m Ärztin/Arzt über Ihre Probleme. Möglicherweise hilft Ihnen auch eine Familienberatung, in der Sie Erziehungsfragen besprechen können. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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