Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Ingrid Henkes:

Kindergartenangst - Kind 3 Jahre

Frage: Kindergartenangst - Kind 3 Jahre

sonja91bk

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Sehr geehrte liebe Frau Henkes, ich wende mich an Sie, weil ich mir aktuell große Gedanken um meine Tochter (3 Jahre und 5 Monate) mache und mir eine fachliche Einschätzung wünschen würde. Sie besucht seit November den Kindergarten. Die Eingewöhnung verlief von Anfang an wechselhaft, jedoch lief es kurz vor den Ferien sehr gut – sie ging gerne hin, war fröhlich und wir hatten das Gefühl, dass sie gut angekommen ist. In den Faschingsferien war sie krank (Fieber etc.). Seitdem hat sich ihr Verhalten deutlich verändert. Seit etwa einer Woche weint sie wieder täglich im Kindergarten, beteiligt sich kaum am Geschehen und wirkt insgesamt sehr verunsichert. Teilweise weint sie mehrmals am Tag. Bereits abends äußert sie, dass sie Angst vor dem Kindergarten habe. Besonders Situationen mit vielen Kindern oder „wenn viele Menschen da sind“ machen ihr Angst. Manchmal klagt sie auch über Bauchschmerzen. Grundsätzlich ist sie ein sehr feinfühliges, sensibles und empathisches Kind. Sprachlich ist sie weit entwickelt. Sie wächst zweisprachig (Türkisch-Deutsch) auf und lernt Deutsch noch im Kindergarten. Zu Hause ist sie fröhlich und offen, benötigt jedoch viel Nähe und Sicherheit. Mir fällt auf, dass sie sehr schnell zu weinen beginnt, wenn sich Situationen für sie plötzlich verändern oder wenn sie sich nicht verstanden fühlt. Beim Abholen erzählte sie mir auf Türkisch, dass man ihr draußen die Mütze abgenommen habe und sie deshalb geweint habe. Da sie sich auf Deutsch noch nicht ausreichend ausdrücken kann, habe ich dies der Erzieherin erklärt. In diesem Moment nahm ich einen deutlich hörbaren, eher genervt wirkenden Atemzug wahr („es war ja warm draußen“). Das hat mich zusätzlich verunsichert, da ich nicht sicher bin, ob ihre Reaktionen im Kindergarten richtig eingeordnet werden oder ob sie sich dort ausreichend verstanden fühlt. Seit einiger Zeit ist sie außerdem sehr stark auf mich fixiert und sucht außergewöhnlich viel Nähe. Die gesamte Situation belastet mich emotional sehr. Ich habe große Sorge, etwas zu übersehen oder nicht angemessen zu reagieren, und wünsche mir daher eine fachliche Einschätzung, wie dieses Verhalten einzuordnen ist und wie ich sie bestmöglich unterstützen kann. Über eine fachliche Rückmeldung Ihrerseits würde ich mich sehr freuen. Bitte entschuldigen Sie den langen Text – es war mir wichtig, die Situation möglichst genau zu schildern. Mit freundlichen Grüßen Sonja


Ingrid Henkes

Ingrid Henkes

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Guten Tag, Es kommt durchaus häufig vor, dass Kinder in der Anfangszeit im Kiga durch Krankheiten oder Ferien in der Eingewöhnung nochmal zurückgeworfen werden. Sie merken dann, dass es zu Hause doch am Schönsten ist. Bei Krankheiten werden sie auch besonders umsorgt und bekommen viel Nähe. Danach fällt der Wiedereinstieg in den Kiga oft besonders schwer. Vermitteln Sie Ihrer Tochter, dass Sie sicher sind, dass sie den Kiga schaffen wird. Probleme mit vielen Menschen oder Bauchschmerzen äußern Dreijährige in der Regel nicht von sich aus. Sie schnappen sie eher bei Erwachsenen auf. Es könnte sinnvoll sein, dass Sie die Erzieherin nochmal auf die beschriebene Situation ansprechen und sie klarzustellen. Es ging Ihnen ja nicht darum, sich zu beschweren, weil Ihre Tochter keine Mütze anhatte. Die Erzieherin sollte verstehen, warum Ihre Tochter geweint hat und dann sicherlich Trost gebraucht hätte. In der kindlichen Entwicklung gibt es immer wieder Phasen, in denen ein Kind wieder mehr Nähe braucht. Bei Ihrer Tochter könnte aktuell die immer noch unsichere Eingewöhnung ein Grund dafür sein. Sie können dieses Nähebedürfnis akzeptieren, bis Ihre Tochter zu mehr Sicherheit gefunden hat. Dabei helfen sicherlich auch zunehmende Deutschkenntnisse. Zudem sollte der Vater versuchen, verstärkt Beziehungsangebote zu machen, um die ausschließliche Bezogenheit Ihrer Tochter auf Sie zunehmend aufzulösen. Sorgen müssen Sie sich wegen der aktuellen Situation nicht machen. Sie haben Ihre Tochter sehr gut im Blick und achten auf ihre Entwicklung. Winnicott, ein Begründer der Kinderpsychologie hat einmal gesagt, dass es perfekte Mütter nicht gibt. Es genügt völlig, wenn sie "gut genug" sind. Das bedeutet, sie müssen sich Mühe geben (Väter im Übrigen auch). Wenn mal etwas schiefgeht, schadet das der Entwicklung eines Kindes nicht. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes


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